Grettstadt

Leserforum: Steigerwaldbahn gegen Verkehrsdruck

Zum Thema Steigerwaldbahn erreichte diese Redaktion folgender Leserbrief.

Wie und warum bewege ich mich von einem Punkt zum anderen? Ist es das Pendeln, das Reisen oder der Wochenend-Freizeit-Tourismus zu den immer stärker frequentierten regionalen Sehenswürdigkeiten und in die regionalen Erholungsgebiete? "45 Millionen Euro für die 4300 Meter nach Schwebheim" betitelte die Mainpost einen Artikel. Der Planungsprozess zog sich laut Frau Dr. Weisgerber über 30 Jahre in die Länge. Meines Wissens nach gab es keine Umfragen, keine Bürgerbeteiligung, kein Hinterfragen der Aktualität und Angemessenheit.  

Ich kann mich an die extreme Verkehrsbelastung der angrenzenden Kommunen erinnern, durch die der Umleitungsverkehr geführt wurde. Abgase und Lärm waren deutlich spürbar, die Gebäude gräulicher von Abgasen. Dass andere Kommunen eben diesen Verkehr jeden Tag spüren, übersieht man, es liegt nicht vor der eigenen Haustür. Die Steigerwaldbahn hat Potential hier zu entlasten.

Es gibt mittlerweile mindestens drei neutrale und davon zwei befürwortende Studien (die dritte wurde noch nicht veröffentlicht) und Umfragen, die beide Sichtweisen der Bürger deutlich machen. Es gibt eine Kostenvermutung der CSU von circa 60 Millionen Euro. Das wären pro Kilometer 1,5 Millionen Euro. Diese stehen gegenüber 10 Millionen Euro pro Kilometer für den Ausbau einer Straße, bei der auf den 4,5 Kilometern nun kaum mehr als zwei Minuten Fahrzeit eingespart werden. Es wundert mich, dass vermehrt Laien die heutigen Anforderungen an eine Infrastruktur mit der vor 50 Jahren vergleichen.  

Gefühlt schauen die Ortschaften Gochsheim bis Sulzheim bisher nur nach Schweinfurt. Der Pendler in die Gewerbeparks Richtung Kitzingen weiß, wie sehr die Ortschaften durch den Individualverkehr eingeschränkt und gespalten sind. Wir sind keine Metropolregion. Wer täglich den Verkehr, auch zu Zeiten von Homeoffice, nach Kitzingen miterlebt, zweifelt daran ab und an. Wollen das die Orte wie Gaibach, eine Umgehung, die landwirtschaftliche Flächen versiegelt? Setzen wir nicht lieber unsere Kinder in einen sicheren Zug als in volle Busse ohne Gurte?

Der Verkehrsdruck durch den Pkw verstärkt sich immer mehr. Die Flächen füllen sich mit Parken statt Wohnen. Fahren vielleicht ein paar mehr Elektrobus, der wie es mancher Politiker vermutet, in Schweinfurt hergestellt (oder verpackt) werden könnte, machen wir uns keine Gedanken über die Herkunft und Nachhaltigkeit der Akkus, die hierfür nötig sind. Es ist nicht vor unserer Haustür.

Mit dem Potential der Bahn finde ich es fragwürdig, dass ein kommunaler Behindertenbeauftragter sich gegen eine Verbesserung der Fortbewegung für alle einsetzt. Nicht jeder mag Busfahren, hat das Geld für ein Auto oder kann Fahrrad fahren. Die Gemeinden müssen sicherlich Geld für eine bessere Anbindung investieren. Hierzu gibt es Förderprogramme. Grettstadt spielt mit dem Gedanken, gegen innerörtliche Nachverdichtung mit notwendigem Wohnraum an Stelle des derzeitigen Feuerwehrhauses einen Parkplatz zu schaffen. Kosten und Angemessenheit spielen weniger eine Rolle.

So mancher nutzte die günstigen Grundstückspreise entlang der bestehenden Bahn aus. Diese Anwohner sollten jedoch nicht allein über ein überregional wichtiges Infrastrukturprojekt entscheiden, sondern neutrale Fachkräfte in Einbezug aller Bürger.

Katharina Söllner
97508 Grettstadt

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