Schweinfurt

Trennung: Kontakt suchen und die Streitspirale ausbremsen

Spannend und informativ wie eine Talkshow im TV war der Informationsabend zum Thema Trennung, Scheidung, Kinder des Interessenverbands Unterhalt- und Familienrecht.
Soweit sollte es nicht kommen. Eltern wissen besser als jedes Gericht, was für sie und ihre Kinder das Beste ist, waren sich die Referenten des Infoabends einig.
Foto: Andrea Warnecke | Soweit sollte es nicht kommen. Eltern wissen besser als jedes Gericht, was für sie und ihre Kinder das Beste ist, waren sich die Referenten des Infoabends einig.

Nicht klüger, aber so klug zu sein, um nicht auf sein Recht zu pochen, sondern sich in die Situation des anderen zu versetzen, das Verhalten des Gegenspielers zu ergründen und jede Chance zum Gespräch nutzen. Diesen Rat nahmen die elf Gäste des Interessenverbands Unterhalt und Familienrecht (ISUV) aus dem gerade noch vor dem November-Lockdown angesetzten Infoabend "Trennung, Scheidung, Kinder" mit. Nicht immer, aber in der Kernaussage waren sich Josef Linsler (ISUV),  Fachanwältin Sigrid Schäd und Jimmy Weber von der Erziehungsberatungsstelle für Eltern und Jugend einig: Wenn der Streit eskaliere, Anwälte ins Spiel kommen und ein Gericht entscheiden müsse, dann würde es fast immer nur Verlierer geben, insbesondere unter den Kindern.

Eltern müssen Eltern bleiben

In einer kurz gehaltenen Vorstellungsrunde verwies Linsler auf 45 Jahre, in den der Interessenverband die Entwicklung im Unterhalts- und Familienrecht aktiv begleitet habe und nach wie vor allen von einer Trennung Betroffenen mit dem Ziel, dass die Eltern Eltern bleiben, zur Seite stehe. Wichtig sei dafür, dass man miteinander rede und es nicht zum Zerwürfnis komme, denn die Eltern wüssten besser als jeder Anwalt oder Richter, was für sie die beste Lösung sei. 

"Es geht um die Kinder", sagte Jimmy Weber, die sowieso nicht ohne Brüche aus einer Scheidung kämen und von den Folgen nicht nur aktuell, sondern auf Dauer belastet würden. Den Schaden für die Kinder zu minimieren, nannte Weber als Aufgabe aller Beteiligten und jeder Beratung. Altersgerecht sollten Eltern die Kinder informieren, was nicht einfach sei, denn Mutter, Vater wie auch Großeltern und Bekannte hätten bei einer Trennung den Kopf voll. Den Kindern das Gefühl von Sicherheit zu geben, falle in dieser Situation schwer. 

Am Anfang will keiner Krieg

Aber was tue man, wenn der ehemalige Partner blockiere und die Kinder manipuliere, wenn einem seit zehn Jahren keine Beratung, kein Anwalt und kein Gericht helfen könne? Je weiter sich die Streitspirale gedreht habe, umso schwieriger werde es, eine Lösung zu finden, meinte Sigrid Schäd. In der Praxis hat die Rechtsanwältin erfahren, dass am Anfang fast alle Paare den "Krieg" nicht wollten. Hier sei der Ansatzpunkt für den richtigen Weg, auf dem Vorwürfe ausgebremst würden und jeder sehen müsse, was der andere gut mache. Geduld und Zeit investieren, ein Gespräch einfach einmal laufen und den Gesprächsfaden nicht reißen lassen, empfahl die Anwältin. 

Dass Unterhaltszahlungen als Druckmittel durchaus Wirkung zeigen könnten, meinte Linsler, der den Gesetzgeber aufforderte, Unterhalt und Umgang nicht zu trennen, sondern zu verbinden. Davor warnte Sigrid Schäd, denn die Leidtragenden seien vielfach die Kinder, insbesondere wenn deren Wille dabei auf der Strecke bleibe. Linsler konterte mit der Anmerkung, das der Entzug eines Elternteil auch zum Schaden des Kindes sei.  

Durchhalten zahlt sich aus

Dies sah so auch ein Vater, denn die Kinder würden nicht wirklich entscheiden und stünden im Streitfall unter dem Machteinfluss eines Elternteils. Auch im Fall der Großeltern, die das zweijährige Enkelkind nicht sehen dürften, wurde geraten, immer wieder den Kontakt zu suchen und darauf hinzuweisen, dass Kinder in einem großen Netz der Kontakte Stabilität finden. Sigrid Schäd gab auch hier zu bedenken, dass ein Dauerkonflikt das Kind stresse und nicht das Kindeswohl fördere.

Im Falle einer Mutter, völlig unzugänglich und aggressiv, der bereits für ein Kind das Sorgerecht abgesprochen wurde, sollen Oma und Opa auf das Jugendamt vertrauen. Weil eine Mutter dem 18-jährigen Sohn, der sie nicht sehen wolle, immer wieder den Kontakt anbiete, mache diese alles richtig, hieß es. Mehr könne sie nicht tun. Die Erfahrung zeige, dass sich in vergleichbaren Fällen das Durchhalten ausgezahlt habe.

Jeder der Gäste konnte an diesem Abend seinen Fall vortragen und bekam Antworten, die zumeist Wege außerhalb der Gerichte favorisierten.  Nach interessanten zwei Stunden endete die Trennungs- und Lebensberatung im Saal von St. Kilian. 

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