Oberlauringen

Leserforum: Ein Stolperstein muss ein Stolperstein bleiben

Zum Artikel "Kriegerdenkmal stört Umfeld des Poetikums" (vom 23. März) erhielt die Redaktion folgende Leserzuschrift.

Das Kriegerdenkmal ist nicht mehr zeitgemäß und stört die kommerzielle Ausrichtung Oberlauringens zum Rückertdorf. So lese ich es aus dem Artikel heraus.

Was bisher zum Thema Rückert in Oberlauringen geschah, ist wichtig und wunderbar. Doch schleicht sich nun bei mir eine Ahnung ein, dass jetzt die Fehler der Vergangenheit wiederholt werden. Denn längst ist das Kriegerdenkmal kein Ort der Heldenverehrung mehr, sondern ein Gedächtnisort für Opfer und Täter in vergangenen Tagen und eine Mahnung zum Frieden in Gegenwart und Zukunft.

Wer könnte in unseren Tagen dessen Notwendigkeit bestreiten, in Zeiten neu aufflammender Konflikte und Kriege. Denn nach wie vor gibt und braucht es den Dienst an der Waffe, um unseren Frieden zu erhalten. Nach wie vor stellen Menschen ihr Leben in den Dienst der Allgemeinheit, bringen ihr Leben für uns in Gefahr.

Das Kriegerdenkmal ist also längst zum Stolperstein für die kritische Auseinandersetzung mit Kriegen und deren Begründung geworden. Und ein Stolperstein gehört mitten hinein ins Leben, dort wo er auffällt und man quasi darüber fällt. Er darf sich nicht harmonisch hineinfügen, muss auffallen.

Gerade wenn es um Friedrich Rückert geht, mutet die bisherige Begründung für die Versetzung des Kriegerdenkmal seltsam an. Oder werden auch hier Seiten des Dichters bewusst ausgeblendet?

Wer seine "Geharnischten Sonette" liest, findet sich schnell im Gedankengut der Heldenverehrung wieder:
"Ich sehe, Helden, dass mich's will gemahnen,
Als säh' ich meine alte Zieten reiten.
Auf, meine Preußen, unter ihre Fahnen!"

Rückert ruft zum Befreiungskampf gegen Napoleon auf. Er ruft zum Krieg als Heldendienst. So ist das Kriegerdenkmal in Oberlauringen aus vielerlei Hinsicht nicht fehlplatziert, sondern eine große Chance, sich auch mit der kritischen Seite Rückerts in ihrer historischen Verortung auseinander zu setzen. Oder will sich Oberlauringen in Zukunft den Vorwurf gefallen lassen, dass es nur die guten Seiten des Dichters bedenkt und seine schwierigen nicht? Passt so eine einseitige Darstellung zu Oberlauringen?

Als ehemaliger, aber mit ganzem Herzen verbundener Oberlauringer sage ich: Nein. Wir leben nicht mehr in der Romantik, die nur das Schöne darstellte und das Schwere ausblendete. Wir leben in der Wirklichkeit. Und das Interesse an Rückert wird durch eine kritische Würdigung nicht weniger, sondern mehr.

Oberlauringen hat eine historische Verantwortung: Ein Stolperstein muss ein Stolperstein bleiben! Lasst das Kriegerdenkmal stehen.

Tobias Knötig

96145 Seßlach

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