Schweinfurt

Thomas Baumgärtel in Schweinfurt: Die Banane steht für Freiheit

Er ist der wohl bekannteste Street-Art-Künstler Deutschlands. Jetzt sind seine Bilder und Objekte wieder in der Kunsthalle zu sehen. Was sie ausmacht.
Thomas Baumgärtel ist ein beredter Erklärer seiner Kunst. Der Street-Art-Künstler stellt aktuell in der Schweinfurter Kunsthalle aus.
Thomas Baumgärtel ist ein beredter Erklärer seiner Kunst. Der Street-Art-Künstler stellt aktuell in der Schweinfurter Kunsthalle aus. Foto: Martina Müller

Thomas Baumgärtel ist seit Oktober 2003 in Schweinfurt präsent. Damals hat er in der Galerie für zeitgenössische Kunst in Franken, in der Alten Reichsvogtei, seine berühmte Banane angebracht. Seitdem ist seine Beziehung zur Stadt nie abgerissen. Zusammen mit Harald Klemm bestritt er 2006/07 eine Ausstellung zur deutschen Einheit. Und auch als 2009 die Kunsthalle im Ernst-Sachs-Bad eröffnete, war er dabei. Seitdem ist die Banane an der Eingangstür ein weithin sichtbares Zeichen. Vor einem Jahr kam er zur Zehnjahresfeier der Halle mit der Kunstbanane nach Schweinfurt.

Baumgärtel ist der wohl bekannteste Street-Art-Künstler in Deutschland. Straßenkunst in eine Halle bringen, das hat er im letzten Jahr in Köln mit großem Erfolg geschafft, eine leerstehende, schmutzige, dunkle, kalte Halle mit 300 Arbeiten bespielt. Das seien optimale Voraussetzungen für eine Street-Art-Ausstellung gewesen, sagt er.

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Ausstellung Baumgärtel

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Jetzt das Zentrum der Kunsthalle, der große weiße Raum. Würde das gehen? Ja, es geht und das sehr gut, wie die von Kunsthallenmitarbeiter Jan Soldin kuratierte Präsentation zeigt. Unter dem Titel "German Urban Pop Art" stellt Baumgärtel in weiteren 27 Städten aus. Vor allem im nächsten Jahr.

Ein durch und durch politischer Künstler

Baumgärtel ist, wie Hausherrin Andrea Brandl bei der Eröffnung betonte, ein durch und durch politischer Künstler. Die hohe fensterlose Wand ist von fröhlicher Farbigkeit geprägt. Sie zeigt Angela Merkel mit "Wir schaffen das". Gegenüber das Durchfahrtsverbotsschild mit einer Corona infizierten Banane. Dort findet man auch eine Fahne mit dem Konterfei des im Mai ermordeten Georg Floyd und der Warnung "Kein Rassismus". An der hohen Wand auch Porträts der Queen mit blauem Auge, Gretas (Freitags schulfrei), des Hongkong-Aktivisten Joshua Wong, des chinesischen Präsidenten XI Imping, der genüsslich in einen Apfel beißt, wo doch, so Baumgärtel "Demokraten Bananen essen".

So ist denn auch Helmut Kohl für ihn nicht die Birne, sondern die Banane, wie sein Bildnis im Pointilismus-Stil zeigt. Er steht nicht nur für deutsche Einheit, sondern hat Deutschland durch seinen Finanzskandal zur Bananenrepublik gemacht. Zur deutschen Einheit gehört auch das Brandenburger Tor, das Baumgärtel bislang vergeblich versucht hat, bananenmäßig zu gestalten. Ein Bild deutet dies bereits an.

Zwischen Kohl und dem Tor das 4,5 auf 3 Meter große Bild des Kölner Doms. Zur 750-Jahrfeier baute Baumgärtel eine riesige Banane vor dem Haupteingang auf, bekam es mit der Polizei zu tun. Dabei ist er überhaupt nicht religionsfeindlich. Sein Thema ist die Freiheit, in der Kunst und in der Kirche.  "Glaub doch, was du willst", lautet sein Credo.

Sprayer aus der Region sind zu einem Wettbewerb eingeladen

Dazu gehört auch das neue Thema "Brücken bauen, statt Mauern errichten". In Schweinfurt ist die Brooklyn Bridge zu sehen. Mit zurückgenommener Farbigkeit arbeitet Baumgärtel auf abgelösten Plakatwänden, auf einem grindigen Grund, hinter dem die vielen überklebten Schichten auf einer Backsteinmauer durchscheinen. Gleich daneben: ein Trump mit Banane im Mund.

Das Zentrum der großen Halle ist dem Künstler gewidmet, der nicht nur Flächen, sondern auch Schilder, Ölfässer oder Kabeltrommeln besprüht. Dort sofort ins Auge fallend steht ein Auto aus Beton, übersät mit Bananen, ein deutlicher Hinweis auf das Verkehrsproblem.

Thomas Baumgärtels Kunst ist durch und durch politisch.
Thomas Baumgärtels Kunst ist durch und durch politisch. Foto: Martina Müller

Für die Kunsthalle ist die Street-Ausstellung auch die Chance, ein jüngeres Publikum anzusprechen. Sprayer aus der Region sind eingeladen, eigene Arbeiten für einen Wettbewerb einzusenden. Die sechs besten Arbeiten werden in der Kunsthalle ausgestellt. Den Sieger, der eine eigene Ausstellung erhält, küren die Besucher.

Bei der Begrüßung des zahlreich erschienen Publikums im offenen Innenraum der Kunsthalle, freute sich OB Sebastian Remelé, dass Begegnung von Menschen wieder möglich sei. Dazu leiste Kultur einen wichtigen Beitrag. Aber er gewann der Pandemie auch eine positive Seite ab: Der erzwungene Verzicht mache vielleicht gerade auf die Vielfalt der Kulturangebote in der Stadt aufmerksam.

Die Ausstellung ist bis zum 8. November zu sehen. Zu Thomas Baumgärtels Schaffen gibt es einen umfangreichen Katalog (55 Euro).  Die Kunsthalle bietet ein umfangreiches Rahmenprogramm.  So am 17. September um 19 Uhr ein Tischgespräch.

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