Schweinfurt

Stadtrat besucht seinen Wald: Von Klimaschutz und Borkenkäfer

Wald als Ort der Erholung, des Klimaschutzes und des Wirtschaftens war Thema des Waldbegangs des Stadtrates. Worauf Schweinfurts Forstamtsleiter Florian Haensel Wert legt.
Beim Waldbegang des Schweinfurter Stadtrats stellte der städtische Forstamtsleiter Florian Haensel nicht nur die Probleme mit dem Borkenkäfer vor, sondern auch, warum ein gesunder Mischwald wichtig ist.
Foto: Oliver Schikora | Beim Waldbegang des Schweinfurter Stadtrats stellte der städtische Forstamtsleiter Florian Haensel nicht nur die Probleme mit dem Borkenkäfer vor, sondern auch, warum ein gesunder Mischwald wichtig ist.

Der Satz steht auf der letzten Seite seiner Präsentation, geht aber sicher allen Waldfreunden runter wie Öl: "Holz, welches wir regional und nachhaltig unter Berücksichtigung aller Waldfunktionen produzieren, schont globale Ressourcen und leistet einen aktiven Beitrag zum Weltklima!", schreibt Florian Haensel, Forstamtsleiter der Stadt.

Damit trifft er den Nagel auf den Kopf, denn das Thema Bäume ist ja vor allem im Stadtgebiet durchaus immer wieder eines, das dafür sorgt, dass man sich im Stadtrat die Köpfe heiß diskutiert ob der Frage, ob ein Baum nun so krank ist, dass er gefällt werden sollte oder nicht, ob eine Baumschutzverordnung wichtig ist oder ob man vielleicht lieber einen Stadtwald anpflanzen als eine Landesgartenschau veranstalten sollte.

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Derlei Reizthemen spielten beim Waldbegang des Stadtrates, an dem neun der 44 Räte teilnahmen sowie einige Mitarbeiter der Verwaltung, keine Rolle. Harmonisch ging's zu, interessiert waren die Zuhörer, nahmen den Wald auch als das auf, was er ist, nämlich zugleich ein Ort der Ruhe und Erholung vom Spaziergänger bis zum Mountainbiker, ein Ort des Klima- und Artenschutzes und ein Ort des nachhaltigen Wirtschaftens.

Nicht zu übersehen, hier ist ganz offensichtlich Schweinfurter Stadtwald, auch wenn man sich auf Weipoltshäuser Gemarkung befindet.
Foto: Oliver Schikora | Nicht zu übersehen, hier ist ganz offensichtlich Schweinfurter Stadtwald, auch wenn man sich auf Weipoltshäuser Gemarkung befindet.

Auch wenn die Stadt durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Großindustrie finanziell in diesem Jahr gebeutelt ist, eines lässt sich mal mit großer Sicherheit feststellen: An Bäumen hapert's nicht. 1756 Hektar Wald gehören Schweinfurt, davon 1230 Hektar in städtischem Besitz und der Rest im Besitz der von der Stadt verwalteten Hospitalstiftung.

Diese Flächen, die die Stadt "zu einem der großen Waldbesitzer in der Region machen", so Oberbürgermeister Sebastian Remelé, liegen bekanntlich zum Großteil nicht im Stadtgebiet selbst, sondern vor allem im Norden zwischen Zell/Weipoltshausen und dem Brönnhof und weiter Richtung Landkreis Bad Kissingen.

So schaut Fichtenrinde aus, wenn ein Käfer wie in diesem Fall der so genannte Buchdrucker, sein Unwesen treibt.
Foto: Oliver Schikora | So schaut Fichtenrinde aus, wenn ein Käfer wie in diesem Fall der so genannte Buchdrucker, sein Unwesen treibt.

Bewirtschaftet wird die Fläche von Haensel und seinem Team mit zwei Revierleitern, sieben Forstwirten und einem Azubi. Vor allem bei der Holzernte und beim Rücken des Holzes greift man auf Firmen zurück. Da der Wald auf der fränkischen Trockenplatte mit Lehmböden liegt, gedeiht hier vor allem die Eiche sehr gut. Nadelhölzer machen nur etwa ein Drittel des sehr vielfältigen und artenreichen Bestandes aus, so Haensel. Neben den teils bis zu 150 Jahre alten Eichen gibt es zumeist Buchen und Ahorn-Bäume.

Haensel betonte die vielfältigen Aufgaben und vor allem die jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelange Perspektive eines Försters. "Wir sind nicht nur die Holzfabrik, sondern der Wald bietet auch Ökosystemleistungen." Schon lange ist der Stadtwald Teil des Natura 2000 Gebiets. Dass auch Haensels Vorgänger umsichtig und naturbelassen gewirtschaftet haben, sehe man daran, dass es zahlreiche Biotope gebe und sich besonders geschützte Tierarten wie Kammmolch, Bechsteinfledermaus und sogar die Wildkatze angesiedelt haben.

Ein Ort der Erholung, des Klimaschutzes, aber auch des Wirtschaftens: Der städtische Wald, hier in der Nähe von Weipoltshausen.
Foto: Oliver Schikora | Ein Ort der Erholung, des Klimaschutzes, aber auch des Wirtschaftens: Der städtische Wald, hier in der Nähe von Weipoltshausen.

Die Probleme verschwieg Forstamtsleiter Haensel nicht, sondern führte die Gruppe sozusagen ins Auge des Hurrikans namens Buchbinder, vulgo Borkenkäfer. Normalerweise werden im Stadtwald rund 6500 Festmeter Holz pro Jahr eingeschlagen, genau so viel, wie wieder aufgeforstet wird. Dieses Jahr werden es wohl 10 000 Festmeter, was zwar eine Million Euro Einnahmen bringt, aber auch das Dilemma zeigt.

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Das Käferholz nämlich muss so schnell wie möglich aus dem Wald raus. Haensel zeigte ein gut ein Hektar großes Areal, das einstmals so dicht mit Fichten bewachsen war wie der umstehende Wald, jetzt aber einer Kraterlandschaft gleicht. Der Borkenkäfer wütete hier, die Bäume mussten gefällt werden.

Für die Stadt wie jeden anderen Waldbesitzer ist die Ertragslage bei so genanntem "Käferholz" mäßig, nur ein Drittel dessen, was man für gewöhnlich erlöst, gibt es und das, obwohl das Holz selbst qualitativ nicht beeinträchtigt ist. Der Markt ist überschwemmt mit Käferholz, was die Preise drückt. Was gut für die holzverarbeitende Industrie, ist in diesem Fall schlecht für die holzliefernde Waldwirtschaft.

Ein Grund für Borkenkäfer in Nadelholz sei natürlich der Klimawandel, denn in unseren Breitengraden regnet es zu wenig, die Trockenheit schwächt die Bäume, nach Stürmen zum Beispiel haben die Käfer leichtes Spiel und die Fichten keine Chance. In Südbayern, wo es mehr regnet, gibt es auch keine Käfer-Sorgen wie vor allem in Mitteldeutschland.

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