Üchtelhausen

Leserforum: Von Sachzwängen getrieben

Zum Artikel „Grebner: Erst informieren, dann kritisieren" am 3. April im Schweinfurter Tagblatt erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift:

Üchtelhausens Bürgermeister Johannes Grebner hat ausführlich auf die Kritik von Stadträtin Dr. Ulrike Schneider bezüglich des Baus von Einkaufszentren an Ortsrändern reagiert. Unterstützt wird er durch den Vorsitzenden der CSU-Fraktionen von Kreistag und Stadtrat Schweinfurt sowie vom Kreisvorsitzenden des Bayerischen Städtetages – in meinen Augen alle „arme, getriebene Würstchen“.

Seine Begründungen für Flächenversiegelung, Gewerbegebiete, Infrastruktur und Verbindung der Nachbargemeinden sind ausführlich und machen die Sachzwänge deutlich, in denen sich die Verantwortlichen der Gemeinden befinden.

Die Menschen ziehen aufs Land und wollen dort den gleichen Komfort wie in der Stadt: ein bequemes Leben, mit allen Einrichtungen vor der Haustür. Ins Bild passen die Gartenanlagen der Neubaugebiete. Wenn eine Familie keine Naturwiese möchte, sondern Rollrasen legt, begründet sie es damit, dass das Kind nicht in Bienen treten soll und ungehindert von Insekten spielen kann. Wer mag diese Fürsorge kritisieren?

Es ist durchaus verständlich, wenn Bürgermeister ihre Gemeinden attraktiv machen wollen, damit sich die Bewohner wohlfühlen. Und die Menschen wollen eben konsumieren, versorgt sein, Freizeitanlagen vor der Tür haben und ein bisschen Natur als schöne Kulisse haben, schließlich will man „im Grünen“ wohnen.

Für die Politik und Wirtschaftslobby spielt es keine Rolle, ob eine „wunderschöne grüne Wiese“ oder ein ausgebeuteter Acker, ein „Grenzertragsboden“, zugepflastert wird. Verdient wird mit dem, was auf der Fläche steht, nicht an der Natur selbst. Das ist die traurige Wahrheit und auch unser Verhängnis.

Es ist im Kleinen wie im Großen: Der eine fackelt das Unkraut im Rinnstein und auf der Terrasse ab, und damit ungezählte Kleinlebewesen – er hat für sich einen Grund.

Der andere, Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro lässt mit atemberaubender Geschwindigkeit den Regenwald (die Lunge der Erde) abbrennen – auch er und die Agrarlobbyisten haben ihre guten Gründe und verbitten sich jede Einmischung.

Herr Grebner unterschätzt Frau Schneider. Sie ist sehr gut informiert und geht sehenden Auges durch ihre Umgebung. Sie zeigt genau dahin, wo es wehtut und wo keiner hinschauen möchte. Mit ihrem Mut, unbequem zu sein, erzeugt sie Öffentlichkeit und damit die Chance für jeden, sein Tun auf den Prüfstand zu stellen. Denn wir wissen mittlerweile genau, was mit Mutter Erde passiert und spüren bereits die Auswirkungen vor unserer Haustür.

Irmgard Lexa-Hofmann

97453 Schonungen

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