Schweinfurt

Schweinfurt: Warum das Geschäft mit Fahrrädern gerade jetzt boomt

Die Schlangen vor den Geschäften sind seltener geworden. Beim Bäcker und Metzger gibt es sie noch manchmal – und immer und überall vor den Fahrradgeschäften.
Fahrradfahren ist im Trend – das spüren auch die Händler in der Region Schweinfurt.
Fahrradfahren ist im Trend – das spüren auch die Händler in der Region Schweinfurt. Foto: Patty Varasano

Wer sich jetzt ein E-Bike oder auch ein anderes Fahrrad kaufen will, der müsse sich sputen, sagt der Schweinfurter Fachhandel, bei dem der Coronavirus die Nachfrage derart nach oben torpediert hat, dass bis Ende Mai die Läden die Ausfälle von fünf geschlossenen Wochen wettgemacht haben wollen. 

Ulrich Fenn spricht von einem "extremen Run" auf Unterfrankens größten Fahrradfachmarkt Schauer. Die Kundschaft nehme es ohne Murren in Kauf, dass man vor der Ladentür in der Schweinfurter Rudolf-Diesel-Straße 14 (Gewerbegebioet Hafen) in der Schlange warten müsse. Da fleißig gekauft werde, werde die Ware knapp, was aktuell vor allem für neue Fahrräder gelte, weniger für den Teilehandel. Obwohl man fünf Wochen pausiert hat, rechnet der Filialleiter mit einem "sagenhaften" Jahr, in dem statt Urlaub gemacht geradelt werde. 

E-Bikes ganz oben auf der Wunschliste

Gefragt sei vor allem das E-Bike. Doch auch ohne Rückenwind aus dem Akku würden sich Mountainbikes, Trekking-, Cross-, Renn-, City-, Falt- oder etwa Kinderräder gut verkaufen. Schauen würde die Kundschaft auf die Qualität. 3000 Euro für den motorisierten Untersatz sei den meisten Interessenten das Mehr an Spaß auf dem Rad (bevorzugt mit breiten Reifen) wert. 

Die Werkstatt von Schauer nimmt in diesen Tagen nicht jedes Fahrrad an. "Das ist nicht zu bewältigen", sagt Ulrich Fenn. Wer bei Schauer gekauft hat, der komme jedoch zum Zuge. Und so werde gar mancher Drahtesel, der über Jahre im Keller stand, jetzt aufpoliert.

Begehrt sind Fahrradhelme, die Fahrradbekleidung noch weniger, doch in diesem Bereich klettere die Nachfrage in der eben erst begonnenen Saison noch, meint der Filialleiter.

Fahrräder statt Hochzeitsreise

"Überrannt" wird in diesen Tagen Zweirad Seifert in Bergrheinfeld. Auch Stefan Seifert hat das E-Bike als Alternative zur Fahrt in den Urlaub ausgemacht – auch hat er zwei E-Bikes an ein frisch getrautes Paar verkauft, das sich mit den Rädern über die ausgefallene Hochzeitsreise tröstet. Sein Zehn-Stunden-Tag  ist nicht zuletzt dem "Ansturm" auf die Werkstatt geschuldet. Auch die letzten vier Sonntage hat er dort verbracht.

Bestellte Fahrradteile kommen in der Mainstraße 24 in Bergrheinfeld nicht mehr wie früher innerhalb von 24 Stunden an. Mit einer Woche Lieferzeit sei momentan zu rechnen. Ähnliches gelte für das Bestellen neuer Fahrräder. Deshalb rät Seifert beim Kauf zu allem, was bei ihm oder auch bei den Kollegen im Laden steht.

Die Auswahl wird vorerst nicht größer

Uwe Buchwald von Zweirad Borndörfer in der Schweinfurter Schultesstraße hat die fünf Wochen der verschlossenen Ladentür mit dem Onlinehandel überbrückt. Die Nachfrage im Geschäft sei jetzt "stark, sehr stark". Leider komme die Industrie mittlerweile nicht mehr mit der Produktion nach. Die Engpässe führt Buchwald auf die Kurzarbeit, die nicht eingestellten Saisonarbeiter und auch auf das Fehlen von in Fernost gefertigten Teilen zurück – auch weil die Schiffe nicht fahren und die Flugzeuge nicht fliegen.

Er selbst habe noch vieles im Lager, was in zwei oder vier Wochen nicht mehr gelten müsse, weshalb auch Buchwald rät: "Wer kaufen will, muss zuschlagen." Bei Borndörfer kommt Kundschaft jeden Alters in den Laden. Gesucht sind in erster Linie E-Bikes für 2500 bis 3500 Euro. Bei Sportgeräten werde auch mehr auf den Tisch gelegt: 5000 und mehr Euros. Boomen tut auch in der Schultesstraße der Reparaturbetrieb.  

Guter Service fast nicht möglich

"Finanziell" kann sich Julius Kneitz vom Fahrstil-Radladen in der Schweinfurter Friedhofstraße 11 "nicht beschweren". Alles werde gekauft. Die Nachfrage an E-Bikes sei super hoch. Die Reparaturaufträge würden sich türmen. Engpässe bei den Radherstellern hat auch Kneitz ausgemacht. Modelle seien oft nicht lieferbar. Beim Bestellen von Ersatzteilen würde es noch besser, aber auch nicht mehr gut aussehen. Kneitz: "Auch wenn die Kasse klingelt, empfinde ich die Situation nicht als positiv. Wer weiß schon wie es weiter geht. Den Kunden derzeit einen guten Service zu liefern, ist fast nicht mehr möglich."

Die Reihen werden sich lichten, sagt der Fachhandel, bei dem sich erste Engpässe beim Bestellen von neuen Fahrrädern bemerkbar machen.
Die Reihen werden sich lichten, sagt der Fachhandel, bei dem sich erste Engpässe beim Bestellen von neuen Fahrrädern bemerkbar machen. Foto: Schauer

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