Gerolzhofen

Sozialzentrum Steigerwald: "Es wird jetzt langsam Routine"

Der Umgang mit Corona war in Pflegeheimen vor allem zu Beginn der Pandemie schwierig, weil Erfahrungswerte fehlten, Unsicherheit herrschte und die Arbeitsbelastung zunahm.
Besuch im Caritas-Sozialzentrum Steigerwald in Gerolzhofen: Klaus-Peter Menke (Gesamtleitung) und Monika Strumpf (Pflegedienstleitung) im Gespräch mit der Main-Post.
Besuch im Caritas-Sozialzentrum Steigerwald in Gerolzhofen: Klaus-Peter Menke (Gesamtleitung) und Monika Strumpf (Pflegedienstleitung) im Gespräch mit der Main-Post. Foto: Andreas Lösch

Zu Beginn der Corona-Pandemie im März gab es in den Medien auffällig viele Berichte darüber, dass das neuartige Virus Sars-Cov-2 besonders häufig vor allem bei älteren Menschen einen schweren bis tödlichen Verlauf der Lungenkrankheit Covid 19 auslösen kann. Und prompt kamen unter anderem aus Würzburg ab Mitte März in kurzen Abständen immer neue Schreckensmeldungen, nachdem dort Corona in einem Seniorenheim ausgebrochen ist und viele Heimbewohner an der Folge der Infektion gestorben waren

Es lag also die Vermutung nahe, dass es in der Bevölkerung gewisse Risikogruppen gibt, für die das Coronavirus gefährlicher ist als für andere. Wissenschaftliche Erkenntnisse stützen diese Annahme: Zwar können nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI)schwere Covid-19-Verläufe "auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten und werden auch bei jüngeren Patienten beobachtet", allerdings stufte das RKI Menschen mit Vorerkrankungen und geschwächtem Immunsystem sowie allgemein ältere Personen als besonders gefährdet ein (laut RKI waren 86 Prozent der in Deutschland an COVID-19 Verstorbenen 70 Jahre alt oder älter).

Große Herausforderungen für das Pflegepersonal

Klaus-Peter Menke, seit 1983  in Pflegeberufen tätig, wusste sofort, dass auf die gesamte Branche enorme Herausforderungen zukommen würden. Was ist, wenn das Virus in einem Pflegeheim auftritt, wie kann man darauf reagieren oder besser noch: Wie verhindert man, dass es überhaupt so weit kommt? Diese Fragen haben sich er und zahlreiche andere Verantwortliche in Pflegeeinrichtungen gestellt und klar war auch: Einfache Antworten und Lösungen wird es nicht geben, und erst recht keine Garantie, dass eine beschlossene Maßnahme auch funktioniert. "Wir hatten ja keine Blaupause", sagt er.

Zwar gab es gewisse Erfahrungswerte und Vorgaben durch das Infektionsschutzgesetz, aber was die Situation in der Coronakrise anbelangt, war Vieles eben doch "komplett neu". Menke hat seit Anfang Mai dieses Jahres die Gesamtleitung des Caritas-Sozialzentrums Steigerwald inne, zuvor war der gelernte Krankenpfleger 16 Jahre lang Geschäftsführer von drei privaten Pflegeheimen in Unterfranken. Inmitten der Corona-Krise übernahm er im Sozialzentrum in Gerolzhofen das Steuer und hat für seine neuen Mitarbeiter viel Lob übrig: Die Belegschaft in Gerolzhofen habe sich hervorragend auf die zusätzlichen Herausforderungen eingestellt und sehr gute Arbeit geleistet. Die anfängliche Ungewissheit, wie mit der Situation umzugehen sei, hat sich gelegt, mittlerweile habe sich alles gut eingespielt. "Es wird jetzt langsam Routine."

