Poppenhausen

Ottokar Reuscher, Erbauer der Poppenhäuser Grotte, wird 90

Im Sonnenlicht sieht die Mariengrotte am Wiesberg besonders schön aus. Ottokar Reuscher hatte diese 1977/78 zusammen mit seinem Bruder Hermann und zwei Freunden errichtet.
Foto: Hans-Peter Hepp | Im Sonnenlicht sieht die Mariengrotte am Wiesberg besonders schön aus. Ottokar Reuscher hatte diese 1977/78 zusammen mit seinem Bruder Hermann und zwei Freunden errichtet.

Sein Konterfei kennen viele Menschen aus dem Raum Schweinfurt: Ottokar Reuscher, der am 19. Mai 90 Jahre alt wird, füllte jahrelang die Rolle des Bierkönigs Gambrimus, der Symbolfigur der Poppenhäuser Brauerei Werner, aus. In seinem Heimatdorf hat Reuscher aber an anderen Stellen viel deutlichere Spuren hinterlassen: Er war maßgeblich an der Errichtung der Grotte beteiligt, rüstete Schützen jahrelang mit dem "Holzadler" für den Vogelschuss aus und begeistert viele Menschen durch seine maßstabgerechten, selbst gebauten Miniaturen.

Ottokar Reuscher erlernte nach dem Krieg  das Handwerk eines Huf- und Wagenschmieds. Nach der Umschulung zum Berufskraftfahrer arbeitete er bis 1991 in der Brauerei Werner. Seine Biertransporte führten ihn weit über die Grenzen des Landkreises hinaus. Der Gerstensaft aus Poppenhausen erfreute sich großer Beliebtheit.

Aus einer Art von "Langweile" entstand nach seiner Arbeitsphase sein großes Hobby: das Anfertigen landwirtschaftlicher Miniaturen – vom Pferdewagen bis zum Pflug. Ohne Skizze und Plan fertigte Reuscher in seinem Keller die funktionsfähigen kleinen Modelle, suchte sich passendes Material (unter anderem Teile einer Scheibenwischanlage) und führte die Elemente zu täuschend echt wirkenden Traktoren und Maschinen zusammen. Das Wissen über die Materialien und deren sachgerechter Verarbeitung aus seiner Lehre half ihm bei der Umsetzung.

Grotte am Wiesberg erbaut

Zusammen mit seinem Bruder Hermann und seinen Freunden Johann Katzenberger und Heinz Mühlig erbaute er 1977/1978 die Poppenhäuser Mariengrotte oberhalb des Dorfes. Er fand für seine Idee Unterstützung in der Bevölkerung und freute sich über Spenden. Die Gestaltung und das Mauerwerk übernahmen aber die vier Freunde, die mit einem Schild an der Grotte am Wiesberg verewigt sind. Die erste Mariendarstellung, aus Spenden finanziert, fiel im Jahr 1991 einem Brand zum Opfer, die zweite – jetzige Figur -, wurde eingesetzt und erst vor wenigen Jahren (2019) mit neuer Farbe aufgefrischt. Die Grotte am Wiesberg ist bis heute Reuschers Lieblingsplatz in seiner Heimatgemeinde.

So tourte er durch viele Städte und Dörfer und belieferte die Gastronomie. Ottokar Reuscher und sein 'Werner Bier-Laster'.
Foto: Familie Reuscher/Metz, Repro Hans-Peter Hepp | So tourte er durch viele Städte und Dörfer und belieferte die Gastronomie. Ottokar Reuscher und sein "Werner Bier-Laster".

Seinem Schützenverein half Ottokar Reuscher, der 1965 selbst Schützenkönig wurde,mit seinem handwerklichen Geschick. Die "Holzadler", insgesamt 17 Exemplare,  für den Vogelschuss kamen jahrelang aus seiner Werkstatt und die Kanone, die ganz Poppenhausen darauf aufmerksam macht, dass man einen neuen Schützenkönig feiern kann, hat er mit passenden Rädern versehen; die Speichen, das berichtet der rüstige Rentner, stammen von ausrangierten Wirtshausstühlen der Brauerei.

Seine Rolle als Gambrinus ist Ottokar Reuscher gar nicht zu wichtig. Er habe dies damals gerne übernommen, war als Symbolfigur nicht nur bei den traditionellen Bierwochen vertreten, sondern verkörperte den Bierkönig bei vielen anderen offiziellen Anlässen, bei Baumpflanzungen oder beim Wirtewechsel in einer der  zahlreichen Gaststätten, die damals Werner Bier ausschenkten.

Nur einen Ausschnitt seiner meisterlichen Miniaturen zeigt hier Ottokar Reuscher. Über eine lange Zeit fertigte er kleine Modelle aus dem weiten Bereich der Landwirtschaft. Bei seinen funktionsfähigen Miniaturen drehen sich nicht nur die Räder. Für seine Familie entstand in Reuschers Werkstatt unter anderem eine handgefertigte Krippe.
Foto: Jutta Metz | Nur einen Ausschnitt seiner meisterlichen Miniaturen zeigt hier Ottokar Reuscher. Über eine lange Zeit fertigte er kleine Modelle aus dem weiten Bereich der Landwirtschaft.

Ottokar Reuscher ist mit seinen 90 Lenzen immer noch relativ gut zu Fuß, hat sich den Erinnerungsschatz an sein abwechslungsreiches Leben erhalten und man sieht ihm die Freude an, wenn er über den Bau der Grotte oder seine handwerklichen Meisterleistungen – im Miniaturbau oder für die Schützenvereinigung – berichtet.

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