Wasserlosen

Mit Hamsterbier den Geschmack der Region erhalten

Anna-Katharina Paar warb als Managerin der Ökomodellregion für Vernetzung.
Foto: Uwe Eichler | Anna-Katharina Paar warb als Managerin der Ökomodellregion für Vernetzung.

Dass man mit Bioprodukten sogar noch Geld verdienen kann, wenn man das gar nicht möchte: Diese Erfahrung machte Wasserlosens Bürgermeister Anton Gößmann bei der Auftaktveranstaltung der Ökomodellregion Oberes Werntal.

Im Foyer der Dr.-Maria-Probst-Halle gab es für die Gäste Apfelsaft zu verkosten, aus der Presse heimischer Erzeuger, eigentlich kostenlos. Nichtsdestotrotz war ein vermeintliches Spendenkörbchen daneben gut gefüllt. Der Rathauschef brachte den Erlös in Sicherheit, ins Nebenzimmer. Dort warteten Öko-Kaffee und Kuchen auf umweltbewusste Feinschmecker.

Beim Treffen in der Sporthalle ging es nicht um Kommerz, sondern darum, ein Bewusstsein in der Bevölkerung für Ökologie, Regionalität, gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit am Oberlauf der Wern zu wecken. Rund 150 Mitwirkende aus den zehn Teilnehmer-Gemeinden und der Interkommunalen Allianz, aus Politik, Behörden, Ämtern, Land- und Forstwirtschaft, aber auch Kindergärten und Schulen waren vor Ort, als Bürgermeister Gößmann, die Vertreter der beteiligten Landkreise Kissingen und Schweinfurt sowie Johannes Krüger vom Amt für Ländliche Entwicklung Würzburg die Werbetrommel rührten, unterstützt durch die Donnersdorfer Weinprinzessin Kristina Reinhart.

„Gemeinsam anpacken und Chancen nutzen“ – unter diesem Motto forderte Professor Otmar Seibert, Agrarwissenschaftler der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, brachliegende Potenziale vor Ort zu aktivieren: nicht nur der Fachleute, sondern der ganzen Bevölkerung. Hohe Lebensqualität gebe es nur durch Lebensmittel-Qualität, individuelle Verbrauchsgüter bräuchten regionale Märkte. „Lieber regional und nachvollziehbar als ökologisch und von irgendwo her auf der Welt.“

Fast 40 Biobetriebe und 3000 Hektar Fläche hat die ökologische Landwirtschaft im Oberen Werntal zu bieten, vom Frisch-Gemüse bis zur Legehenne, mit 70 Prozent Anteil Marktführerin in Unterfranken. Bei relativ wenig Viehhaltung, was Seibert als ein gewisses Manko sieht.

In Brasilien würden auf Millionen Hektar gentechnisch veränderter Soja angebaut, warnte der Akademiker: „Selbstversorgung ist ein Wert, den wir momentan noch haben.“ Dieses Bewusstsein gelte es von Kindesbeinen an zu schärfen, Vernetzungen, Synergien, Partnerschaften zu schaffen und den unverwechselbaren „Geschmack der Region“ zu erhalten.

Anna-Katharina Paar stellte als Öko-Managerin die zwölf Maßnahmenbereiche vor, mit denen das Obere Werntal 2015 zu einer von zwölf Ökomodellregionen im Freistaat avanciert ist. Diese Felder sollen in den nächsten zwei Jahren beackert werden, bevor die „ÖMR“, Nummer drei in Unterfranken neben Rhön-Grabfeld und der Allianz Waldsassengau bei Würzburg, wieder auf den Förderprüfstand kommt.

Im Werntal geht es um Öko-Druschfrüchte (Soja, Dinkel, Sonnenblumen, Senf), deren Aufbereitung und Lagerung, die Verbesserung der Strukturen in der Getreideverarbeitung, die Förderung der Streuobstbestände, den Aufbau regionaler Kooperationen und Vermarktungsketten bis hinein ins Supermarktregal. Es geht um Absatzerhöhung von Öko-Produkten, auch in den Kitas, Mensen, Gasthöfen, die Sensibilisierung von Verbrauchern und Erzeugern, entsprechende Erlebnisangebote in der Freizeit und Erhalt der Artenvielfalt. Es geht auch um Natur-, Gewässer-, Landschaftsschutz oder Flächeneinsparung durch Ortskern-Revitalisierung sowie um „Produktionsintegrierte Kompensation“ (PIK) durch Ausgleichsmaßnahmen in Feld und Flur und den Hochwasserschutz.

Zu all diesen Themen sollen sich nun Arbeitskreise finden. In Gesprächsrunden gab es ein erstes Brainstorming an der Infoständen mit Schlagworten wie Waldrandpflege, Wernrenaturierung, Mäh-Management oder Wildbienenhotels. Der Erlös von Hamsterkeksen und Hamsterbier etwa könnte dem Schutz des raren Nagers oder der Verkauf von Honigbrot dem Kampf gegen das Bienensterben dienen.

Hauptsache, man weiß, was man hat: Bürgermeister Oliver Brust zeigte sich zum Beispiel stolz, dass Geldersheim einen namhaften Kräuterlimonade-Hersteller mit Holunder beliefert. „Lassen Sie uns hier und heute den Grundstein legen“, forderte Paar, „so dass wir in zwei oder fünf Jahren stolz und erfreut sein können, was sich in dieser Region getan haben wird.“

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