Grafenrheinfeld

Leserforum: Welche Zukunft wollen wir?

Zum Artikel „Was spricht für das MainCenter?“ vom 25. Januar im Schweinfurter Tagblatt erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift:

Ja, endlich können die Grafenrheinfelder Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden, ob sie ein „modernes“ Einkaufszentrum auf der grünen Wiese wollen. Dies haben sie allein dem Engagement der Bürgerinitiative „Ja zur Stärkung des Ortskerns – Nein zum MainCenter!“ zu verdanken, die in überaus verantwortlicher Weise auch die Zukunft der Gemeinde in einer vom Klimawandel geprägten Zeit im Blick hat.

Auf der Gegenseite wird jetzt aber plötzlich nur noch von einem „Nahversorger“ mit 1200 Quadratmetern gesprochen. Abgesehen davon, dass die regionale Landwirtschaft unser eigentlicher Nahversorger ist, werden laut veröffentlichtem Plan durch den Supermarkt, den Getränkemarkt, die Bäckerei sowie diverse Lager- und Funktionsräume tatsächlich rund 3000 Quadratmeter überbaut. Mit Außengastronomie und 126 Parkplätzen sind es faktisch 10 000 Quadratmeter!

Dabei ist die bestehende Versorgungsinfrastruktur Grafenrheinfelds für ein Dorf dieser Größe (3400 Einwohner) ausgesprochen gut! Es gibt zwei Lebensmittelmärkte, in denen man alles für seinen täglichen Bedarf kaufen kann. Bäckereien, Bankfilialen, Apotheken usw. komplettieren das Angebot. Was nach der Fertigstellung des Maincenters davon im Ortskern übrig bleibt, ist sehr fraglich.

Und egal, wie nachhaltig der neue Einkaufstempel angeblich sein wird, so ist doch jeder (überflüssige) Bau toxisch für unsere Umwelt. Zement ist schlecht recyclebar, verursacht Treibhausgasemissionen und ist damit ein echter Klimakiller. Das von der Immobilienbranche mantraartig vorgetragene Rufen nach ständigem Bauen sorgt für Abbruchabfälle, die in Deutschland bereits für über 50 Prozent des gesamten Abfallaufkommens verantwortlich sind. Und Herrn Hofmeister, Regionalleiter der Edeka-Expansion, möchte ich sagen, dass ich kein neues Haus bauen muss, wenn mein Kühlschrank kaputt geht!

Die lobbyistischen, rein betriebswirtschaftlich begründeten Konsum-Visionen von Einzelhandelsriesen und sogenannten Projektentwicklern (Wer braucht schon 35 000 Produkte?) sollten sich die kommunalen Entscheidungsträger im ländlichen Raum nicht allzu naiv zu eigen machen, ohne die weitreichenden negativen ökologischen und sozialen Folgen für die gesamte Gemeinde zu bedenken. Diese ewig gleichen, großflächigen Einkaufszentren an den Ortsrändern, deren direkte Vorgänger nebenan mittlerweile auch schon wieder leer stehen, verschandeln die Umgebung der Dörfer und vernichten einen ihrer kostbarsten Schätze, nämlich unverbauten Grund und Boden. Grau statt Grün? Frei nach der bekannten indianischen Weisheit: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, die letzte Wiese zugepflastert und der letzte Acker asphaltiert ist, werdet ihr merken, dass man Beton nicht essen kann!“

Barbara Schug
97506 Grafenrheinfeld

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