Wetzhausen

Naturgarten in Wetzhausen ausgezeichnet

„Mein Schlossgarten soll ein Ruhepol für Mensch und Tier sein“, sagt Henriette Dornberger. Sie erhielt die Auszeichnung "Naturgarten Bayern blüht".
Urkunde und Plakette für die Auszeichnung 'Naturgarten Bayern blüht'. Im Bild Landwirtschaftsrätin Christine Bender (von links), Reiner Gaube, Henriette Dornberger und der Kreisvorsitzende des Vereins für Gartenbau und Landespflege, Frank Bauer.
Foto: Roland Frühwacht | Urkunde und Plakette für die Auszeichnung "Naturgarten Bayern blüht". Im Bild Landwirtschaftsrätin Christine Bender (von links), Reiner Gaube, Henriette Dornberger und der Kreisvorsitzende des Vereins für Gartenbau ...

Im September dieses Jahres erhielten zum ersten Mal in Unterfranken 50 Gärten die Auszeichnung "Naturgarten Bayern blüht". Diese Zertifizierung erfolgt in Bayern durch das Bayerische Landwirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit dem Landesverband für Gartenbau und Landespflege. In Bayern wird diese Auszeichnung, die mit der Verleihung einer Urkunde und einer Plakette verbunden ist, seit drei Jahren vergeben.

Mit dabei war auch der Schlossgarten Wetzhausen, den seit 2017 Henriette Dornberger naturnah gestaltet. Selbstverständliche Voraussetzung ist für die Vergabe der Auszeichnung, dass chemische Düngung oder Pflanzenschutz im Garten nicht angewandt werden. So werden abgestorbene Pflanzen hier zu Kompost und von Henriette angesetzte Brennesseljauche dient der Schädlingsbekämpfung bei Nutzpflanzen. Diese zieht die Gartenbesitzerin meistens in Hochbeeten oder auf einem alten Förderband, auf dessen Lauf jetzt im Herbst Erdbeeren, Feldsalat oder Endivien wachsen.

Dieses und noch manch andere alte Stücke aus der früheren landwirtschaftlichen Nutzung eines Teils des Geländes hat sie dekorativ in die Gartengestaltung eingebunden. "Ich achte darauf, dass Verlorenes, Vergessenes wieder seinen Platz findet", erklärt Henriette Dornberger. Dass diese Fundstücke großartig auf dem Areal, wo ehemals auch die Zehntscheune stand, zur Geltung kommen, ist ihrer Kreativität geschuldet. So wurde Henriette 2009 Deutsche Meisterin Tafelideen, und dieser Ideenreichtum ist auch im Schlossgarten zu finden. So fallen beim Rundgang durch den Garten liebevoll gestaltete Ruheplätze ins Auge. "Mein Schlossgarten soll ein Ruhepol für Mensch und Tier sein", versichert Henriette Dornberger.

Lebensraum für Pflanzen und Kleintiere

Natur durch einen Rahmen in Szene gesetzt
Foto: Roland Frühwacht | Natur durch einen Rahmen in Szene gesetzt

Ein weiteres Kennzeichen eines "Naturgartens" ist die Biodiversität, das heißt, hier wird vielen verschiedenen heimischen Pflanzen und Kleintieren Lebensraum geboten. So huschen im Garten Eichhörnchen, Vögel zwitschern und bei schönem Wetter summen Insekten und tanzen Schmetterlinge, die im Garten reichlich Wirtspflanzen für ihre Raupen finden. Efeu und Fetthenne bieten noch spät im Jahr den Bienen Nahrung.

Regionale Gehölze wie Ahorn, Esche, Felsenbirne bilden den Baumbestand und rund 300-jährige Kastanien beschatten den Schlossgarten. Ein Totholzstoß, leicht von Efeu begrünt, kann im Winter vielleicht für Igel &Co zum Quartier werden. Im Uferbereich zum Schlosssee hin wachsen Schilf und Erlen und im feuchten Boden leben vielen Schnecken, darunter auch die unter Artenschutz stehenden Weinbergschnecken. Dass auch Haustiere ihren Platz hier finden können, beweisen die vier Hühner und ein Hahn, für die ein schmuckes Hühnerhaus gezimmert wurde.

