Schweinfurt

Süßkartoffel im Festzelt

Zeug gibt‘s: Kein Herz für Hunde       -  _
Foto: Thomas End) aussehen werden, sollte die Baumschutzverordnung tatsächlich abgeschafft werden.

Wie kommen Süßkartoffeln in Schweinfurt an? Eine spannende Frage, der jetzt nicht die örtlichen Mitglieder des Hotel- und Gaststättenverbandes nachgehen wollen, sondern ab diesem Wochenende der Betreiber des großen Zeltes auf dem Schweinfurter Volksfest. Am Freitag eröffnet, dauert der Süßkartoffel-Contest elf Tage, bis zum übernächsten Montag. Dann sollte feststehen, ob die Schnüdel, aus Traditionsgründen eher ihren Original-Schlachtschüsseln zugetan, aber auch Hendln, Haxen und Bratwürsten, mit der Süßkartoffel etwas anfangen können. Die Chancen, dass sie, sagen wir mal, ein Nischenschmankerl bleiben wird, stehen wahrscheinlich nicht schlecht.

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Das macht aber nichts. Freunde der Kartoffel, die nicht als süß gilt, sondern sozusagen als normal, kommen gewiss auch heuer auf ihre Kosten, denn frittiert in Stäbchengestalt oder gekocht und liebevoll zu Bällen geformt, als sogenannte Klöße, werden sie nach wie vor gereicht, zu einem Braten zum Beispiel. Wer was unbedingt Süßes will, kann die Kartoffel jederzeit links liegen lassen und zu Zuckerwatte oder gebrannten Mandeln greifen. Beides sollte auf einem großen Volksfest wie dem Schweinfurter standardmäßig zu haben sein. Und wer sich sagt: Das bisschen Süßkram, das ich esse, kann ich auch trinken, der mag sich vielleicht sogar an die Festzeltmaß halten. Verfügt diese doch nach Brauereiangaben über ein „rundes Karamellaroma“.

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Sollte die Süßkartoffel als neumodische Volksfestspeise doch nicht die steile Karriere starten, die ihr möglicherweise ein innovationsfreudiger Küchenchef zugedacht hat, möge sich seine Enttäuschung in Grenzen halten. Diese Stadt heißt Schweinfurt und ist stolz auf ihre Schlachtschüssel, bei der nach strengem Ritual in sieben Gängen und unter dem Absingen von Lobgesängen auf die einzelnen Partien des Schweins eben dieses – nach seiner vorherigen Schlachtung – als Kesselfleisch vom Rüssel bis zur Schwanzspitze verzehrt wird. Als Beilagen sind ausnahmslos Schwarzbrot, Sauerkraut, Salz, Pfeffer und Meerrettich erlaubt – und sonst nichts. Auch keine Kartoffel, eine süße schon gar nicht.

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Es könnte also gut sein, dass die Volksfest-Gastronomie auch 110 Jahre nach dem ersten Schweinfurter Volksfest eher mit traditionellen Speisen punkten kann als mit ausgefallenen, die aus Mittelamerika stammen und bisher niemand vermisst hat. Wer sich nach dem Essen und Trinken dann ins gemütliche Riesenrad setzt, will bestimmt nur das Eine: Aus 50 Metern Höhe den Blick über Schweinfurt schweifen lassen und „den Baufortschritt auf den städtischen Konversionsflächen besichtigen“. So jedenfalls stellt sich der Herr Oberbürgermeister Remelé den Hauptgrund für gepflegtes Riesenradfahren vor. Ob die Leute gar noch andere Motive haben, ließe sich ja bei einer Riesenradfahrerbefragung feststellen.

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Volksfest schön und gut. Es ist dieses Jahr aber wie immer ein Freitag, als es eröffnet wird. Ein paar Stunden davor trafen sich also 40 „Fridyas for Future“-Schüler zum traditionellen Klimarettungsappell auf dem Marktplatz. Diesmal zum Liedersingen. Das war sicher gut gemeint, aber wenn das Weltklima zugehört hat, hätte es gute Gründe, freiwillig cool zu bleiben, um sich ein weiteres Sing-in zu ersparen.

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