SCHWEINFURT

Mütze: Stadtrat soll Resolution an die Bahn richten

„Aktion Schweinfurt 21“: Schweinfurter Hauptbahnhof behindertengerecht? Von wegen. Es demonstrierten die Rollstuhlfahrerinnen Rosi Fischer und Rita Söllner und (hinten von links) German Saam (Behindertenbeirat der Stadt), Bezirkschefin Ayfer Fuchs, Kreisrat Walter Rachle, Ex-Stadtrat Gregor Schömig, Kreisvorsitzender Stefan Fuchs, MdL Thomas Mütze und Geschäftsführerin Margit Osterloh (alle Bündnisgrüne).
Foto: Hannes Helferich | „Aktion Schweinfurt 21“: Schweinfurter Hauptbahnhof behindertengerecht? Von wegen. Es demonstrierten die Rollstuhlfahrerinnen Rosi Fischer und Rita Söllner und (hinten von links) German Saam ...

Den Bündnisgrünen ist der Hauptbahnhof wegen seines Gesamtzustands, vor allem wegen der fehlenden Barrierefreiheit ein Dorn im Auge. Sie haben einen umfassenden Forderungskatalog aufgestellt und Vor-Ort-Aktionen angekündigt. Eine erste fand am Donnerstag mit Behinderten und dem verkehrspolitischen Sprecher der Landtags-Grünen, Thomas Mütze, statt. In Anspielung auf Stuttgart läuft der Protest unter dem Slogan „Aktion Schweinfurt 21".

„Ich fahre seit 15 Jahren täglich mit der Bahn, das hier ist eine einzige konzeptlose Flickschusterei“, legte der Kreisvorsitzende Stefan Fuchs gleich richtig los. Er präsentierte Teile des Forderungskatalogs: mehr überdachte Radabstellplätze, keine Toiletten-Container, ansprechende Gastronomie. Primäres Ziel sei aber ein behindertengerechter Bahnhof – durch den Einbau von Aufzügen.

Wie nötig das ist, schilderten die Rollstuhlfahrerinnen Rosi Fischer und Rita Söllner. Das Jetzt sei eine „Zumutung“, spontan zu verreisen nicht möglich, man müsse sich mindestens zwei Tage vorher anmelden, nicht immer sei die stets hilfreiche Bahnhofsmission informiert. Fischer nannte den Hubwagen, mit dem Behinderte in die Züge gehievt werden, ein „Vorkriegsmodell“. Der Vorsitzende des Behindertenbeirats, Germann Saam, pflichtete bei: „Es muss etwas passieren“. Er zitierte aus einem Urteil, das besagt, dass für einen Bahnhof mit 1000 Fahrgästen täglich die Barrierefreiheit gegeben sein müsse. „Schweinfurt hat weit mehr als 1000 Fahrgäste“, so Saam. Die Bahnhofsmission müsse täglich mindestens 20 Behinderten und Älteren mit Handicap helfen. Saam hatte von OB Sebastian Remelé die Nachricht mitgebracht, dass er nach einer erfolglosen Initiative von der Bahn nun eine Gesprächszusage für noch dieses Jahr habe. Saam ist den jahrelangen Streit mit der Bahn leid. Um so mehr begrüße er die Aktion.

MdL Mütze schüttelte den Kopf über den vernachlässigten Bahnhof. Weil nicht an einer ICE-Strecke sei der Bahnhof abgehängt, bedauerte Mütze und nannte ein ansprechendes Angebot für den Regionalverkehr wichtig. Von den 5,7 Milliarden Euro, die die Bahn in den nächsten vier Jahren nachschießt, ginge ein Großteil in die „teuerste ICE-Strecke aller Zeiten“ von Nürnberg nach Erfurt. Schweinfurt finde sich nicht auf einer Prioritätenliste, Würzburg stehe drauf, werde aber auch erst 2018 barrierefrei sein. „Da muss man nichts mehr sagen“, so Mütze.

Von der Milliarde für Verkehrsminister Ramsauer erhalte die Straße 600, die Bahn nur 100 Millionen Euro, bei „16 Bundesländern ein Tropfen auf den heißen Stein“. Mütze will Schweinfurt in den Verkehrsausschuss im Landtag bringen. Fazit nach der Besichtigung: „Wer Regionalbahn fährt, ist selbst Schuld“. Dem Stadtrat empfahl Mütze, eine Resolution an die Bahn zu richten.

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