Bergrheinfeld

Traktor-Kolonne gegen die Stromtrasse

„Die denken wohl: Wo schon ein Häufchen liegt, kann man auch noch ein Zweites daneben setzen.“ Mit dem zweiten Häufchen meint Armin Wahler die geplante Stromtrasse SuedLink, die der Netzbetreiber Tennet vom norddeutschen Wilster bis nach Grafenrheinfeld bauen will. Das erste Häufchen ist für den Vorsitzenden des Bauern-Ortverbands die sowieso schon immense Belastung der Region, unter anderem durch Autobahnen und das Atomkraftwerk. Bei einer Demonstration mit anschließender Protestkundgebung in Bergrheinfeld machten die SuedLink-Gegner ihrem Ärger Luft. Ort und Datum waren nicht zufällig gewählt: Am Dienstag veranstaltete Tennet im Pfarrheim einen seiner „Infomärkte“, bei dem Bürger informiert und Anregungen gesammelt werden sollen.

Auf 39 Traktoren, hupend und ausgestattet mit Plakaten der Bürgerinitiative „A 7 Stromtrasse NEIN“, zogen die Mitglieder von Bauernverband, Flurbereinigungsgesellschaft, Jagdgenossenschaft und ganz normale Bürger einmal quer durch den Ort vom Sport- zum Pfarrheim. Verwunderte Bergrheinfelder kamen auf die Hauptstraße gelaufen, viele feuerten die Demonstranten an. Vor der Tür zur Tennet-Veranstaltung formulierten die Trassengegner dann noch einmal ihre Forderungen.

„Wir wollen, dass die Politik die Notwendigkeit von SuedLink überprüft“, sprach Mitinitator Christian Göb ins Megafon. „Wir stellen diese Gleichstromtrassen generell in Frage.“ Die Demonstranten fänden, dass die Energiewende vor Ort stattfinden müsse. Wahler meinte: „Es kann nicht sein, dass solch ein Frevel an der Natur und am Menschen verübt wird, wenn wir die Trasse am Ende gar nicht brauchen.“ Die SuedLink-Gegner vermuten eine erfolgreiche Lobbyarbeit hinter der aktuellen Bedarfsplanung.

Vergessene Gesundheitsrisiken?

Außerdem finden die Demonstranten, dass eine ernsthafte Überprüfung möglicher Gesundheitsrisiken durch eine 500–Kilovolt-Höchstspannungsleitung bislang nicht stattgefunden habe.

Auch die stellvertretende Landrätin Christine Bender ergriff bei der Kundgebung vor dem Pfarrheim das Wort. Die CSU-Politikerin sagte, dass man erst ein Energie-Gesamtkonzept brauche. Derzeit läuft der so genannte Bayerische Energiedialog, bei dem Wirtschaft, Kommunen, Verbänden und Wissenschaft tragbare Lösungen für die künftige Energieversorgung des Freistaats erarbeiten sollen. Dass Tennet seinen „Infomarkt“ jetzt veranstaltet, nannte Bender „nicht ganz glücklich.“

Drinnen im Pfarrheim hatte Tennet da längst eine Menge Erklärplakate aufgehängt. Von 15 bis 20 Uhr waren auch zahlreiche Mitarbeiter des Netzbetreibers vor Ort. Tennet-Pressesprecher Markus Lieberknecht sagt, man sehe die Veranstaltung eher als Ergänzung zum Energiedialog. Zwischen 200 und 300 Menschen kamen, laut Lieberknecht ein Durchschnittswert. Tennet hat einmal entlang der geplanten Trasse die „Infomärkte“ veranstaltet, diese Woche finden in Unterfranken die letzten statt. Neben Informationen zum Gesamtprojekt SuedLink, über das vielfach berichtet worden ist, stand in Bergrheinfeld die für das Projekt gebrauchte Konverteranlage und auch das neue Umspannwerk in Bergrheinfeld im Fokus.

Beim Umspannwerk, dass südwestlich des bestehenden Werkes entstehen wird, sind alle Genehmigungen erteilt, es laufen bereits die Bodenarbeiten. Sprecher Lieberknecht betont, dass das Umspannwerk nichts mit dem SuedLink-Projekt zu tun habe. „Das brauchen wir für die Netze so oder so.“ Das Umspannwerk sei nötig, um nach der Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld die Netzstabilität aufrechtzuerhalten.

Standortsuche für den Konverter

Der Konverter wird hingegen nur gebraucht, wenn SuedLink auch tatsächlich gebaut und wie geplant 2022 in Betrieb genommen wird. Im Konverter wird der über die Trasse ankommende Gleichstrom in Wechselstrom verwandelt. Tennet hatte in Bergrheinfeld unter anderem Fotos bereits bestehender Anlagen gezeigt – sie sind recht groß. Etwa 230 auf 300 Meter müsste ein geeignetes Gelände groß sein.

Wo der Konverter hinkommen könnte, hängt auch mit der aktuellen Gesetzesformulierung zusammen. Laut Lieberknecht ist derzeit von einer Trasse von Wilster bis zur Gemeinde Grafenrheinfeld die Rede. Danach dürfe Tennet nur auf Grafenrheinfelder Gemarkung bauen. Laut Andrea Thiel vom SuedLink-Projektteam ist im aktuellen Netzentwicklungsplan nun der „Raum Grafenrheinfeld“ genannt. Wird diese Formulierung bei der für 2016 erwarteten Novelle des Netzausbaugesetzes aufgenommen, könnte die Konverteranlage auch im näheren Umkreis, etwa in Bergrheinfeld, entstehen. Aktuell sei der genaue Standort für Tennet noch zweitrangig, so Lieberknecht. Schließlich wisse man nicht einmal genau, wie die Trasse verlaufen soll. „Es ist wirklich noch alles offen.“

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