Bislang kein einziger Corona-Fall

Bislang hat es im Sozialzentrum keinen einzigen Corona-Fall gegeben, die strengen Hygienevorschriften und Besucherreglementierungen haben also Wirkung gezeigt. Wenngleich es keine 100-prozentige Sicherheit geben kann, wie Menke betont, so könne man doch sein Bestmöglichstes dafür tun, das Risiko eines Ausbruchs der Infektionskrankheit zu minimieren. Für den Fall, dass Corona in dem Heim dennoch auftritt, werden ständig vier separate Betten freigehalten "um isolieren zu können".

In Pflegeeinrichtungen galten und gelten aufgrund der Risikogruppenzugehörigkeit der Bewohner auch nach diversen Corona-Lockerungen weiterhin strengere Vorgaben. So waren Besuche in Seniorenheimen eine Zeit lang überhaupt nicht möglich. Wie Monika Strumpf, Pflegedienstleiterin im Sozialzentrum Gerolzhofen, erklärt, habe man in dieser Phase "Möglichkeiten geschaffen für die Besucher, weiter mit den Angehörigen zu kommunizieren", etwa via Telefon oder Videotelefonie, auch Briefe wurden geschrieben. Die Bewohner wurden intensiv betreut, es waren zusätzliche Schichten nötig, aber das Pflegepersonal sei die Herausforderung "mit sehr hohem Engagement" angegangen, alle seien sich einig gewesen: "Da helfen wir alle zusammen". Auch der Großteil der Bewohner hat laut Strumpf verstanden, warum diese Maßnahmen notwendig sind, viele hätten gesagt: "Wir haben auch schon Schlimmeres überstanden." Mittlerweile sind einzelne Besucher nach Voranmeldung wieder erlaubt, im großen Festsaal können sich Bewohner mit Angehörigen treffen. 

Tipps für pflegende Angehörige

Auch, wer Angehörige zuhause pflegt, steht in Zeiten von Corona vor noch größeren Herausforderungen als ohnehin schon. Wie die Johanniter aus Schweinfurt mitteilen, sind vor allem "penible Hygieneregeln äußerst wichtig" (vor jedem Kontakt mindestens 20 Sekunden Hände mit Seife waschen und ein separates Handtuch nutzen). „Abstand zu halten ist bei Pflegehandlungen nicht möglich. Empfehlenswert ist daher ein Mund-Nasen-Schutz, um das Risiko einer Tröpfcheninfektion zu senken“, erklärt Johanna Zdebik, Pflegedienstleitung der Johanniter in Unterfranken. Die Pflegeaufgaben sollten zudem nach Möglichkeit von nur einer Person erbracht werden, die das Gebot des "Social Distancing" streng befolgt.

Wichtig sei es zudem, feste Rituale und eine Tagesstruktur zu haben, das vermittelt den Pflegebedürftigen eine gewisse Sicherheit. „Schaffen Sie einen Rahmen, etwa mit festen Essenszeiten“, empfiehlt Zdebik. „Etwas Abwechslung zwischendurch bringen Aktivitäten wie ein Gesellschaftsspiel, Musikhören oder der Videochat mit den Enkeln.“ Ein Spaziergang könne durch einen kleinen Ausflug auf den Balkon oder zum offenen Fenster ersetzt werden. Je nach körperlicher Verfassung sei es auch ratsam, die pflegebedürftige Person so weit wie möglich selbst aktiv werden zu lassen, anstatt ihr alle Aufgaben abzunehmen. Die Johanniter verweisen in diesem Zusammenhang auf ihre kostenlosen Online-Pflegekurse, die auf der Plattform Johanniter-pflegecoach.de angeboten werden.

Das Caritas-Sozialzentrum Steigerwald in Gerolzhofen.
Das Caritas-Sozialzentrum Steigerwald in Gerolzhofen. Foto: Andreas Lösch
Weihwasser gibt es wegen des Infektionsrisikos derzeit keines in der Kapelle des Sozialzentrums Steigerwald.
Weihwasser gibt es wegen des Infektionsrisikos derzeit keines in der Kapelle des Sozialzentrums Steigerwald. Foto: Andreas Lösch

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