Sennfeld

Sennfeld: Noch kein Termin für Eröffnung des Pflegeheims

Wann das "Haus am Sennfelder See" seine Pforten öffnet ist auch nach gut drei Jahren Bauzeit noch nicht klar. Vor 16 Monaten sollte es eigentlich schon fertig sein.
Fortgeschritten ist der Bau des Pflegeheims "Haus am Sennfelder See". Ein Eröffnungstermin ist noch nicht genannt.
Fortgeschritten ist der Bau des Pflegeheims "Haus am Sennfelder See". Ein Eröffnungstermin ist noch nicht genannt. Foto: Silvia Eidel

Nach über drei Jahren Bauzeit nähert sich das Pflegeheim "Haus am See" allmählich seiner Vollendung. Ursprünglich sollte es im März 2019 fertig sein, der Eröffnungstermin wurde immer wieder verschoben. Von außen ist das dreistöckige Gebäude jetzt verputzt, auch wenn das Gelände noch sehr nach Baustelle aussieht. Diese belastet nach wie vor die Anwohner, deren Beschwerden bei der Gemeinde und auch bei dieser Redaktion auflaufen.

"Wir sind wöchentlich damit beschäftigt", bestätigt Bürgermeister Oliver Schulze. Weil es immer wieder zu Verkehrsbehinderungen durch die Baufahrzeuge dort kommt, hat die Gemeinde ein Parkverbot in der Johann-Wenzel-Straße veranlasst. Nicht nur der Verkehr und das Parken waren und sind Beschwerdethemen, es ging um permanent laufende Wasserpumpen, um Baulärm, und –staub, um Abfall und mangelnde Informationen. "Ich verstehe jeden einzelnen Anwohner", unterstreicht Schulze.

Behinderungen durch Bauarbeiten: eigentlich müsste der Bauherr informieren

Daher informiere die Gemeinde die Anlieger auch freiwillig über mögliche Behinderungen durch den Baufortschritt. "Das ist eigentlich Sache des Bauherrn beziehungsweise der Baufirmen."

Bauträger ist die Schellmann Unternehmensgruppe aus dem mittelfränkischen Bechhofen beziehungsweise deren Tochtergesellschaft, die Projektgesellschaft Rübengarten. Als Betreiber des Pflegeheims wird das in München angesiedelte Unternehmen Korian agieren. Über die Seubert-Seniorenimmobilien GmbH in Würzburg wurden gemeinsam mit der Sparkasse Schweinfurt die 104 Einheiten an private Investoren bereits verkauft. Sie sollen dann an Pflegebedürftige vermietet werden.

Über viele Monate liefen Tag und Nacht die Pumpen am Gelände, um das hier hoch anstehende Grundwasser aus der Baugrube herauszuhalten. Die Genehmigung dafür war vom Landratsamt Schweinfurt angesichts der Fortdauer der Baustelle – unter anderem wegen der Ablösung des Generalunternehmers – dreimal verlängert worden.

Vibrationen sorgten bei den Anwohnern für Ärger

Acht Meter tiefe Stahlspundwände waren in den Boden rund um die Baustelle gerammt worden, um das Wasser im Innern abzupumpen. Zum einen sorgten die Vibrationen bei den Anwohnern für Ärger. Zum anderen wurde die Befürchtung laut, das unterkellerte Pflegeheim sei nicht wasserdicht und der Grundwasserspiegel müsse permanent abgesenkt werden. Was wiederum Schäden und Setzungen an Nachbargebäuden und Straßen hervorrufen könne.

Am Bauzaun weist ein Schild auf das künftige "Haus am Sennfelder See" hin.
Am Bauzaun weist ein Schild auf das künftige "Haus am Sennfelder See" hin. Foto: Silvia Eidel

"Die Grenzwerte der Vibration wurden nicht überschritten", erklärt dazu Christoph W. Schellmann, geschäftsführender Gesellschafter des Bauträgers. In den Kellern der Anlieger seien Messgeräte zur Überwachung während des Baus installiert worden, die keine Überschreitungen angezeigt hätten. Dennoch werde man Risse im Putz von zwei Gartenmauern richten lassen, auch Risse in der Garage des direkt angrenzenden Nachbarn, der Spenglerei von Herbert Rückert, würden erledigt.

Mittlerweile ist die sogenannte Bauwasserhaltung beendet und zurückgebaut, bestätigt Schellmann. Das gilt auch für die Rohrleitung der Pumpen, die das Wasser über die Mollengasse hinunter zum Altmain, den Sennfelder See, führte. Damit ist die Zufahrt zur Flur wieder frei, freut sich Bürgermeister Schulze, zumal damit die Behinderung gerade für landwirtschaftliche Fahrzeuge zu Ende sei.

Spundwände rings um das Pflegeheim

Laut Schellmann würden in Abstimmung mit dem Landratsamt allerdings die Spundwände rings um das Pflegeheim im Boden bleiben. Nachbar Rückert hatte ein Gutachten erstellen lassen, wonach dies für sein Anwesen sinnvoll sei. Die Pressesprecherin des Landratsamts Schweinfurt, Uta Baumann, teilt aber auf Anfrage mit, dass das Verfahren über den Antrag eines Verbleibs der Spundwände noch nicht abgeschlossen sei.

Der Ärger vieler Anwohner ist aber auch grundsätzlicher Art: Der Standort, die Größe des Pflegeheims auf 3600 Quadratmeter Fläche und die dreistöckige Bauweise werden kritisiert. "Die Standortfrage war schon vor 12, 13 Jahren bekannt", sagt dazu der Bürgermeister, als die Gemeinde sukzessive dort Flächen kaufte. Der Wunsch nach einem Pflegeheim in der Gemeinde war groß, entsprechend auch der Druck auf den damaligen Bürgermeister Emil Heinemann. Nach langem vergeblichen Suchen bot sich schließlich die Schellmann-Gruppe als Bauträger an, die mit dem Betreiber Korian schon zahlreiche Projekte deutschlandweit realisierte.

Als der Generalunternehmer ging war dies der Super-Gau 

Dass dann der Generalunternehmer den Bau verlassen habe, sei ein "Super-Gau" für jeden Bauherrn, versteht Schulze. Wenn dann alle Gewerke einzeln vergeben werden müssten, sei eine Zeitverzögerung nachvollziehbar. "Es ist in der Vergangenheit manches nicht rund gelaufen, was ich auch sehr bedaure", sagt Schellmann. Sein Unternehmen führe die Arbeiten nicht selbst, sondern mit Nachunternehmern durch.

Wann der Betreiber des Pflegeheims, Korian, endlich Bewohner aufnehmen wird, ist nach Auskunft von dessen Pressestelle in München noch ungewiss, auch wenn auf der Korian-Homepage der "Sommer 2020" angegeben ist. "Wir sind nur Mieter in den Räumen und es gibt noch einige bauliche Themen, die vom Vermieter erst noch behoben werden müssen", heißt es. Es werde wohl Herbst mit der Eröffnung werden.

Dreistöckig erstreckt sich das Pflegeheim mit 104 Apartments am Rand von Sennfelds Altort, direkt neben Gemüsefeldern.
Dreistöckig erstreckt sich das Pflegeheim mit 104 Apartments am Rand von Sennfelds Altort, direkt neben Gemüsefeldern. Foto: Silvia Eidel

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