Ruheplätze im Park laden zum Verweilen ein.
Foto: Roland Frühwacht | Ruheplätze im Park laden zum Verweilen ein.

Ebenfalls rund 300 Jahre alt ist eine 32 Meter lange Bruchsteinmauer, die den Schlossgarten einst in einen landwirtschaftlich genutzten und einen repräsentativen Teil trennte. "Man wollte zeigen, dass man sich so etwas leisten kann", erläutert sie. In diesem zur Straße hin liegenden Stück spendet ein Brunnen, dessen Rand mit im Schlossgarten ausgegrabenen Findlingen umsäumt ist, an heißen Tagen angenehme Kühle für Mensch und Tier. Im Rondell mit Rosen überragt die "Gräfin Henriette" unterschiedliche Sorten.

Es gibt noch viele Pläne

Allerdings findet so eine Gartengestaltung auch keinen Abschluss. Viele Ideen möchte Henriette Dornberger zusammen mit ihrem Ehemann Reiner Gaube noch in die Tat umsetzen. Dazu zählen der Bau einer Remise und die Gestaltung eines Fußweges durch den Garten mit alten Ziegeln und Ziegelstücken, die hier reichlich herumliegen.

Relikte der ehemaligen landwirtschaftlichen Nutzung sinnvoll in die Gartengestaltung einbezogen: ein ehemaliger Kleebock fungiert während der Vegetationszeit als Rankhilfe.
Foto: Roland Frühwacht | Relikte der ehemaligen landwirtschaftlichen Nutzung sinnvoll in die Gartengestaltung einbezogen: ein ehemaliger Kleebock fungiert während der Vegetationszeit als Rankhilfe.

Christine Bender, die Geschäftsführerin des Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege und eine der Jurorinnen für die Zertifizierung in diesem Jahr, wünscht sich Austausch und Vernetzung der Besitzer von zertifizierten Gärten. So könnte nach ihrer Sicht eine "Naturgartentour" angeboten werden oder eine Webseite beim Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege "Naturgärten"eingerichtet werden. "Es sollte eine Breitenwirkung kommen, denn es ist auch ein Beitrag zum Klimaschutz". "Und mein Traum ist es ja, dass auch öffentliche Flächen in den Kommunen zertifiziert werden können", setzt sie hinzu. Im Landkreis Schweinfurt ziert die Plakette "Naturgarten Bayern blüht" noch den Garten von Heike Pfister (Sennfeld), von Klaus Scheder (Lülsfeld), von Birgit Helbig (Waldsachsen), Rita Popp (Gerolzhofen) und den Kräutergarten in Gerolzhofen in der Nützelbachau.

Wer einen Naturgarten, naturnahen Garten oder einen Garten mit großer ökologischer Vielfalt besitzt, kann sich für eine Zertifizierung "Naturgarten Bayern blüht" bewerben, betonte Frank Bauer bei der Übergabe der Plakette. Ansprechpartner dafür ist die Geschäftsstelle des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege am Landratsamt Schweinfurt, Christine Unsleber, Schrammstr. 1., Zimmer 284, 97421 Schweinfurt. Telefon: (09721) 55533.

Info: Die Öffnungszeiten sowohl des Schloss- als auch des Pfarrgartens bis Ende Oktober: Sonntag 14-18 Uhr. Und am europaweiten Event "Rendevous im Garten" vom 9. bis 11. Oktober. Am Samstag, 10. Oktober lädt Henriette Dornberger zu einem Event unter dem Motto "Blumen der Vergangenheit" ein.

Ein schmuckes Domizil für Hühner und den Hahn
Foto: Roland Frühwacht | Ein schmuckes Domizil für Hühner und den Hahn
Totholz schafft Lebensraum für Kleintiere
Foto: Roland Frühwacht | Totholz schafft Lebensraum für Kleintiere
Herbstliches Arrangement mit Kerze auf einem freigelegten Baumwurzelstock
Foto: Roland Frühwacht | Herbstliches Arrangement mit Kerze auf einem freigelegten Baumwurzelstock
Ruheplätze im Park laden zum Verweilen ein.
Foto: Roland Frühwacht | Ruheplätze im Park laden zum Verweilen ein.
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