Grafenrheinfeld

Leserforum: Ein Einkaufszentrum für jedes Dorf?

So soll das MainCenter in Grafenrheinfeld aussehen.
Foto: Rosbo | So soll das MainCenter in Grafenrheinfeld aussehen.

Zum Artikel "Bürger wünschen sich größere Märkte" erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:

Wünschen Bürger im ländlichen Raum tatsächlich größere Märkte? Am besten ein Riesen-Einkaufszentrum vor den Toren jedes einzelnen Dorfs und dazu noch über 100 Parkplätze? Wünschen sie auch weitere versiegelte Flächen, mehr Beton, Asphalt und Pflasterstein, die lebensnotwendige Bodenfunktionen zerstören, Wasserhaushalt und Klima negativ beeinflussen? Das würde es nämlich ebenfalls bedeuten!

Und wo kommt denn das Land her für die "ökologischen Ausgleichsflächen"? Auch neu gebaut? Die Bevölkerung in Deutschland nimmt nicht zu, wohl aber der Flächenverbrauch für Siedlungen, Verkehr und Gewerbe, alles auf Kosten der Natur. Jeden Tag in Deutschland 100 Fußballfelder.

Dabei passen großflächige Einkaufszentren gar nicht mehr in die heutige, vom Klimawandel bestimmte Zeit. Die expansiven baulichen Aktivitäten der Einzelhandelsriesen sind nur weitere Beispiele, wie Wirtschaftsunternehmen an alten Konzepten kleben, obwohl sich ökologische und demographische Bedingungen mittlerweile grundlegend geändert haben.

Im Übrigen bezieht sich Ulrike Schneider, die in ihrer Stellungnahme (vom 29. März, Seite 27) größere Zusammenhänge erfasst, auch auf das geplante, kontrovers diskutierte MainCenter in Grafenrheinfeld, dessen Versorgungssituation mit der der meisten Gemeinden des "Schweinfurter Oberlandes" nicht wirklich zu vergleichen ist. In wenigen Minuten erreicht man von Grafenrheinfeld aus viele große Einkaufszentren, die es in Schweinfurt, Bergrheinfeld, Schwebheim und Werneck ja schon längst gibt.

Der bestehende Edeka-Lebensmittelmarkt in der Grafenrheinfelder Dorfmitte hingegen, den zahlreiche Kunden erhalten wollen, ist mit insgesamt etwa 1000 Quadradmetern kein Tante-Emma-Laden und hat mit knapp 30 Parkplätzen in jeder Hinsicht ein zeitgemäßes Angebot für einen Ort dieser Größe. Der Eigentümer selbst möchte auch weiterhin einen Supermarkt in seinem Gebäude sehen.

Dieses wegen seines Baujahrs 1979 als „Dinosaurier“ (Edeka, Pressemitteilung) zu bezeichnen, beleidigt m. E. viele Familien, die bewusst ein älteres Wohngebäude im Dorfkern erhalten, energetisch sanieren und mit liebevoller Verschönerung ihren Beitrag zu Ressourcenschonung, Klimafreundlichkeit sowie nachhaltiger Innenentwicklung und Attraktivität ihres Heimatorts leisten!

Der überflüssige Neubau eines Einkaufszentrums auf der grünen Wiese tut es dagegen keineswegs. Vollkommen zu Recht erachten nachdenkliche Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner die bedrohten Agrar- und Naturflächen als wertvoll.

Ganz besonders befremdlich ist jedoch, dass der Einzelhandelsriese Edeka in seinen vielen Werbe-Flyern ständig den Grafenrheinfelder Wählerinnen und Wählern genau sagt, wie sie beim Bürgerentscheid am 18. April für den MainCenter abzustimmen haben. Wie die örtliche CSU, FBL und SPD-FW eine weitere achtseitige Werbebroschüre dieses Unternehmens mit ihren Partei-Logos freundlich unterstützen und die umstrittenen Neubaupläne von "Projektentwicklern" und kapitalkräftigen Investoren mit Klauen und Zähnen verteidigen.

Hört sich nicht nur nach Filz an! Dabei schüren sie irrationale Ängste (3. Bgm. am 25. Januar, Seite 19: "und dann (haben wir) gar nichts mehr"), anstatt einfach nur auf die Bürgerinnen und Bürger zu hören, welche Dorfentwicklung diese denn wirklich möchten.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Ein zentral gelegener, guter Lebensmittelladen für den täglichen Bedarf tut es auch.  

Barbara Schug

97506 Grafenrheinfeld

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