Gerolzhofen

Rückkehr in die Kirche: "Es tut gut"

Am Samstagabend luden die Glocken des Steigerwalddoms zum ersten Gottesdienst in Corona-Zeiten ein. Ein Moment, der sicher in die lokale Geschichtsschreibung eingehen wird.
Ein Gottesdienst zu Corona-Zeiten im Steigerwalddom in Gerolzhofen: Die Gläubigen müssen Schutzmasken tragen und Abstand halten.
Ein Gottesdienst zu Corona-Zeiten im Steigerwalddom in Gerolzhofen: Die Gläubigen müssen Schutzmasken tragen und Abstand halten. Foto: Klaus Vogt

Seit dem 17. März durften wegen der Corona-Pandemie keine öffentlich zugängliche Gottesdienste mehr stattfinden. Dies hat sich nun geändert. Mit der Lockerung der staatlichen Zwangsmaßnahmen sind seit dem vorvergangenen Wochenende auch wieder liturgische Feiern der Religionsgemeinschaften erlaubt, wenn auch unter strengen Hygiene-Vorschriften. Während in der evangelischen Erlöserkirche in Gerolzhofen auch in den kommenden Wochen noch keine Gottesdienste gefeiert werden können, weil in der kleinen Kirche die Abstandsregeln kaum umsetzbar sind, luden am Samstagabend die Glocken des Steigerwalddoms zum ersten Gottesdienst in Corona-Zeiten ein. Ein Moment, der sicher in die lokale Geschichtsschreibung eingehen wird.

Besucher aus der Risikogruppe

Der Würzburger Bischof Franz Jung hatte - im Gegensatz zu anderen deutschen Bistümern - beschlossen, dass momentan noch keine Eucharistiefeiern in der ländlich geprägten Diözese Würzburg stattfinden. Als Bischof sei er auch für die Gesundheit der Gläubigen verantwortlich, hatte Jung betont. Da ist zum einen der Umstand, dass sich ein Großteil der Kirchenbesucher heutzutage eben aus jenen älteren Bevölkerungsschichten speist, die zur Corona-Risikogruppe gehören. Zum anderen geht es aber auch um die emotionale, sicherlich verstörende Wirkung, wenn der Priester vor und während der Wandlung von Brot und Wein am Altar erst noch zum Desinfektionsspray greifen würde. In den Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz heißt es zwar, dass die Hostie bei der Kommunionausteilung im angemessenen Abstand und "mit einer Zange" gereicht werden könne und dass der Pfarrer dabei Einweg-Handschuhe tragen soll - doch in der Praxis will man dies im Bistum Würzburg nicht umsetzen. 

Es sind deshalb im Bistum zunächst nur nichteucharistische Gottesdienstformen erlaubt: österliches Morgen- und Abendlob, Maiandacht, Pfingstnovene, Anbetungsstunden und pfingstliches Orgelbrausen. Den Auftakt machte am Samstag ein "österliches Abendlob" im Steigerwalddom. Vor dem einzig geöffneten Eingangsportal auf der Marktplatzseite waren Striche aufs Pflaster gemalt worden, um die Gottesdienstbesucher auf den Abstand zum Vordermann aufmerksam zu machen.

Platzanweiser des Pfarrgemeinderats

In der Kirche wurden die Eintretenden von Platzanweisern des Pfarrgemeinderats empfangen, die auf noch freie Sitzplätze hinwiesen. Auf einem Tisch unter der Empore standen Sprühflaschen mit Desinfektionsmittel bereit.

Die roten Karten zeigen an, wo man sich in den Bänken hinsetzen darf. 
Die roten Karten zeigen an, wo man sich in den Bänken hinsetzen darf.  Foto: Klaus Vogt

Die Sitzplätze sind im Abstand von etwa zwei Metern mit roten Kärtchen auf den Bänken gekennzeichnet. Nur Familienangehörige dürfen direkt nebeneinander sitzen, für alle anderen gilt, dass bei dem Kärtchen nur eine Person sitzen darf. In den langen Bankreihen zu beiden Seiten des Hauptgangs sind jeweils nur vier Plätze gekennzeichnet. Die Gottesdienstbesucher müssen die ganze Zeit eine Mund- und Nasenbedeckung tragen, ein sehr ungewohntes Gefühl. Die Kesselchen für das Weihwasser sind leer, die in der Kirche sonst ausliegenden Gesangbücher sind wegen er Ansteckungsgefahr weggeräumt.

Geringe Resonanz

Maximal nur vierzig Menschen wollten am Samstagabend unter diesen Bedingungen an einem Gottesdienst teilnehmen. Als Kantor Karl-Heinz Sauer zu Beginn ein beschwingtes Osterlied an der Orgel anstimmte, erschien im Altarraum zunächst nur die Lektorin Stefanie Lembcke mit einem Weihrauchfass. Zur Überraschung aller zog Pfarrer Stefan Mai mit der brennenden Osterkerze - zur Orgelmusik Walzer tanzend - durch den Hauptgang in die Kirche ein. Zuletzt hatte man so einen tanzenden Einzug gesehen, als vor Jahren der aus Nigeria stammende Kaplan Blaise Okpanachi gemeinsam mit Kaplan Jürgen Thaumüller seinen Dienst in der Pfarreiengemeinschaft aufnahm.

Mit Plakaten an der Kirchentür werden die Gottesdienstbesucher gebeten, im Gotteshaus Abstand zu halten.
Mit Plakaten an der Kirchentür werden die Gottesdienstbesucher gebeten, im Gotteshaus Abstand zu halten. Foto: Klaus Vogt

Pfarrer Mai sagte in seiner Begrüßung, wegen der Corona-Krise habe man seit Wochen keine Gottesdienste mehr feiern können. Überall sei nach Ersatzriten gesucht worden, Experimente mit neuen Formen. "Aber überall hat eines gefehlt: die Gemeinde, die Gemeinschaft der Singenden und Betenden." Aber trotz begrenzter Möglichkeiten, trotz der Abstandsregelungen tue es jetzt gut, wieder am vertrauten Ort zusammenzukommen. "Der Glaube, die Botschaft vom Auferstandenen ist nicht tot zu kriegen. Sie ist auch heute noch Lebenselexier für so viele Menschen. Trost und Ermutigung im Leben."

Beim Verlesen des Evangeliums vom Gang der Emmausjünger stellten Anja Iff, Kerstin Oppermann und Mario Döpfner die Geschichte als Pantomine dar. 

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