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Schweinfurt: Hat 66-Jährige ihren Ehemann geschlagen?

Weil sich ihr 73-jähriger Mann scheiden lassen wollte, soll die Frau mit "Trinknapf und Eisenrohr" zugeschlagen haben. Sie bestreitet das und erhebt selbst schwere Vorwürfe.
Eine Frau soll ihren Ehemann geschlagen haben, sie behauptet aber etwas anderes. Das Schweinfurter Amtsgericht muss nun darüber entscheiden. (Symbolbild).
Foto: Frank May, dpa | Eine Frau soll ihren Ehemann geschlagen haben, sie behauptet aber etwas anderes. Das Schweinfurter Amtsgericht muss nun darüber entscheiden. (Symbolbild).

Als "klassischen Fall von Aussage gegen Aussage" bezeichnete der Richter das Verfahren vor dem Schweinfurter Amtsgericht, das sich mit häuslicher Gewalt eines Ehepaares aus dem Landkreis Schweinfurt beschäftigt. Denn dem Vorwurf, die angeklagte Frau hätte sich der Gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht, entgegnete diese, sie sei wiederum von ihrem Mann gewaltsam angegangen worden. Dementsprechend waren am ersten Verhandlungstag zwei sehr unterschiedliche Versionen zu hören.

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Die Staatsanwaltschaft wirft der 66-jährigen Rentnerin vor, ihren Ehemann im März mit einem "Trinknapf aus Porzellan" gegen Kopf und Unterarm geschlagen, ihn bespuckt und anschließend als "Schwein" beleidigt zu haben. Noch am selben Tag sei sie wenige Stunden später mit einem Eisenrohr auf den 73-jährigen Ehemann losgegangen und soll ihm Schmerzen und Blutergüsse an der Hüfte zugefügt haben, heißt es in der Anklageschrift.

Streit eskalierte wegen möglicher Scheidung

Den gewaltsamen Handlungen soll ein Streit über eine mögliche Scheidung vorausgegangen sein. Die Angeklagte soll "mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeuges" ihren Ehemann körperlich misshandelt haben, so die Staatsanwaltschaft. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung stand sie deshalb nun vor dem Schweinfurter Amtsgericht. Dass es zum Streit kam, bestritt die Rentnerin nicht. Allerdings habe sie ihren Mann nie verletzt. "Wie soll ich das denn mit meinen 58 Kilo machen?", fragte sie den Richter unter Tränen.

Schon länger sei sie von ihrem Mann mit anderen Frauen betrogen und provoziert worden, schon häufig habe er sie gepackt und zu Boden geworfen. Als dies im März erneut geschehen sei, habe sie am Boden liegend zum Trinknapf der Katze gegriffen, allerdings nicht zugeschlagen. "Ich wollte mich nur schützen, ich habe etwas in seinen dunklen Augen gesehen", betonte die Angeklagte aufgebracht. Auch den Schlag mit dem Eisenrohr bestritt sie. Vielmehr sei sie von ihrem Mann mit der Stange bedroht worden. Beim Versuch den Schlag mit dem Eisenrohr abzuwehren, seien beide gestürzt. Dabei habe sich der Mann seine Verletzungen wohl zugezogen, so die Angeklagte.

"Ich habe Angst vor meiner Frau"

Der als Zeuge geladene Ehemann erzählte dem Gericht eine ganz andere Version. Schon häufig sei er von seiner Frau körperlich angegangen worden. So habe sie ihm einmal das Gesicht mit ihren Fingernägeln verkratzt, nachdem beide einen Termin bei der Eheberatung wahrgenommen hatten. "Ich habe Angst vor meiner Frau, sie ist sehr temperamentvoll", sagte der 73-Jährige, für den die gemeinsame Ehe keinen Sinn mehr ergebe. Dennoch leben sie nach wie vor unter einem Dach. Wobei er immer wieder angeregt habe, das gemeinsame Haus zu verkaufen, um dann "eigene Wege" zu gehen.

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Doch genau das wolle seine Ehefrau nicht. Als es im März nun zur besagten Auseinandersetzung kam, habe sie ihn mit dem Trinknapf und dem Eisenrohr geschlagen, nachdem er erneut einen möglichen Hausverkauf angesprochen hatte. "Als ich die Polizei gerufen habe, sagte meine Frau zu mir, sie werde sich nun selber blaue Flecken zufügen und dann behaupten, ich wäre das gewesen", so der Rentner.

Mehr Zeugen zur Aufklärung nötig

"Keiner von uns war dabei", sagte der Richter und forderte beide dazu auf, möglichst genaue Angaben zu machen. Schließlich handele es sich bei den Vorwürfen nicht um ein "Kavaliersdelikt". Die Staatsanwältin hakte vor allem bei den Schilderungen der Angeklagten mehrmals misstrauisch nach. "Die Situation ist nach wie vor sehr unklar." Letztlich standen am ersten Verhandlungstag zwei grundlegend unterschiedliche Varianten des Tathergangs im Raum. Aus diesem Grund wurde ein weiterer Verhandlungstag angesetzt, an dem weitere Zeugen, darunter die damals hinzugerufenen Polizeibeamten, angehört werden sollen. Weiter geht es voraussichtlich am 29. Oktober.

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