Schweinfurt

Textkünstler treffen Malkünstler

Eine besondere Matinee präsentierte die Schweinfurter Autorengruppe im Georg-Schäfer-Museum. Im Bild, von links: Brunhild Fischer, Hanns Peter Zwißler, Anna-Paula Steiner, Anika Peter, Peter Hub, Linde Unrein, Günter Hein, Manfred Manger, Joachim Engel und Johanna Bonengel.
Foto: Ursula Lux | Eine besondere Matinee präsentierte die Schweinfurter Autorengruppe im Georg-Schäfer-Museum. Im Bild, von links: Brunhild Fischer, Hanns Peter Zwißler, Anna-Paula Steiner, Anika Peter, Peter Hub, Linde Unrein, Günter ...

Autorenlesungen gibt es immer wieder einmal im Museum Georg Schäfer. Aber dass sich eine Reihe von Textkünstlern von den dort ausgestellten Werken inspirieren lässt und diese Inspiration in einer Matinee präsentiert, das sei schon etwas Besonderes, meinte Karin Rhein von der Museumsleitung.

Nicht nur die Autoren präsentierten zum Teil Ungewöhnliches, auch die Musik war von einer ganz eigenen Art. Brunhild Fischer begleitete und interpretierte das Gehörte musikalisch. Mit Querflöte und Soundeffekten – teils verstörend und schrill, dann wieder melodisch und harmonisch, aber immer überraschend – zog sie die Zuhörer in ihren Bann.

Anika Peter und Peter Hub stellten in dichterischem Dialog die Akteure der Schweinfurter Autorengruppe (SAG) vor. „Wir sind alle so spitze, was wert, lieben Sprache, Feder und Laptop“, erklärten sie. Johanna Bonengel führte professionell und informativ durchs Programm der „Verseschmieder und Pointensetzer“. Die Musen des Museums hätten die Autoren geküsst, kündigte sie an. Und entgegen dem Titel der Veranstaltung „und abends tu ich dichten“ würden die Autoren eher schreiben, und das in den unterschiedlichsten Stilrichtungen.

Der Titel der Matinee stammt aus einem Zitat Carl Spitzwegs. An dessen Bild „Der arme Poet“ rieb sich Hans Peter Zwißler. Gerade im bewegten 19. Jahrhundert gab es wohl eine „Sehnsucht nach Rothenburger Fachwerkromantik“, die Spitzweg bediente, meint Zwißler, aber nicht nur. Mit seinen „aus der Zeit gefallenen Existenzen“ schaffe er auch Karikaturen.

Ganz anders näherte sich Peter Hub diesem Maler des Biedermeier. Lyrisch, dichterisch fordert er, die armen Poeten in ihrer Kunst durch alle Zeiten hindurch zu unterstützen. Denn „auch ein Künstler hat gern einen vollen Magen.“

Günter Hein lässt in seiner Kurzgeschichte ein Kind durchs Museum laufen, es gibt einen angehenden Maler, der sein Werk heimlich aufhängt, und ein Kaninchen – „nur wenig schöner“ als das von Albrecht Dürer.

Die Lyrik, zu der das Bild „Blaue Mondnacht“ die junge Autorin Anika Peter inspiriert hat, bewegte und berührte in ungewöhnlichem Maß. Unglaublich ausdrucksstark las die Lyrikerin ihre Ballade: „Die tanzenden Lichter deiner Augen sind erloschen.“ Im Publikum erlosch derweil jedes Geräusch.

Nach dieser höchst dramatischen Darbietung ging es in einer Achterbahn der Gefühle mit der humoristischen Erzählung Joachim Engels weiter. Er bannt einen „Ministerpräsidenten, der verzweifelt nach ganzen Sätzen ringt“, ins „Bacchantenpaar“ von Lovis Corinth und stellt fest: „Politik ist keine Kunst.“

Ein Loblied aufs Museum „sang“ Linde Unrein. Sie verbindet mit Spitzweg, dass sie sowohl malt als auch dichtet. In ihrer lyrischen Kurzprosa werden außerdem ihre Erfahrungen als Nervenärztin und Psychotherapeutin spürbar. Aus dem Loblied auf museale Strukturen in einer „überkomplex dimensionierten Welt“ wird auch die kleine Liebeserklärung an die Stadt: „Schweinfurt ist möglich, Schweinfurt ist schön.“

Anna-Paula Steiner, das Nesthäkchen der SAG, setzt sich in ihrer Lyrik passend zum Bild „Landschaft mit weißer Mauer“ mit den „Mauern mehrschichtig aufeinander – zwischen uns“ auseinander.

Emil Noldes „Steigende Wolken“ schließlich verleiten Manfred Manger zu einer Textperformance über die „Dämmerung zwischenmenschlich“.

Fazit: Die SAG präsentierte über zwei Stunden Bilder, Texte und Musik, die Zeit verging wie im Flug.

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