SCHWEINFURT

Liebesnacht endete bei der Polizei

Als der Gesetzgeber das Strafmaß für „schweren sexuellen Missbrauch an Kindern“ auf zwei Jahre Freiheitsstrafe aufwärts festlegte, hat er an ganz andere Fälle gedacht als jenen, der nun vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht verhandelt wurde.

Polizei
Foto: Krömer
Der junge Mann war 19 Jahre alt, als er im Herbst vergangenen Jahres ein zwölfjähriges Mädchen kennenlernte. Die beiden trafen sich mit Freunden, gingen zusammen aus, verstanden sich so gut, dass sie im März diesen Jahres beschlossen, miteinander zu gehen. Da war das Mädchen 13 Jahre alt.

Eine Woche später, nach einem Ausflug mit der Clique, habe sie ihm auf der Heimfahrt überraschend mitgeteilt, dass sie zu Hause angerufen habe und bei ihm bleiben könne, erzählte der Angeklagte. Tapfer schilderte er weiter, was an jenem Abend geschah und was man eigentlich nur ungern Fremden mitteilt.

Sie hätten zusammen einen Film angeschaut, dann habe er draußen noch eine Zigarette geraucht, und als er zurückkam, habe seine Freundin im Bett gelegen. Es kam zum „Geschlechtsverkehr im gegenseitigen Einvernehmen“, wie das Juristen formulieren.

„Anschließend haben wir gekuschelt, bis die Polizei kam“. Als sein Anwalt später diesen Satz aus der polizeilichen Vernehmung zitierte, waren wohl alle im Gerichtssaal ein wenig gerührt und hatten vielleicht sogar Mitleid mit dem jungen Mann, der seine erste Liebesnacht auf einem Polizeirevier verbringen und sich nun wegen „schweren sexuellen Missbrauchs an einem Kind“ verantworten musste. Wobei auch klar wurde, dass das Mädchen wohl reifer ist als es sein Alter vermuten lässt.

Die Polizei hatte der Vater eingeschaltet, denn die 13-Jährige hatten zu Hause eben nicht Bescheid gegeben. Der Beziehung hat dieses Ereignis wohl nicht geschadet. Die beiden sind nach wie vor ein Paar, der junge Mann ist inzwischen sogar in eine kleine Wohnung in der Nähe seiner Freundin gezogen, versteht sich gut mit deren Eltern und hat seit 15. Juli einen Ausbildungsplatz. Gute Voraussetzungen, das Leben zu meistern, waren sich alle Beteiligten einig – vor allem, wenn man die schwere Kindheit des jungen Mann betrachtet. Der Vater ist früh gestorben, die Mutter war überfordert mit vielen Kindern, so dass ihr Ältester ins Heim musste.

Staatsanwalt und Verteidiger waren sich einig, dass hier Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen müsse. Um eine Verurteilung wegen schweren Missbrauchs an einem Kind kam der inzwischen 20-Jährige aber nicht herum. Das Strafmaß: 400 Euro Geldbuße, zu zahlen an das Frauenhaus Schweinfurt, 40 Stunden gemeinnützige Arbeit und die Auflage, mindestens ein Jahr lang den Ausbildungsplatz nicht zu kündigen und keinen Anlass dazu zu geben. Der Jugendrichter gab ihm noch eindringlich mit auf den Weg, unbedingt zu warten, bis die Freundin 14 ist. Auch in einer Liebesbeziehung sei es verboten, mit einem Mädchen zu schlafen, das noch keine 14 ist.

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