Schwemmelsbach

Mit einem „Wallfahrts-Triathlon“ unterwegs nach Retzbach

Nach der Messe mit dem Würzburger Weihbischof Ulrich Boom platzierten die sieben Schwemmelsbacher Bulldog-Lenker ihre Fahrzeuge auf dem großen Retzbacher Wallfahrerplatz.
Foto: Andreas Schmidhuber | Nach der Messe mit dem Würzburger Weihbischof Ulrich Boom platzierten die sieben Schwemmelsbacher Bulldog-Lenker ihre Fahrzeuge auf dem großen Retzbacher Wallfahrerplatz.

In diesem Jahr ist alles anders: An diesen Gedanken hat man sich mittlerweile gewöhnt, und so lief auch heuer die Schwemmelsbacher Retzbach-Wallfahrt, die nachweislich seit mindestens 1873 begangen wird und somit seit fast 150 Jahren besteht, auch total ungewöhnlich ab.

Im Normalfall pilgern am zweiten Septemberwochenende zum Festtag "Maria Namen" rund 50 bis 70 Wallfahrer in den 30 Kilometer entfernten Wallfahrtsort im Landkreis Main-Spessart. Als Retzbach die offizielle Mitteilung machte, dass die großen Wallfahrtstage in diesem September nicht wie üblich ablaufen, war den Schwemmelsbachern Verantwortlichen sofort klar, das trotzdem – oder gerade deswegen – das schmucke rot-weiße Vortragebild den Weg in den Wallfahrtsort finden soll.

Auch der Zweite Weltkrieg konnte nicht abschrecken

Denn selbst die schrecklichen und verheerenden Wirren des Zweiten Weltkriegs konnten die überzeugten Einheimischen damals nicht davon abhalten, das Bild zum Gnadenort ins Grüne Tal zu bringen. Damals wurde das Bild in einem Rucksack versteckt und unter Todesgefahr per Fahrrad nach Retzbach transportiert, immer mit der Gefahr erwischt zu werden.

Viele Wallfahrten entstanden gerade in schlimmen Pest-, Seuchen- oder Krankheitszeiten. Aus Dankbarkeit legte man ein deshalb Gelübde ab. Selbstverständlich brachten die Schwemmelsbacher Gläubigen auch heuer wieder das Bild in den Wallfahrtsort am Main, und nebenbei entwickelte sich ein regelrechter "Wallfahrts-Triathlon".

Am ursprünglichen Wallfahrtstag machte sich zum Start eine kleine Gruppe mit dem Bild voran, zu Fuß auf den Weg in den Nachbarlandkreis. Am selben Nachmittag kam dann noch eine zehnköpfige Mannschaft per Rad nach, die auch unterwegs an Kapellen, wie etwa in Müdesheim (Sankt Barbara) oder Erbshausen-Sulzwiesen (Hubertuskapelle) Halt einlegte und das Gebet suchte.

Selbst der Pfarrer war am Start

Einen Tag später startete, um den "Dreikampf" zu vervollständigen, noch ein kleiner Konvoi mit sieben geschmückten Bulldogs. Dabei war auch der örtliche Pfarrer Hochwürden Christoph Dörringer. Nach einer kurzen Andacht in der Seestraße tuckerten die Schlepper Richtung Retzbach und kamen dort pünktlich um 10.30 Uhr zum Gottesdienst mit dem Würzburger Weihbischof Ulrich Boom an.

Von Pfarrer und Dekan Albin Krämer wurden die Bulldog-Wallfahrer besonders herzlich begrüßt: So etwas gab es an den großen Wallfahrtstagen auch noch nie. Nach der Messfeier waren die Oldtimer-Fahrzeuge beliebte Fotoobjekte. Viele Menschen – auch unterwegs – machten mit einen "Daumen nach oben" eine eindeutige Geste.

Das etwas andere Schwemmelsbacher Wallfahrtswochenende fand am Abend mit einer Andacht vor dem heimischen Gotteshaus Sankt Cyriakus seinen würdigen Abschluss. Die rund 45-minütige Andacht wurde von den örtlichen Musikanten umrahmt. Mit bekannten Wallfahrtsliedern, die die vielen Gläubigen anstimmten, musste man so in diesem Jahr nicht komplett auf den Mythos "Retzbach" verzichten.

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