Schweinfurt

Steigerwaldbahn: Kreistag muss Farbe bekennen

Die Diskussion um die Zukunft der brach liegenden Steigerwaldbahn hat zuletzt deutlich an Fahrt aufgenommen. Heute ist der Kreistag am Zug.
Eine wichtige Entscheidung über die Zukunft der Steigerwaldbahn (im Bild der Bahnübergang in Gerolzhofen) trifft am Donnerstag der Schweinfurter Kreistag.
Foto: Klaus Vogt | Eine wichtige Entscheidung über die Zukunft der Steigerwaldbahn (im Bild der Bahnübergang in Gerolzhofen) trifft am Donnerstag der Schweinfurter Kreistag.

An diesem Donnerstag könnte es im Schweinfurter Kreistag ab 13 Uhr besonders hitzig werden: Denn das Gremium muss im Grundsatz entscheiden, ob es ein Prüfverfahren für die Reaktivierung der Steigerwaldbahn einleiten will oder nicht. Darauf drängt die zuständige Regierung von Mittelfranken. Im März 2019 hatte der Kreistag nach einer kontroversen Debatte zwar sein langfristiges Interesse an der Strecke bekundet. Doch der Bezirksregierung in Ansbach reicht das nicht.

Regierung legt Hürden fest

Zudem erwartet die Regierung von Mittelfranken, dass der Kreistag den vier Reaktivierungskriterien des Freistaats zustimmt:  eine  Fahrgastprognose mit mindestens 1000 Reisendenkilometern pro Werktag,  Instandsetzung der Strecke ohne Zuschüsse, ein Betreiber und ein Buskonzept der Landkreise Schweinfurt und Kitzingen ohne Konkurrenz zur Schiene.

Am vergangenen Montag hat sich der Kreistag von Kitzingen mit deutlicher Mehrheit für eine Prüfung einer Wiederinbetriebnahme ausgesprochen. Vor der Sitzung in Schweinfurt wollen Vertreter des Fördervereins Steigerwald-Express und des Verkehrsklubs Deutschland (VCD) am Donnerstag um 12.30 Uhr vor dem Landratsamt demonstrieren und die Kreisräte zu einem positiven Votum animieren.

Schweinfurts Landrat Florian Töpper (SPD) gab sich auf Anfrage dieser Redaktion optimistisch, dass die Argumente, die zum Mehrheitsbeschluss im März geführt haben, erneut tragfähig sind. Ein Beschluss brächte die Möglichkeit, einen "klar strukturierten Prüfauftrag" zu vergeben, damit die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) das Fahrgastpotenzial analysieren kann.

Laufende Anträge

Bis auf Gerolzhofen haben alle Anrainergemeinden (unter anderem Grettstadt, Sennfeld und Gochsheim) die so genannte Entwidmung der Strecke beantragt. Damit würde die Trasse dem Planungsrecht der Bahn entzogen und die Kommunen könnten sie in ihre eigenen Vorstellungen einbeziehen. Über die Entwidmung ist noch nicht befunden; ein positiver Entscheid brächte das Aus der Steigerwaldbahn näher.

Brisanz nimmt zu

Bündnis 90/Die Grünen zählen zu den eifrigsten Verfechtern der Reaktivierung. In einer Pressemitteilung hat unter anderem Landtagsabgeordneter Paul Knoblach Innen-Staatssekretär Gerhard Eck (CSU) scharf kritisiert, weil dessen öffentliche Äußerungen den neuen Eigentümer der Trasse regelrecht zum erfolgten Abbau von Schienen bei Großlangheim (Lkr. Kitzingen) ermuntert hätten. Auch Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (CSU) geriet in die Schusslinie der Grünen. Die CSU indessen möchte die Trasse als Teststrecke für autonom fahrende Busse nutzen. Nicht nur wegen der inhaltlichen Unterschiede dürfte die Debatte im Kreistag an Brisanz dazu gewinnen, denn Knoblach, Eck und Weisgerber gehören ihm an.

Sollten die Wogen hochschlagen, bliebe die Chance, sie am gleichen Tag zu glätten: Nach der Sitzung ist ein vorweihnachtlicher Empfang für die Kreisräte geplant.

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