Gerolzhofen

Leserforum: Bäume dürfen nicht beschmiert werden

Zur Berichterstattung "Schmierereien" im Steigerwald und die Rolle von Frau Lisa Badum erreichte die Redaktion folgender Leserbrief.

Seit Jahr und Tag ärgere ich mich über die Schmierkultur in unseren Wäldern. Wo immer du auch hinkommst, überall werden mit neongrellen Lettern Zahlen und Hinweise auf die Bäume gespritzt. Im Staatswald gehört der Baum dem Bürger, nicht dem Sprayer! Die Letter bringt keiner mehr ab, die sind nicht abwaschbar. Die wird der Waldboden schon irgendwie mal kleinkriegen, hoffe ich, und dass sie schwermetallfrei, nicht krebserregend, nicht toxisch sind, wovor die entsprechenden Sicherheitsdatenblätter aber warnen. Da erinnere ich mich oft an die Worte meiner Mutter: "Narrenhände beschmieren Tisch und Wände."

Nun freue ich mich aber besonders, ob der plötzlichen Einsicht, dass man kein Eigentum mehr beschmieren sollen sollte in unserem Wald, nicht einmal mit abwaschbaren umweltfreundlichen Kreidefarben. Die gehen sicher leichter ab durch Wasser und Regen als normaler Schmierdreck durch die tägliche Forstarbeit. Aber das tut man nicht, weder an Bäumen noch an Maschinen. Da bin ich gerne mit empört: "Kein Beschmieren mehr!".

Und was tut man auch nicht: in einem Nationalparksuchgebiet ständig alte Bäume rausschneiden und Tatsachen schaffen. Da bin ich auch mit empört und kann verstehen, dass mit dem Akt von Verzweiflung junge Menschen ihre Rettungsbotschaft möglichst effektiv und breit streuen wollen. Seit über einem Jahrzehnt wird eine neutrale Machbarkeitsstudie von der Politik "vorsätzlich" verweigert – was soll das?

Seit über einem Jahrzehnt ist bekannt, dass dieses Waldgebiet einen der besten Orte in Deutschland darstellt, noch darstellt, unseren drängendsten Beitrag für unsere heimische Natur zu leisten – und die Verantwortung wird heruntergespielt, mit kleinen Trittsteingeschenken weggeschoben, mit Halbwahrheiten und Angst dem Bürger madig gemacht, als wolle ein Nationalpark auf zehn Prozent Fläche den Naturpark verschlingen oder den Menschen vor Ort aussperren – das Gegenteil ist der Fall: nie zuvor hatte der ansässige Bürger mehr Mitspracherecht um seinen "Staats"-Wald vor seiner Haustüre als bei einer Umwandlung in einen nationalen Park, der überdies die Chance hätte zum Weltnaturerbe gekürt zu werden. Sag mir, "Wie niederträchtig ist diese Politik?"

Wenn also in dieser offensichtlichen Notlage, in der schnellstes Handeln im Zeichen des Klimawandels das Gebot der Stunde ist und in der anrüchigen Gemengelage von verstockter, aggressiver und faktenschaffenwollender Lobby-Politik eine junge Politikerin, namentlich Frau Lisa Badum, frische Hoffnung säht und jungen Menschen ihr Ohr und eine Öffentlichkeit bietet, dann kann ich nur sagen: "Weiter so und unbeirrt" – denn die Geschichte zeigt zuhauf: zuerst ist man Spinner, dann Feind und Exot, dann Held und Vorbild und am Ende waren dann alle Helden und immer heiß für die Sache eingestanden, auch die, die sich heldenhaft weggeduckt hatten. Wie pflegte mein Hauptmann immer gerne zu sagen: "Seid nicht feige, lasst mich hinter den Baum!"

Also nochmals Danke, dass ab sofort niemand mehr irgendwelche Farben in Wald und Flur verspritzt, Danke, dass die Verantwortlichen ihre verzweifelte Botschaft schnell wieder abgewaschen haben, Danke, dass sich Menschen freiwillig einsetzen für unsere alten Buchenwälder, die ich lieber lebend oder sterbend auf dem Waldboden betrachte als im Schlamm hinter Baumerntemaschinen. Danke an eine ehrliche Politik für junge Menschen.

Dr. Robert Atzmüller
97522 Sand

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