Schraudenbach

Schwammspinner: Biozid-Einsatz soll Anwohner am Waldrand schützen

Erst war ein Schutzzaun aus Planen vorgesehen, jetzt will man den Schwammspinnerraupen doch an den Kragen. Wie die biologische Bekämpfung funktionieren soll.
Viel Hunger hat eine Schwammspinnerraupe bis sie sich verpuppt. Die Anwohner am Waldrand in Schraudenbach haben das 2019 zu spüren bekommen. Die Raupen fraßen ganze Gärten kahl.
Viel Hunger hat eine Schwammspinnerraupe bis sie sich verpuppt. Die Anwohner am Waldrand in Schraudenbach haben das 2019 zu spüren bekommen. Die Raupen fraßen ganze Gärten kahl. Foto: Silvia Eidel

Jetzt also doch: Aus Vorsorge für den Schutz der Anwohner lässt der Markt Werneck am Waldrand in Schraudenbach ein Biozid gegen die Schwammspinnerraupen ausbringen. Ursprünglich war nur ein Schutzzaun aus Planen vorgesehen, jetzt entschied sich der Gemeinderat, zunächst eine biologische Bekämpfung durchzuführen.

"Die Nerven liegen bei den Anwohnern blank" hat auch Wernecks neuer Bürgermeister Sebastian Hauck erfahren. Denn die Bewohner der Glockenbergsiedlung hatten im vergangenen Jahr schlimme Begegnungen mit den gefräßigen Raupen gemacht. Diese waren aus unerklärlichen Gründen aus dem Waldstück der Bayerischen Staatsforsten heraus auf die Häuser zugewandert und hatten die Gärten kahlgefressen.

Bei einer Waldbegehung im März hatten die Forstleute verdeutlicht, dass aus Waldschutzgründen heuer wieder kein chemisches Mittel, in der Regel der Häutungsbeschleuniger Mimic, gegen den Schwammspinner gespritzt werde. Denn die Eigelege seien viel geringer und auch kleiner als im vergangenen Jahr. Der Wald sei nicht bedroht.

Ausschließlich für den Gesundheitsschutz der waldnahen Bürger soll nun aber direkt am Waldweg oberhalb der Siedlung ein Biozid ausgebracht werden, entschied die dafür zuständige Gemeinde Werneck in Abstimmung mit dem Waldbesitzer, den Bayerischen Staatsforsten, mit dem Staatlichen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), dem Umweltamt, und dem Gesundheitsamt am Landratsamt. "Die Entscheidung hat sich keiner leicht gemacht", so Hauck.

Bekämpfungsaktion startet am Mittwoch

Wie der Bereichsleiter Forsten am AELF Schweinfurt, Stephan Thierfelder erklärt, hatte er mit dem Arnsteiner Forstbetriebsleiter Christoph Riegert aktuell noch einmal den Waldrand abgeschritten. "Es sind Raupen da, der Lochfraß an den Blättern ist sichtbar", sagt er. Auch mit dem Fernglas konnten sie in gewissen Abständen an den Bäumen Eigelege und Blattfraß der geschlüpften Raupen erkennen.

Wie in der Stadt Schweinfurt auch, im Bereich Vordere Haardt, soll nun am Mittwoch das Biozid Foray ES (Bacillus thueringensis) ausgebracht werden. Das Biozid wirkt als Fraßgift für blattfressende Raupen, ist für Wirbeltiere und den Menschen ungiftig und vollständig biologisch abbaubar. Dennoch wird dieses Waldstück sicherheitshalber für 24 Stunden gesperrt, erläutert Wernecks Verwaltungsleiter Konrad Bonengel. Die Anwohner wurden am Dienstag über die Aktion informiert.

Erst der Wirkstoff, dann ein Schutzzaun?

Gesprüht wird der Wirkstoff von einem Sprühfahrzeug aus, das den 1,2 Kilometer langen Waldweg, vom Forstweg bis zur Ortsverbindungsstraße Schraudenbach-Stettbach befährt. Bis zu 20 Meter hoch kann der Wirkstoff vom Boden aus gesprüht werden. Überhängende Äste beseitigte der Gemeindebauhof in Absprache mit den Forstleuten.

"Wir fahren zweigleisig", sagt Bonengel. Das Material für einen Planen-Zaun sei bereits vorhanden, aber man wolle abwarten, wie der Biozid-Einsatz wirkt. "Hier ziehen alle Beteiligten an einem Strang", meint er, "denn so etwas wie im vergangenen Jahr soll sich nicht wiederholen".

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