Hausen

Namibia in seiner Vielfalt festgehalten

Wüstentauglich: ein Geländewagen mit Dachzeltaufbau. 
Wüstentauglich: ein Geländewagen mit Dachzeltaufbau.  Foto: Stefan Fickert

Nach der Corona-Pandemie wird in kurzer Zeit auch wieder der afrikanische Kontinent das Ziel von Touristen sein. Sebastian Fickert, gebürtiger Hausener Jahrgang 1976, hat das südwestafrikanische Land Namibia im vergangenen Jahr mit einem Geländewagen durchquert und das Erlebte in einer spannend geschriebenen Reiseerzählung festgehalten.

Auf unterhaltsame Weise erhält der Leser profunde Kenntnisse über dieses von Europa weit entfernt gelegene Land. Der Autor schildert die faszinierenden Naturlandschaften, so zum Beispiel immer wieder den Sternenhimmel der Wüste, und zeigt die kulturelle und ethnische Vielfalt, aber auch sozio-ökonomischen Probleme auf. In der bewegten geschichtlichen Vergangenheit ist Namibia mit Deutschland durch die Kolonialzeit verbunden.

Beeindruckend auf der Reise war für den Autor die Vielfalt und die Weite des Landes. So durchfuhr er, begleitet in den ersten sieben Tagen von seinem Bruder, die Namib-Wüste, die dem Land den Namen gab. Sie erstreckt sich auf 2000 Kilometer Länge und einer durchschnittlichen Breite von 100 Kilometern an der atlantischen Küste entlang.

Dort können sich die Leser mit den beiden Brüdern auf den Weg zur höchsten Düne der Erde machen, die der Wind aus Sand zu einer Höhe von rund 350 Metern aufgetürmt hat. Die Safari im 22 935 Quadratkilometer großen Etosha-Nationalpark lässt Sebastian Fickert die Begegnung mit unzähligen Tierarten, auch dem afrikanischen Großwild wie Elefanten, Nashörner und Löwen schildern.

Breiten Raum auf seiner Reise nehmen die Besuche historischer Stätten ein, deren Bogen sich von steinzeitlichen Wandmalereien bis zu Denkmälern des Unabhängigkeitskrieges spannt. So steht Sebastian Fickert beeindruckt am Waterberg, einem entscheidenden Ort beim Niederschlagen des Herero- und Namaaufstandes durch die damalige deutsche Kolonialmacht, der als erster Völkermord im 20. Jahrhundert gewertet wird.

Als promovierter Jurist erläutert er die für diese Tat gegen Deutschland anhängige Sammelklage auf Entschädigungszahlen in Milliardenhöhe. "Ich will bei der Schilderung politischer und sozialer Gegebenheiten auf jeden Fall Bewertungen vermeiden", versichert der Autor. Das Verhältnis Deutschlands zu Namibia sieht er ähnlich komplex wie den Prozess der geplanten Landreform, denn das meiste Land gehört immer noch den wenigen weißen Einwohnern dort. Der steigende Einfluss Chinas im Land wird deutlich an dessen Engagement in verschiedenen Wirtschaftsbereichen.

In der postkolonialen Zeit waren die Apartheitsregeln prägend, die von der Republik Südafrika übernommen wurden, unter dessen Protektorat Namibia ab 1920 stand. Aus Katutura, dem Township der Hauptstadt Windhoek, wohin ab 1959 die schwarze Bevölkerung Windhoeks zwangsweise umgesiedelt wurde, berichtet er von ärmlichen und manchmal menschenunwürdigen Behausungen und sozioökonomischen Problemen der Bewohner.

Da sein älterer Bruder Stefan ihn während der ersten sieben Tage auf der Namibia-Reise begleitete, greifen ihre Gespräche im Buch auch Ereignisse aus ihrer Familie auf. Gegen Ende seines Aufenthaltes trifft Sebastian Fickert in Windhoek zufällig einen ehemaligen Schulkollegen aus seiner fränkischen Heimat, die beiden thematisieren in Gesprächen auch aktuelle Herausforderungen in Deutschland.

Für Mitte November ist eine Autorenlesung in der Gemeindebibliothek Schonungen geplant.

Weitere Veröffentlichungen des Autors sind die Romane "Eckert oder der Vogel im Weinberg" und "Der Frosch auf dem Wasser", sowie die Reiseerzählungen "14 Tage Japan", "Ararat", "Kasachstan" und "Ecuador".

Beeindruckende Tierwelt: Elefantenherden in freier Wildbahn.
Beeindruckende Tierwelt: Elefantenherden in freier Wildbahn. Foto: Sebastian Fickert
Zeugnis aus deutscher Kolonialzeit: Altes Amtsgericht in Swakopmund.
Zeugnis aus deutscher Kolonialzeit: Altes Amtsgericht in Swakopmund. Foto: Sebastian Fickert

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