SCHWEINFURT

Nicht alles Banane

Volles Haus vor „Berliner Nacht“ von Volker Stelzmann.
| Volles Haus vor „Berliner Nacht“ von Volker Stelzmann.

Als Thomas Baumgärtel 1986 seine erste Banane an einen Kunst-Ort sprühte, musste er das bei Nacht und Nebel tun.


Heute ist die Aktion mit Spraydose ein offizieller Termin, in Schweinfurt gar in Anwesenheit von Regierungspräsident, Oberbürgermeisterin und Museumsleiter. Die applaudierten, als der selbstbewusste Künstler am Samstag der Kunsthalle sein „Prädikat“ verlieh. Die Aktion vor der Kunsthalle bildete den Abschluss unter eine etwas andere Ausstellungseröffnung, bei der neben Reden, Sekt und Häppchen auch Bananen serviert wurden.

Wie zu erwarten am Nationalfeiertag, ging es in den Reden nicht nur um die Kunst unter dem Titel „20 Jahre Deutsche Einheit“, sondern um das Thema überhaupt. Es wurden viele staatstragende Worte über Jubiläen an sich und das epochale Ereignis des Mauerfalls im Besonderen gesprochen, vor allem von Regierungspräsident Paul Beinhofer, aber auch von Oberbürgermeisterin Grieser. Sie schlug noch eine Brücke zum Partnerschaftsjubiläum an diesem Wochenende, er stellte die Frage, ob die Unterfranken die historische Chance von 1989 genutzt hätten.

Wie sich die Wiedervereinigung und vorher schon Mauerbau und Kalter Krieg in der Kunst widerspiegeln, dieser Frage ist Andrea Brandl, Kuratorin der eindrucksvollen Ausstellung in monatelanger Arbeit nachgegangen. Am Beispiel von 43 Künstlern aus Ost und West, von denen etliche zur Eröffnung gekommen waren, lassen sich die unterschiedlichen Standpunkte diesseits und jenseits der Grenze, aber auch Beziehungen und Gemeinsamkeiten nachvollziehen.

Ein Beispiel ist Markus Lüpertz' „Vision mit Mauer“ von 1989 neben dem sehr kraftvollen Triptychon des 1953 geborenen Johannes Heisig „Be Berlin oder die einende Kraft der Musik“. Der hat 2009 Szenen der deutschen Geschichte ganz dicht neben- und übereinander gesetzt und schaut selbst von unten ins Geschehen. Gegenüber ein Gemälde seines Vaters Bernhard Heisig: „Der verbrauchte Ikarus“ von 1993/95 zählt zu den „Wendebildern“ des 1925 Geborenen, in dem er auf Anfeindungen von Kollegen aus Ost und West anspielt.

Die Ausstellung lässt sich unter verschiedenen Aspekten erkunden, wobei der umfangreiche Katalog sehr hilfreich ist. Ein Beispiel wären Freundschaften zwischen Ost und West, wie zwischen dem Düsseldorfer Jörg Immendorff und dem Dresdner A.R. Penck. Von Immendorff ist eine Serie zu sehen, in der er einen nicht genehmigten Ausreiseantrag seines Freundes persifliert. Ein anderer Aspekt wäre die Nähe der direkt von der Teilung Deutschlands Betroffenen beziehungsweise die Distanz der jüngeren Generation.

Erik Buchholz war 1989 erst 20 Jahre alt und erinnert in seiner Serie „...und warfen die Augen durch Nächte“ undramatisch an die Nächte, in denen er vom Frankenwald aus herüber blickte. Noch größer ist der Abstand von Verena Rempel aus Würzburg. „Der Pantokrator“ der 33-Jährigen entpuppt sich beim näheren Hinsehen als Mosaik aus winzigen Porträts von Weltpolitikern – ein eher ironischer Blick auf die Politik.

Udo Eisenacher aus Meiningen hat „Kunst im Schatten der Grenze“ (so der Untertitel der Ausstellung) gemacht. In seinen Augen ist die Wiedervereinigung noch immer nicht vollzogen. Auch Michael Morgner ist bis heute geprägt vom Leben in der DDR und arbeitet mit den Symbolfiguren von damals. Sein „Schreitender“ ist in zwei Ausführungen zu sehen: in der Stahlskulptur vor der Kunsthalle und innen auf einem großen Triptychon. Morgner ist auch vertreten als Mitglied der Chemnitzer Künstlergruppe CLARA MOSCH, die 1977 eine Galerie gegründet hatte, in der Kunst gemacht und gezeigt werden sollte ohne Einfluss des staatlichen Kunsthandels. Der Gruppe ist am 28. Oktober ein eigener Abend im Rahmen des umfangreichen Begleitprogramms gewidmet. Die Ausstellung ist bis 10. Januar zu sehen.

Online-Tipp

Mehr Foto im Internet unter http://schweinfurt.mainpost.de

Begegnungen vor dem Ebersbach-Triptychon.
| Begegnungen vor dem Ebersbach-Triptychon.
Thomas Baumgärtel, beobachtet von Paul Beinhofer, Andrea Brandl, Gudrun Grieser und Erich Schneider.
Foto: FOTOs Laszlo Ruppert | Thomas Baumgärtel, beobachtet von Paul Beinhofer, Andrea Brandl, Gudrun Grieser und Erich Schneider.
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