Gerolzhofen

Leserforum: Wachstum über alles – aber wohin?

Zum Artikel "Gerolzhofen gibt grünes Licht für Norma" (vom 5. Dezember) erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift.

Mein erster Leserbrief zu einem für mich emotionalen Thema: die Verschwendung einer so großen Fläche wertvollen Ackerlandes für:
- denkbar fragwürdige Einnahmen an Gewerbesteuer für die Stadt Gerolzhofen. Berechnet sich die Gewerbesteuer doch bei einer Zerlegung (bei mehreren Betriebsstätten eines Unternehmens) nach der Summe der ausgezahlten Löhne und nicht nach der Größe des Gebäudes beziehungsweise nach der verbrauchten Fläche. Was soll da dann groß in Gerolzhofen ankommen bei maximal 200 Arbeitsplätzen? Und woher stammen die genannten zu erwartenden Zahlen für die Gewerbesteuereinnahmen? Hat man sich zum Beispiel in Donnersdorf erkundigt, ob der damals versprochenen Geldsegen auch tatsächlich eingetroffen ist?
- Das Thema "Arbeitsplätze" punktet auch nicht wirklich, weil die Landkreise Schweinfurt/Haßberge/Kitzingen/Bamberg gar nicht so viele Arbeitssuchende beziehungsweise Wechselwillige hergeben, bei unserer niedrigen Arbeitslosenquote. Und osteuropäische Arbeitnehmer werden wahrscheinlich kaum mehr als den Mindestlohn erhalten, was sich wiederum negativ auf das Ergebnis der Löhne in Bezug auf die Gewebesteuer auswirken wird.

Thema Versiegelung: Ein Gebiet ist erst dann versiegelt, wenn die Bodenplatte in Beton gegossen ist. Und nicht deshalb, weil es schon lange als Gewerbegebiet ausgewiesen ist und deshalb als versiegelt gilt. Das ist Fakt! Und was passiert, wenn dieses große Areal für Norma platt gemacht worden ist? Dann muss schnellstens ein neues Gewerbegebiet geschaffen werden, denn es kann ja nicht sein, dass potenzielle bauwillige Unternehmen sich anderswo umschauen müssen.

Wie lange soll das noch so weitergehen, diese veraltete Denkweise: Stillstand ist keine Option beziehungsweise Wachstum über alles – fragt sich nur, wohin noch?

Wie gut tut es da zu lesen, dass moderne Gemeinden beziehungsweise Städte wie zum Beispiel Bischofsheim/Rhön neue Wege beschreiten und keine neuen Bau- beziehungsweise Gewerbegebiete mehr ausweisen. Und siehe da, die prophezeite Abwanderung von Familien beziehungsweise Unternehmen hat nicht stattgefunden.

Im Gegenteil, alte Häuser werden zu neuem Leben erweckt und gewerbliche Stillstände mit Förderprogrammen und Flächenmanagement ebenso. Das würde unserer schönen, historischen Altstadt viel besser stehen.

Wenn ich junge Familien wäre, würde ich mir überlegen, ob es mit einem so großen Bau vor den Toren Gerolzhofens erwähnenswert ist, hierher zu ziehen.

Zu guter Letzt: Es fehlt eine Mitentscheidung beziehungsweise wenigstens eine Anhörung der Bürger bei so einem überdimensionierten Projekt, das alle betreffen wird mit noch viel mehr Verkehr, Lärm, Abgasen, Unfällen...

Beate Kraft

97447 Gerolzhofen

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Schweinfurt und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Gerolzhofen
Altstädte
Arbeitslosenquote
Arbeitsplätze
Arbeitssuchende
Gebäude
Historische Altstädte
Löhne und Einkommen
Stadt Gerolzhofen
Verkehr
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!