Geldersheim

Oliver Brust: "Mein Herz hat für die Gemeinde geschlagen"

Nach nur einer Amtszeit ist für den ehrenamtlichen Bürgermeister Oliver Brust im Rathaus Schluss. Ein Blick zurück und warum er auf sein Gemeinderatsmandat verzichtet.
Ende einer Ära: Der scheidende Geldersheimer Bürgermeister Oliver Brust bei einer Gemeinderatssitzung im "Fränkischen Hof".
Ende einer Ära: Der scheidende Geldersheimer Bürgermeister Oliver Brust bei einer Gemeinderatssitzung im "Fränkischen Hof". Foto: Uwe Eichler

Wie wird die Ära Oliver Brust in die Geldersheimer Ortsgeschichte eingehen? Nach nur einer Amtszeit wurde der Bürgermeister im März abgewählt. Mit 827 zu 627 Stimmen unterlag der Freie Wähler seinem Herausforderer Thomas Hemmerich von der Jungen Liste. Es war nicht so, dass die Amtszeit des Bankkaufmanns und ehrenamtlichen Rathauschefs von Misserfolgen geprägt war. Dass jede Bürgermeisterkür eine Persönlichkeitswahl ist, in diesem Fall ist die Erkenntnis so hilfreich wie die Binsenweisheit, dass der Fußball rund ist und ein Spiel 90 Minuten dauert, nach einem überraschenden Turnieraus.

"Ich musste es erstmal verkraften", gibt Brust zu. Das 57:43- Prozent-Ergebnis steckte dem Nachfolger von Ruth Hanna Gube auch nach dem Wahlabend noch in den Knochen. Die 200 Stimmen Unterschied führt Brust vor allem auf die Neubürger zurück, mit eigenen Erwartungen an die Gemeindepolitik: trotz Versuche, Alt- und Neuort stärker zusammenzuführen, wie dem Bürgermeisterfrühstück im Freien. Der Trachtler galt im Amt als Mann gelebter Traditionen, der Kerwa und Hammeltanz organisiert, zum Weihnachtssingen vor die Haustür eingeladen oder die Silbermedaille für ein "liebens- und lebenswertes" Geldersheim heimgeholt hat: beim Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft".

Der 47-Jährige trat gerne als Urgeldersheimer auf, mit Dreispitz und Trachtenanzug. Bei aller Brauchtumspflege hat er aber auch einen modernen Lebensstil und fast schon brasilianische Leichtigkeit an den Biegenbach gebracht, mit gelebter Freundschaft zur südbrasilianischen Oktoberfestexklave Blumenau.

Spagat zwischen Beruf und Bürgermeisteramt

Im Gemeinderat war öfters mal Fado angesagt. CSU und Junge Liste traten mit einer Stimme Mehrheit als Gegenkraft auf, schon vor dem Bürgerentscheid um eine mögliche Gemeindebibliothek am neuen Kindergarten. Der habe, so Brust, "Gräben gerissen, aber auch ein eindeutiges Bild ergeben". Trotz des Erfolgs der Initiatoren von FW und SPD blieben die Gräben offen, vor allem am Ratstisch, wo es, so Brust, einige "7:8-Entscheidungen" gegeben habe. Dazu kam der "Spagat zwischen Beruf und Bürgermeisteramt", wie der Kundenberater der Sparkasse es nennt, mit "zwei Tagen Bank und drei Tagen Geldersheim." Erst im November scheiterte ein Vorstoß im Gemeinderat, die politische Tätigkeit hauptamtlich werden zu lassen.

Zuletzt wurde der Vorwurf lauter, die Gemeinde verzögere wichtige Investitionen. Dass es unter ihm, dem Freien Wähler, schleppend vorangegangen sei, mit Projekten wie Radweg, Kindergarten oder Bauhof, diesen Vorwurf will Brust nicht auf sich sitzen lassen. Trotz struktureller Probleme, die etwa die Ansiedlung eines Einkaufsmarkts verhindert hätten, habe es Erfolge gegeben, bei der Konversion und dem Zweckverband "Conn Barracks", der neuen Bushaltestelle an der Kapelle, der Aussegnungshalle oder der zusätzlichen Buslinie nach Schweinfurt, die im Herbst kommen soll.

Stolz sei er auf sein Kreistags-Ergebnis, bei der Gemeinderatswahl habe er die zweitbeste Stimmenzahl erreicht. Dennoch wird er dort sein Mandat nicht annehmen: "Ein solches Gremium muss neu anfangen können." Er wolle nicht die "beleidigte Leberwurst" spielen, aber: "Es tut nicht gut, wenn ein abgewählter Bürgermeister mit am Tisch sitzt."

"Mein Herz hat für die Gemeinde geschlagen"

Die letzten sechs Jahre seien spannend gewesen, sagt der scheidende Bürgermeister: "Mein Herz hat für die Gemeinde geschlagen". Er wünsche seinem Nachfolger Hemmerich, "dem Thomas", eine gute Hand, ebenso den künftigen Gemeinderäten. Zuhause, in der Fachwerkwohnung überm Untertor, ist einiges liegen geblieben, was sein Amt im Trachtenverband Unterfranken betrifft. Das möchte der Bezirkschef und Tanzgruppenleiter des lokalen Heimatvereins nun aufarbeiten.

Auch wenn Brust klar trennt zwischen seinem Hobby und der Zeit im Rathaus: Vielen Geldersheimern wird er wohl als "tanzender Bürgermeister" in Erinnerung bleiben. Ganz unähnlich ist die Welt von Rheinländer, Schottisch, Dreher und Walzer der Politik nicht: auch da wird schon mal gestolpert, ausgeschert, auf die Füße getreten, ein anderer Tanzpartner bevorzugt. Am Ende zählt auch für Bürgermeister a.D. Oliver Brust das Gefühl von erlebter Dorfgemeinschaft.  

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