Schweinfurt

Schweißtreibende Arbeit: Mehl mahlen wie in der Jungsteinzeit

Der Internationale Museumstag lud auf vielfältige Weise ein, sich mit der Menschheitsgeschichte auseinanderzusetzen.
Mehl mahlen war in der Jungsteinzeit eine schweißtreibende Arbeit. Dieser kleine Museumsübernachter mit Stirnlampe probiert es aus.
Foto: Ursula Lux | Mehl mahlen war in der Jungsteinzeit eine schweißtreibende Arbeit. Dieser kleine Museumsübernachter mit Stirnlampe probiert es aus.

Am Internationalen Museumstag öffneten die Museen in Stadt und Landkreis Schweinfurt wieder ihre Pforten und boten so mancherlei Sehens- und Hörenswertes an. In Schwanfeld begann der Tag schon am Vorabend. Über 30 Kinder kamen zur langen Museumsnacht und erkundeten das Leben der Bandkeramiker vor über 7500 Jahren.

Auf Tuchfühlung mit der Welt der Jungsteinzeit gingen die Kinder im Bandkeramikmuseum in Schwanfeld.
Foto: Ursula Lux | Auf Tuchfühlung mit der Welt der Jungsteinzeit gingen die Kinder im Bandkeramikmuseum in Schwanfeld.

"Als Kind bin ich nie gerne ins Museum gegangen", erzählt Bürgermeister Richard Köth. Man musste still sein und durfte nichts anfassen, erinnert er sich. Sicher mit ein Grund, warum das Bandkeramik-Museum im ältesten Dorf Deutschlands eine Einrichtung zum Anfassen und Mitmachen wurde. Schon seit zehn Jahren werden die Kinder zur Museumsnacht eingeladen und dürfen im Ausstellungsraum übernachten. Ein Film stimmte auf das Leben in der Jungsteinzeit ein. Dann konnten die Kinder wählen: Ein bandkeramisches Legespiel basteln oder doch lieber einen Traumfänger fertigen, Stockbrot backen oder an der Kinderführung teilnehmen. Bei der Fackelwanderung zu der Ausgrabungsstätte waren dann alle wieder zusammen. Dort durfte jeder einen Holzpfosten spielen, um so zu erleben, wie lange so eine 20 Meter langes Haus aus jener fernen Zeit wirklich war.  Ausgerüstet mit Stirnlampen, die ohne Nachfrage alljährlich von der Sparkasse gespendet werden, heuer zusätzlich mit 500 Euro für das Museum, legten sich die Kinder dann schlafen.

Ausflug in die Gründerzeit

Dem ersten Walzenwehr der Welt setzte Schweinfurt an der Gutermann-Promenade ein Denkmal. Gästeführer Roland Schwab erklärte die Technik.
Foto: Ursula Lux | Dem ersten Walzenwehr der Welt setzte Schweinfurt an der Gutermann-Promenade ein Denkmal. Gästeführer Roland Schwab erklärte die Technik.

Zu einem Ausflug in die Gründerzeit Schweinfurts lud Roland Schwaab ein. Er schlüpfte in die Rolle eines Industriearbeiters um 1913, Schweinfurt hatte eine Straßenbahn, von Pferden gezogen mit einem Kutscher und einer Schaffnerin. Friedrich Fischer hatte schon 16 Jahre  zuvor die "erste automatische Gußstahlkugelfabrik" gegründet, die schon 1909 von Georg Schäfer übernommen wurde. Beim Wälzlagerhersteller Fries und Höpflinger waren damals fast 2000 Arbeiter beschäftigt. Schweinfurts Fundament als Kugellagerstadt war gelegt. Die Energie für die Fabriken kam aus 16 unterschlächtigen Wasserrädern, an einem eigenen Fließkanal des Mains. Seit 1904 gibt es auch schon ein städtisches Elektrizitätswerk. Mit einer Dampf- und einer Wasserkraftturbine, die zusammen 500 Kilowattstunden produzieren, das aber war bereits 1913 zu wenig, so dass es erste Überlegungen zum Ausbau gab. Drei Jahre darauf war die Leistungen bereits doppelt so hoch. Auch das weltweit erste Walzenwehr stand in Schweinfurt, es löste die alten Nadelwehre ab, bei denen per Hand die Holzpfosten zum Stauen des Wassers eingebracht werden mussten. Die Führung "Gründer, Wasser und Technik" zeigte, dass um die Jahrhundertwende die Grundlagen für Firmen, Produkte und technische Entwicklungen von weltweiter Bedeutung gelegte wurde.

So sahen die Rezepte früher aus, aus denen der Apotheker dann die Heilmittel selbst herstellte.
Foto: Ursula Lux | So sahen die Rezepte früher aus, aus denen der Apotheker dann die Heilmittel selbst herstellte.
In den Schubladen der Apothekertheke lagerten die zu verarbeiteten Drogen, hier im Bild Liebstöckel.
Foto: Ursula Lux | In den Schubladen der Apothekertheke lagerten die zu verarbeiteten Drogen, hier im Bild Liebstöckel.

Eine ebenso bedeutende wie rasante Entwicklung nahm das Apothekenwesen, das Fritz Schumm im kleinen Apothekermuseum zeigte. Der Sammelleidenschaft seines Vaters, des Schonunger Apothekers Friedrich Schumm, verdankt das kleine Museum so manche Kostbarkeit. So beispielsweise eine alte Kugelmühle aus Porzellan zum Mischen von Substanzen oder das alte Rezeptbuch seines Großvaters, der auch Apotheker war. Dieses Rezeptbuch aus der Kriegszeit enthält Seifenrezepte ebenso wie Migränemittel, in die damals bis zu drei verschiedene Barbiturate gemischt wurden, oder Hustenzäpfchen für Kinder mit Morphin. "Dann war a Ruh", kommentiert Schumm kopfschüttelnd. Heute wäre das unvorstellbar.

Im ersten Raum des kleinen Apothekermuseums sind vor allem Geräte und Drogen der letzten 1500 Jahre ausgestellt. 1400 wurde die Arzneimittelherstellung von den Ärzten getrennt, und dann habe sich lange an den Prinzipien nicht viel geändert, erklärte Schumm. Arzneien wurden selbst hergestellt, und man setzte auf Erfahrungswerte. Erst mit der chemischen Industrie um die Jahrhundertwende änderte sich vieles, neue Industriearzneimittel entstanden, Aspirin beispielsweise wurde schon 1860 industriell hergestellt. Noch mehr habe dann aber die Einführung des Computers die Welt der Apotheke verändert. Der internationale Museumstag gab interessante Einblicke von der ältesten bis zur jüngsten Vergangenheit.

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