Oberschwarzach

„Solange trägt wohl kein Mensch mehr aus“

Sage und schreibe 51,5 Jahre trug Rita Ferber zusammen mit ihrem Mann Hubert pünktlich und zuverlässig die Zeitung in Oberschwarzach aus. Eine außergewöhnliche Leistung.
Sage und schreibe 51,5 Jahre trug Rita Ferber zusammen mit ihrem Mann Hubert (links) stets pünktlich und zuverlässig die Zeitung in Oberschwarzach aus. Jetzt gingen beide zum 1. März in Zeitungs-Rente. Dank für diese außergewöhnliche Leistung sagte aus diesem Grund der Gebietsleiter der Main-ZustellService GmbH, Roland Kuhn (rechts).
Foto: Norbert Vollmann | Sage und schreibe 51,5 Jahre trug Rita Ferber zusammen mit ihrem Mann Hubert (links) stets pünktlich und zuverlässig die Zeitung in Oberschwarzach aus. Jetzt gingen beide zum 1. März in Zeitungs-Rente.

„Solange trägt wohl kein Mensch mehr die Zeitung aus“, sagt Rita Ferber. Und wahrscheinlich dürfte sie damit in einem immer schnelllebiger und digitaler werdenden Zeitalter Recht behalten, auch wenn unsere bisher langjährigste Zustellerin, eine Frau aus Hofheim, schon für 60 Jahre Zustelltätigkeit geehrt werden konnte. Sage und schreibe einundfünfzigeinhalb Jahre – in Zahlen 51,5 – haben Rita Ferber und ihr Mann Hubert zunächst Volkszeitung, Steigerwald-Bote und bis zuletzt die Main-Post im Steigerwalddorf ausgetragen.

Seit Knie und Hüfte zunehmend Probleme machten, konnte die mittlerweile 78-jährige Oberschwarzacherin auf die erwähnte tatkräftige Unterstützung ihres Mannes zählen. Erst jetzt zum 1. März haben es sich die beiden gegönnt, endgültig in Zeitungs-Rente zu gehen.

Wie gesagt, schier unglaubliche 51,5 Jahre war Rita Ferber das Gesicht dieser Zeitung in Oberschwarzach. Zu Gesicht bekommen haben sie beim Zeitungsaustragen allerdings nur die wenigsten. Denn sie war, wie dann auch ihr Mann, stets zeitig unterwegs, damit die gewohnte Tageszeitung rechtzeitig bei den Leserinnen und Lesern im Briefkasten und Zeitungsrohr steckte.

 

Als die Zeitung noch relativ spät kam

 

Am Anfang trafen die Zeitungen im Dorf mit dem Zeitungsfahrer allerdings noch relativ spät ein. Doch schon seit langem kommt die Lieferung, wenn die meisten noch schlafen. So standen Rita und Hubert Ferber all die letzten Jahrzehnte bereits um 4.30 Uhr  morgens bereit, um die Ausgaben auf ein Neues zu verteilen.

Als das Dorf und die Welt also noch weitgehend im Tiefschlaf ruhten, machte sich unsere langjährige Zustellerin auf die Beine und sorgte dafür, dass die Leser und Leserinnen pünktlich zum Frühstück ihre Zeitung aufschlagen und studieren konnten.

Zuvor hatte in Oberschwarzach der Nachbar die Zeitung zugestellt. „Als er aufhörte, hat seine Schwester solange auf mich eingeplaudert, bis ich sagte, ich mach’s“ erinnert sich Rita Ferber. Die letzte Woche im August 1967 ist sie dann das erste Mal mit einem Packen von 60 Zeitungen losgezogen, um Oberschwarzach mit den neuesten Nachrichten aus aller Welt und der Heimatregion zu versorgen.

 

Als die Träger noch das Zeitungsgeld kassierten

 

Damals war es, wie erwähnt, zunächst die Volkszeitung, die im Ort gelesen wurde. Später waren es dann die Main-Post und der Steigerwald-Bote aus Gerolzhofen, bevor dieser im Mainpresse-Verlag aufging. In Spitzenzeiten waren es bis zu 160 Exemplare, die es in Oberschwarzach zu verteilen galt. Rita Ferber kann sich auch sehr gut an die Anfangszeiten erinnern, als die Zeitung 4,80 Mark im Monat gekostet hat und das Zeitungsgeld noch von den Austrägern kassiert worden ist.

Diese Aufnahme zeigt Rita Ferber im Oktober 2010 bei der Zustellung  unserer Zeitung in Oberschwarzach.
Foto: Julia Knetzger | Diese Aufnahme zeigt Rita Ferber im Oktober 2010 bei der Zustellung  unserer Zeitung in Oberschwarzach.

Die letzten fast 35 Jahre drehten die Ferbers mit einem kleinen Zeitungswagen die Runde. Dieser begleitete sie wie ein treuer Weggefährte durch die Straßen des Dorfes. Allerdings machten sich nicht nur einmal zu morgendlicher Stunde auf dem Heimweg befindliche Scherzbolde einen Spaß daraus, das Wägelchen geschwind irgendwo um die nächste Ecke zu schieben und dort zu verstecken, während die Ferbers die Zeitung einwarfen. Da hieß es, erst einmal den Wagen zu suchen.

