Schweinfurt

Netzwerken in schwierigen Zeiten

Erstes Treffen des neuen Gründernetzwerkes "Gründen@Schweinfurt". Unternehmer-Erfahrungen in Coronazeiten und Soforthilfe, die nicht immer sofort kommt.
Raua Romanowski (Inhaberin der Café Bar in der Schweinfurter Judengasse) und Rechtsanwalt Christopher Richter beim ersten Stammtisch von Gründen@Schweinfurt
Raua Romanowski (Inhaberin der Café Bar in der Schweinfurter Judengasse) und Rechtsanwalt Christopher Richter beim ersten Stammtisch von Gründen@Schweinfurt Foto: Steffen Krapf

Für den ersten Stammtisch des neuen Gründernetzwerks "Gründen@Schweinfurt" bedurfte es einiger Hartnäckigkeit. Erst am Montagnachmittag nach 15 Uhr trudelte endlich das Fax aus dem Rathaus bei Christopher Richter von "Gründen@Schweinfurt" ein, mit der Genehmigung für die Veranstaltung, die keine vier Stunden später im Außenbereich der Café-Bar in der Schweinfurter Judengasse stattfand.

Die Teilnehmerzahl reglementierte das Ordnungsamt auf acht Personen, die den durch das Infektionsschutzgesetz erforderlichen Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten hatten. "Jeder Teilnehmer muss auf seinem Stuhl sitzen und darf sich nur für Toilettengänge vom zugewiesenen Platz bewegen", hieß es beispielsweise im Bescheid. Standing Ovations blieben zur Premiere des Stammtischs, zu dem dann exakt die maximal erlaubten acht Menschen erschienen waren, deshalb schon mal aus.

"In den ersten Tagen sind die Tränen geflossen" 

Trotz der erschwerten Bedingungen, entwickelte sich ein reger Austausch bei dem Café-Bar Inhaberin Raua Romanowski ihre Erfahrungen von ihrem Geschäftsstart vor zweieinhalb Jahren bis hin zu ihrer derzeitigen Lage berichtete. Rechtsanwalt Christopher Richter teilte anschließend seine Expertise in Sachen Corona-Soforthilfe.

"In den ersten Tagen sind schon die Tränen geflossen", gab Raua Romanowski einen Einblick in die Tage nach der Corona-bedingten Schließung ihres Cafés im März. Für die dreifache alleinerziehende Mutter wird die Krise zur Zerreißprobe. Die gelernte Arzthelferin entschloss sich Ende 2017, nach neun Jahren Anstellung bei einem Kinderarzt, einen eigenen Laden zu eröffnen. "Ich habe davor schon nebenbei in einem Café bedient und dabei meine Leidenschaft entdeckt", blickt sie zurück: "Die Arbeit als Arzthelferin erfüllte mich nicht, das wollte ich nicht mein Leben lang machen, auch wenn die Arbeit mit den Kindern natürlich schön war." Über Facebook erfuhr sie, dass das Café in der Judengasse frei geworden ist, Romanowski packte die Gelegenheit beim Schopf. Seither hat sich die Cafè-Bar gut entwickelt, lebt vor allem von seiner treuen Stammkundschaft. Bis der Ausbruch der Pandemie die junge Gründerin vor eine ungewisse Zukunft stellte. Auch die jüngsten Lockerungen sind für die Gastronomin keine Entwarnung. "Wie soll man Geld verdienen unter diesen Auflagen? Als Alleinverdienerin stehe ich jeden Monat enorm unter Druck", sagt sie.

Politik hat sich da selbst gelobt

Wie viele Kleinunternehmer stellte auch sie einen Antrag auf die Soforthilfe. Bereits nach 14 Tagen traf das Geld bei ihr ein. Dass das nicht immer so schnell geht, berichtete Rechtsanwalt Christopher Richter: "Die Politik hat sich da selbst gelobt, dass die Soforthilfe schnell und unkompliziert sei. Dann hat man aber gemerkt, es ist nicht schnell, es kommen doch Regeln und es ist nicht unkompliziert". Richter erörterte die junge Historie der Soforthilfe, bei der es unter den Antragsstellern zu etlichen Wirrungen und Missverständnissen gekommen sei.

Beispielsweise zählen Personalkosten eines Unternehmens nicht zum Liquiditätsengpass, der in den Anträgen anzugeben sei. Ebenso wenig die eigene Vergütung bei Selbstständigen. Richter warnt auch vor den Gefahren, die hinter der Soforthilfe lauern könnten. Falsche Angaben könnten zu Subventionsbetrug führen, außerdem könnte es in den nächsten Jahren zu vielen Rückzahlungsforderungen kommen. Wann und in welchem Ausmaß die Überprüfungen erfolgen, sei heute noch nicht absehbar.

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