Gerolzhofen

Streuobstwiesen: BN kritisiert neue Kriterien für Einordnung als "Biotop"

Protest am Jahrestag des Volksbegehrens 'Rettet die Bienen' (von links): Babs Günther, Erich Rößner, Edo Günther (alle BN), MdL Paul Knoblach und Kreisrat Thomas Vizl (beide Bündnis 90/Die Grünen) auf der Streuobstwiese des BN bei Gerolzhofen.
Foto: Uwe Gratzky | Protest am Jahrestag des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" (von links): Babs Günther, Erich Rößner, Edo Günther (alle BN), MdL Paul Knoblach und Kreisrat Thomas Vizl (beide Bündnis 90/Die Grünen) auf der ...

1,7 Millionen Bayern haben im Sommer 2019 für das Volksbegehren "Rettet die Bienen und Artenvielfalt" unterschrieben. Die Menschen hätten mit diesem Volksbegehren klar gemacht, dass sie den Artenschwund stoppen und mehr Ökologie wollen, schreibt der Bund Naturschutz (BN) Schweinfurt in einer Pressemitteilung. Die Politik habe reagiert und ein Gesetzespaket zu Gunsten der Artenvielfalt und Naturschönheit beschlossen, das am 1. August 2019 in Kraft trat.

Der damalige Jubel sei jedoch allerdings längst verebbt, weil "viele der erfreulich weitreichenden Neuregelungen durch nachgereichte Verordnungen ausgehebelt wurden" – mit diesen Worten wird der Schweinfurter Landtagsabgeordnete Paul Knoblach (Bündnis 90/Die Grünen) bei einem Treffen von Akteuren des Bund Naturschutz (BN) und der Grünen am Jahrestag des Gesetzespakets in Gerolzhofen zitiert. Als Veranstaltungsort wurde die Streuobstwiese des Bund Naturschutz bei Gerolzhofen gewählt. Denn: Pünktlich zum 1. August 2020 haben der Landesbund für Vogelschutz und der Bund Naturschutz Bayern gegen die umstrittene Streuobstverordnung der Staatsregierung Klage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht, heißt es in der Pressemitteilung.

Schon im März 2020 hatte der Ministerrat trotz vorheriger Gespräche mit BN und LBV Kriterien beschlossen, durch die nur ein Bruchteil der Streuobstbestände für den gesetzlichen Biotopschutz erhalten bleibe, so die Mitteilung.

Messlatte wurde angehoben

Im Kern geht es um die Kriterien, die eine Streuobstwiese zum Biotop machen. Nach der neuen Verordnung vom Frühjahr 2020 muss sich der Kronenansatz nun von drei Vierteln der Obstbäume in wenigstens 1,80 Metern Höhe befinden. Diese neue Mindesthöhe weicht laut Mitteilung aber vom bisher verwendeten Wert von 1,60 Metern und von den Kriterien der landwirtschaftlichen Förder-Programme ab. "Die Streuobstwiesen sind nicht besser geschützt als vor dem Volksbegehren", so BN-Chef Günther laut Mitteilung beim Ortstermin, "im Gegenteil, die Messlatte wurde erheblich angehoben".

Auch der Stammumfang mit mindestens 50 Zentimetern in einem Meter Höhe ist nach Auffassung von BN, LBV und Grünen "viel zu groß". Kein Verständnis haben sie außerdem für die Vorgaben zur Zahl der Bäume und dem Baumabstand, der zum Nachbarbaum nun mindestens zehn Meter betragen muss, schreiben sie in der Pressemitteilung, denn das schließe viele wertvolle Bäume aus.

Das Ergebnis einer Begehung von Streuobstwiesen im Raum Gerolzhofen war laut BN-Akteur Erich Rößner (Sulzheim): kein Bestand erfüllte die neuen Anforderungen. Auf der Gerolzhöfer Streuobstwiese des BN erreicht lediglich ein Baum die neuen Kriterien. "Die neuen Anforderungen schützen bestenfalls Umweltminister Glauber vor Widerspruchsverfahren, aber nicht die Natur in ihrer Vielfalt"," wird MdL Paul Knoblach zitiert.

Mehr Personal gefordert

Thema war auch die Neuregelung zur "Stärkung des Biotopverbundes". Wichtige Elemente dieser Biotopvernetzung seien dabei Straßen-, Weg- und Feldraine, Gräben und Grabenböschungen sowie Wald- und Heckensäume. Deren Pflege lasse aber trotz einiger rühmlichen Ausnahmen "sehr zu wünschen übrig", wird Rößner zitiert, der als Naturschutzwart viel unterwegs ist. Es werde zu oft, zum falschen Zeitpunkt und mit dem falschen Gerät gepflegt, sagt er.

Zur Förderung der Biodiversität und zur Stärkung des Biotopverbundes fordern der BN und die Grünen in der Pressemitteilung deshalb die Einrichtung eines Landschaftspflegeverbandes, die versprochene Aufstockung des Personals bei den Naturschutzbehörden und eine bessere Schulung der Bauhofmitarbeiter.

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