Die ersten Jahrzehnte war die Hausfrau und Blumenliebhaberin noch im ganzen Ort unterwegs, jedoch wurde die Siedlung immer größer, so dass die Tour auf 3,6 Kilometer angewachsen war und sie ab 2005 Unterstützung nördlich der Handthaler Straße und in der Neubausiedlung bekam, während sie selbst als ihren Zustellbezirk den restlichen Altort mit einer Strecke von immerhin noch 2,8 Kilometer behielt.

 

Als die Briefsendungen hinzukamen

 

Nach der Jahrtausendwende war obendrein die Zustellung der Briefsendungen für die Main-PostLogistik GmbH dazu gekommen. Verschickt zum Beispiel der Landkreis die Müllbescheide, gibt es für die Zusteller viel zu sortieren. Doch auch da half den Ferbers bald die Routine, die sie sich im Lauf der vielen Jahre zugelegt hatten.

Zuerst dauerte die Tour durch den ganzen Ort rund zwei Stunden, mit größer werdender Siedlung entsprechend länger. Am Ende brauchten sie für den nach der Teilung des Zustellbezirks verbliebenen Altort eine gute Stunde. Es dürften etliche Tonnen an Tageszeitungen und Anzeigenblättern gewesen sein, die Rita und Hubert Ferber in den mehr als 51 Jahren ausgetragen haben.

Legt man die jeweiligen Strecken für die große und später zurückgelegte „kleine“ Tour zugrunde, dürften es die beiden bestimmt auf über 50 000 gelaufene Kilometer gebracht haben. Damit hätten sie die Erde locker einmal zu Fuß umrunden können.

 

Als der Blumentopf im Weg stand

 

Von größeren Zwischen- oder gar Unfällen blieben die Ferbers in all der langen Zeit zum Glück verschont. Vor allem im Winter sei auch sie ein paar Mal ausgerutscht oder hingefallen, aber es sei „nichts weiter passiert“, so Rita Ferber. Nur einmal hatte sie im Dunkeln den Blumentopf zu ihren Füßen übersehen und sich beim Sturz Gesicht und Arm kräftig aufgeschunden und geprellt.

Rita Ferber trägt auf diesem Archivbild im März 1997 die Zeitung in Oberschwarzach aus.
Foto: Manfred Wirth | Rita Ferber trägt auf diesem Archivbild im März 1997 die Zeitung in Oberschwarzach aus.

Mit am schönsten von der Jahreszeit her sei es für sie beim Zeitungsaustragen stets im Frühjahr gewesen, „wenn alles noch ruhig war und die Vögelchen zwitscherten“, während sie dem anbrechenden Tag in der Frühlingsluft entgegengelaufen ist. Und starke Winter habe es früher noch gegeben. So stark, dass sie und ihr Mann die Zeitungen teilweise auf dem Rodelschlitten die Siedlung hochzgezogen haben.

So viele Dinge mögen sich in der gefühlten Unendlichkeit von einundfünfzigeinhalb Jahren geändert haben, aber eines ist bis zum letzten Tag mit der Main-Post in der Hand gleichgeblieben: die Konstanz und Zuverlässigkeit der Ferbers.

Roland Kuhn, der für Oberschwarzach zuständige Gebietsleiter der Main-ZustellService GmbH, kann bestätigen, dass es nie Probleme und Reklamationen unter der Ägide von Rita und Hubert Ferber gegeben habe. Alles sei völlig „geräuschlos“ über die Bühne gegangen.

 

Oberschwarzach: Roland Kuhns Traumgebiet

 

Um die Vertretung im Urlaub oder bei Krankheit hätte sich die Familie stets selbst gekümmert. Er wüsste auch nicht, wann es überhaupt einmal Reklamationen wegen der Zeitungszustellung im Ort gegeben habe. Roland Kuhn: „Mit einem Wort, ein Traumgebiet für einen Gebietsleiter“.

Sehr gefreut hat Roland Kuhn zudem, dass es gelungen ist, für einen nahtlosen Übergang in Oberschwarzach  zu sorgen. So trägt jetzt künftig Anita Mack Main-Post und Briefe in Oberschwarzach aus. Die ersten Runden hat sie bereits gedreht.

2017 wurde Rita Ferber für 50 Jahre als Zustellerin im Dienste der Mediengruppe Main-Post in Würzburg vom Verlag geehrt. Zu den Gratulanten zählten (von links) Roland Kuhn (zuständiger Gebietsleiter), Walter Schmitz (Mitglied der Geschäftsleitung), Geschäftsführer David Brandstätter und Main-PostLogistik Geschäftsführer Alexander Brümmer.
Foto: Thomas Obermeier | 2017 wurde Rita Ferber für 50 Jahre als Zustellerin im Dienste der Mediengruppe Main-Post in Würzburg vom Verlag geehrt.
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