Schweinfurt

Mit dem Hospizmobil letzte Wünsche erfüllen

Der BRK-Kreisverband Schweinfurt hat nun ein Hospizmobil. Die Verantwortlichen erläutern, was es damit auf sich hat und wie sie Schwerstkranken helfen wollen.
Freuen sich darüber, nun mit dem neuen Hospizmobil Wünsche erfüllen zu können: Gabi Siegmund (links) und Thomas Lindörfer (rechts).
Freuen sich darüber, nun mit dem neuen Hospizmobil Wünsche erfüllen zu können: Gabi Siegmund (links) und Thomas Lindörfer (rechts). Foto: Dominik Großpietsch

Gabi Siegmund strahlt, als sie an diesem Nachmittag vor der Rettungswache des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) an der Niederwerrner Straße steht. "Es ist wirklich toll, dass wir nun Menschen in ihrer letzten Lebensphase noch Wünsche erfüllen können", erklärt die Sachgebietsleiterin Soziales des BRK-Kreisverbandes Schweinfurt und blickt in Richtung des Ford Transit, den der Schriftzug "Herzenswunsch Hospizmobil" ziert. Doch der Transporter ist in diesem Fall nur Beiwerk.

"Eigentlich geht es uns darum, den Dienst vorzustellen. Wir können nämlich auch auf alle möglichen Fahrzeuge aus unserem Bestand zurückgreifen und den Wagen auswählen, der am besten zu unserem Fahrgast passt", erläutert Thomas Lindörfer, der Geschäftsführer des Kreisverbands. Wie Siegmund vermeidet er es, von Patienten zu reden – obwohl es in diesem Fall um Menschen geht, die schwer vom Schicksal getroffen sind und sich in der letzten Phase ihres Lebens befinden. "Ganz besonders, wenn sie auf der Palliativstation liegen, denken die Leute über ihr Leben nach und kommen dann meist auch auf Dinge, die sie gern noch einmal erleben würden. Und wir, also eine Gruppe von Ehrenamtlichen, wollen diese Erlebnisse möglich machen - mithilfe von Spenden."

Online-Anmeldung möglich 

Wer beispielsweise einen Angehörigen hat, der einen solchen Herzenswunsch geäußert hat, kann ihn über einen Online-Fragebogen auf der Homepage des Kreisverbands anmelden. Innerhalb von wenigen Tagen nehmen die Verantwortlichen dann Kontakt auf, um auch mithilfe des früheren Notarztes Georg Lippert die medizinische Situation der Person zu beleuchten, deren Wunsch in Erfüllung gehen soll. "Das ist wichtig, weil sich die Verfassung unserer Fahrgäste sehr schnell ändern kann. Wir müssen einfach wissen, wie umfassend die medizinische Versorgung sein muss und ob der Fahrgast liegend transportiert werden muss", erläutert Siegmund, die als Leiterin des Teams der psychosozialen Notfallversorgung auch viel Kontakt zu denen hat, die in schwierigen Situationen stecken.

Steht ab sofort bereit: In diesem Ford Transit können Menschen im Sitzen und liegend transportiert werden.
Steht ab sofort bereit: In diesem Ford Transit können Menschen im Sitzen und liegend transportiert werden. Foto: Dominik Großpietsch

Da kann es leicht mal kompliziert werden - das gibt auch Lindörfer unumwunden zu. "Trotzdem sollen sich die Leute nicht scheuen, bei uns anzufragen. Wir werden versuchen, wirklich alles möglich zu machen - für die Betroffenen kostenlos. Da ist es völlig unerheblich, ob der Fahrgast noch einmal auf den Kreuzberg, an die Ostsee, zu einem Konzert, einer Familienfeier oder ins Fußballstadion möchte." Grundstein des Ganzen sind 34 Freiwillige, die sich im Rahmen von zwei Informationsveranstaltungen bereiterklärt haben, mitzuhelfen. "Darunter sind unter anderem Sanitäter oder Palliativ-Krankenschwestern, so dass wir sehr gut aufgestellt sind. Dadurch, dass das Ganze ein Ehrenamt ist, sind wir auch in der Lage, komplexe Fahrten vorzubereiten - wir haben die Zeit, anders als viele Angehörige", verdeutlicht Siegmund.

"Wir prüfen alle Anträge und legen keinen bestimmten Umkreis fest, aus dem die Antragsteller kommen müssen."
Gabi Siegmund über die Herangehensweise

Damit möglichst viele Wünsche erfüllt werden können, sind die BRKler allerdings auch auf Spenden angewiesen. Sollten diese hoch genug sein, ist vielleicht auch mal ein spezielles Hospizmobil drin, das es an anderen Standorten – wie in Straubing – schon gibt. Dort werden durchschnittlich zwei bis drei Wünsche pro Monat mit einem Fahrzeug wahr gemacht, das "deutlich mehr Langstreckenkomfort bietet als unsere Flotte, die auf kürzere Strecken ausgelegt ist", so Lindörfer. "Die Trage ist dann verstärkt und es gibt darin unter anderem auch eine Soundanlage, mit der für Entertainment gesorgt werden kann."

Doch das soll auch zu Beginn dieser Art der Hospizarbeit in Schweinfurt kein Problem sein – das merkt man Gabi Siegmund an. "Wir prüfen alle Anträge und legen keinen bestimmten Umkreis fest, aus dem die Antragsteller kommen müssen – da versteht es sich dann doch von selbst, dass wir im Fall der Fälle auch eine mobile Anlage mitnehmen, um für die Lieblingsmusik zu sorgen."

Blick ins Innere: Der Transporter kann vielseitig genutzt werden.
Blick ins Innere: Der Transporter kann vielseitig genutzt werden. Foto: Dominik Großpietsch

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