Oberlauringen

Leser-Forum: Stellungnahme ist an Scheinheiligkeit nicht zu übertreffen

Zum Artikel "Warum ein Denkmal das neue Umfeld des Rückert-Poetikums stört" und zu den darauf erschienenen Leserbriefen erreichte die Redaktion folgende weitere Leserzuschrift.

Am 23. März erfuhren die Oberlauringer Bürger durch einen Pressebericht im Schweinfurter Tagblatt dass "ihr Kriegerdenkmal" neben dem alten Rathaus – in dem das Rückertmuseum untergebracht ist – das Umfeld des Poetikums (plötzlich) stört und dadurch eine Versetzung zum Friedhof geplant ist.

Der Gemeinderat Stadtlauringen stimmte durch Beschluss dem erbrachten Konzept der Planerin, Frau Stonus, zu. Die Oberlauringer Bürger wurden so vor vollendete Tatsachen gestellt.

Die persönliche Stellungnahme des 1. Bürgermeisters Heckenlauer im Nachhinein, im "Stadtlauringer Amtsboten" Ausgabe Nr. 15, um eine sachliche Diskussion zu diesem Sachverhalt ist an Scheinheiligkeit nicht zu übertreffen. Sie ist in verschwurbelter Form genau der Standpunkt seiner Planerin Frau Stonus, den sie in dem (Riesen-)Bericht im Schweinfurter Tagblatt vom 21. April darlegt. Allein ihre hier gemachte Äußerung, es "müsste deshalb im Grunde die Biografie eines jeden Soldaten hinterfragt und erforscht werden, welches die Beweggründe und Haltung eines jeden einzeln es waren um in den Krieg zu ziehen" führt ins Absurdum.

Hallo Frau Stonus! Die Mutigen, die sich versuchten zu widersetzen, landeten vor einem Kriegsgericht und wurden bei sogenannten "Himmelfahrtskommandos" eingesetzt, was den sicheren Tod bedeutete, oder sie kamen ganz einfach in ein KZ. Weder das "Kaiserreich" noch das "1000-jährige Reich" waren eine Demokratie, wo man seinen "Wehrdienst" einfach "mal so verweigern konnte", wie wir das aus unserer Zeit kennen – dieses Wissen sollte eigentlich zur Allgemeinbildung einer Historikerin gehören.

Ach ja, liebe Oberlauringer Mitbürger. An die Stelle des Kriegerdenkmals, auf dem im Übrigen auch an vier im Ersten Weltkrieg gefallener jüdischer Mitbürger erinnert und gedacht wird, sollen nun eine Sitzbank und eine Stehle von Friedrich Rückert gestellt werden. Das ist nicht sehr pietätvoll den Nachkommen der Gefallenen und Vermissten gegenüber.

Ach ja, und der alte Dorfbrunnen der vor gut zehn Jahren für sehr viel Geld wieder (nach-)aufgebaut wurde und ein richtiges Schmuckstück (vor allem mit seinem Osterschmuck) darstellt, soll durch eine "Wasserkule" ersetzt werden – er passt auch nicht mehr in "das Bild" der Planerin – da kann man nur mit dem Kopf schütteln.

Es scheint fast so, dass alle fränkischen Bürgermeister sich in Zukunft in Acht nehmen müssen, dass sie nicht als "Huldigungsstättenverwalter" (in bestimmten Personenkreisen) verdächtigt werden und somit – eventuell – als Wegbereiter für rechte Extremisten gelten.

Olga Müller

97488 Oberlauringen

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