Holzhausen

Leuchtturmprojekt: Bei Holzhausen soll ein Baumgarten entstehen

10 000 Bäume will Dittelbrunn bis 2030 im Kampf gegen den Klimawandel pflanzen. Wie die Gemeinde ihren "Grünen Plan" umsetzen will.
Wollen einen Baumgarten bei Holzhausen schaffen: Michael Geck, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, Dittelbrunns Bürgermeister Willi Warmuth sowie Kreisverbands-Vorsitzender Frank Bauer am Standort des künftigen Klima-Arboretums (von links).
Foto: Uwe Eichler | Wollen einen Baumgarten bei Holzhausen schaffen: Michael Geck, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, Dittelbrunns Bürgermeister Willi Warmuth sowie ...

"Bäume sind keine Holzproduktionsmaschinen", sagt Förster Peter Wohlleben im populären Kinofilm "Das geheime Leben der Bäume". Glaubt man der auf einem Bestseller basierenden Naturdokumentation, sind die stolzen Kronenhäupter alles andere als tumbe Holzköpfe. Sie kommunizieren, unterdrücken Konkurrenz, warnen sich vor Fressfeinden und sollen sogar Jungbäume aufpäppeln. "Es handelt sich um fühlende Wesen", behauptet Wohlleben. Fest steht, dass Wälder in Zeiten des Klimawandels mit ganz anderen Augen gesehen werden als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Die Gemeinde Dittelbrunn will mit einem Leuchtturmprojekt vorangehen. Bis zum Jahr 2030 sollen auf Gemeindegebiet 10 000 Bäume im Kampf gegen die Folgen der Erderwärmung gepflanzt werden. Bei einem Ortstermin auf der Anhöhe nördlich von Holzhausen stellte Bürgermeister Willi Warmuth gemeinsam mit Frank Bauer als Chef des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege sowie dessen Stellvertreter Michael Geck den "Grünen Plan" für Dittelbrunn vor.

"So ein Baum ist auch nur ein Mensch", hat der Rathauschef vor kurzem launig festgestellt. Da ging es am Ratstisch um den Mehrwert des Gemeindewalds als Naherholungsgebiet für den Bürger. Bereits im Mai hatte der Gemeinderat beschlossen, Zuschüsse für einen Klimawald mit Arboretum nahe des Wachtler Bergs prüfen zu lassen. In der Nähe entsteht als eigenständiges Projekt auch eine Freiflächen-Photovoltaikanlage.

30 Hektar Baumbestand werden zum Klimawald umgebaut

Bis zum Jahr 2030 sollen auf Gemeindegebiet 10 000 Bäume im Kampf gegen die Folgen der Erderwärmung gepflanzt werden. Im vergangenen Jahr hat Warmuth zusammen mit Frank Bauer das Arboretum bei Veitshöchheim besucht und sich zum aktuellen Teilprojekt inspirieren lassen. "Stutel", so nennt sich der dortige Vorzeigehain der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, nach einem alten Flurnamen. "Baumgarten", so würden die drei Visionäre den Begriff "Arboretum" übersetzen, der weder einen künstlichen Park noch einen natürlich gewachsenen Wald meint. Abgeleitet ist der Begriff vom lateinischen Wort "Arbor" für Baum. "Arbor Day" ist heute noch der englische Ausdruck für "Tag des Baumes", der populär wurde, als 1872 in Nebraska an einem Tag eine Million Bäume gepflanzt wurden.  

Ganz so groß wird bei Holzhausen nicht eingestiegen. Zwischen Keglerhütte und Ortsrand im Süden sowie dem Steinbruch im Norden geht es um 30 Hektar Baumbestand, der zum begehbaren "Klimawald" umgebaut werden soll, sowie um weitere sechs Hektar Freifläche Richtung Dorf, die sich (größtenteils) schon im Gemeindebesitz befinden. Dort sollen künftig einheimische wie neu angesiedelte Baumarten "ausgestellt" werden.   

Ein Greifvögel schwebt am Himmel, als die Projektanten ihre Pläne erläutern. "Der Blick in die Rhön ist gigantisch", sagt Frank Bauer, der sich als Kreisrat einen zentralen Aussichtsturm auf dem Hügel vorstellen könnte. Als Kreisvorsitzender von 49 Obst- und Gartenbauvereinen schwebt ihm auf jeden Fall ein "Kreislehrgarten" vor, nur eben mit Bäumen statt Rosen oder Hecken: "Das muss ein Leuchtturm-Projekt werden."

Bürgermeister hofft auf Fördergelder

Auch Warmuth denkt an Besuchergruppen aus nah und fern. Bei der Sache mit dem (echten) Turm bremst der Bürgermeister etwas die Erwartungen. "Naherholung, Klimaanpassung, Walderlebnis" sind für ihn die Stichworte. Durch die direkte Busanbindung an die SW 8 wäre das Dorf nicht vom Verkehr betroffen. Auf der anderen Seite habe man auf dem Areal schlechte Böden, die auf diese Weise ökologisch genutzt würden. Zunächst gehe es darum, Fördergelder zu eruieren. Im Frühsommer gab es ein Gespräch mit Vertretern vom Amt für Ländliche Entwicklung, dem Amt für Landwirtschaft, dem Landratsamt sowie des Leader-Plus-Programms der Europäischen Union. Dort sei die Idee überaus positiv aufgenommen worden.

Warmuth lädt die Vertreter des Kreisverbands noch zu einer kleinen "Tour durch die Natur" ein: etwa zu möglichen weiteren Streuobstwiesen-Standorten bei Pfändhausen. Der "Grüne Plan" soll eine ganze Reihe ökologischer, klimafreundlicher Maßnahmen miteinander vernetzen, ebenso Bürger, Gemeinde und Vereine. Auch in den alten Steinbruch gibt es einen Abstecher.  Auf dem urigen, von Kiefern umstandenen Gelände kommt Willi Warmuth "Baumbart" in den Sinn, der bedächtige Ent aus dem "Herrn der Ringe". Auch wenn reale Gehölze (vermutlich) kein geheimes Leben haben wie Tolkiens Baumhirten: In den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren sollen Bäume verstärkt ins Gemeinde-Leben integriert werden. Schon in diesem Jahr könnten die ersten Pflanzungen des Langzeitprojekts erfolgen. "Es muss wachsen", findet der Bürgermeister.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Schweinfurt und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Holzhausen
Uwe Eichler
Baumarten
Bäume
Bürgermeister und Oberbürgermeister
Erderwärmung
Europäische Union
Frank Bauer
Gartenbau
John Ronald Reuel Tolkien
Klimaschutz
Kreisräte
Landwirtschaftsämter
Michael Geck
Obst- und Gartenbauvereine
Willi Warmuth
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!