Gerolzhofen

Trostlos: Landwirte kämpfen gegen die Trockenheit

Trockenheit: Wochen ohne nennenswerten Niederschlag haben ihre Spuren hinterlassen. Und die Dürre wirkt selbst ins kommende Jahr hinein: Vielerorts steht der Raps schlecht wie nie zuvor.
Wie trocken es ist, zeigt diese Aufnahme in der Flur zwischen Rügshofen und Dingolshausen. Offensichtlich sät dieser Landwirt, er kann deshalb nicht besonders schnell fahren. Trotzdem zieht der Traktor eine lange rötliche Staubwolke nach sich.
Foto: Waldemar Wiederer | Wie trocken es ist, zeigt diese Aufnahme in der Flur zwischen Rügshofen und Dingolshausen. Offensichtlich sät dieser Landwirt, er kann deshalb nicht besonders schnell fahren.

Zwischen lauter ausgedörrten Bodenkrümeln hat sich ein kleines Pflänzchen durchgekämpft. Gesund schaut es aus, mit seinen zwei sattgrünen Blättchen. Noch. Wie lange es durchhält, mag Landwirt Alexander Krauser nicht mutmaßen. Tausende dieser kleinen Rapspflänzchen sind auf dem Feld zu entdecken. Und dazwischen immer wieder einmal ein paar Pflanzen, wie sie eigentlich jetzt schon sein sollten: knöchelhoch, mit sechs, acht und mehr Blättern.

Wie Krausers Feld präsentieren sich in diesem Herbst viele Rapsfelder. Dass es einmal in den frisch bestellten Feldern kahle Stellen gab, das kam schon immer wieder einmal vor, aber in einem solchen Ausmaß „hab' ich es noch nicht erlebt“, sagen es wie Alexander Krauser viele Landwirte. Was fehlt, ist Regen. Und zwar richtiger Regen.

Regen in ausreichender Menge hat die Saat eigentlich nur einmal abbekommen, etwa Mitte September. Rund 16 Millimeter fielen da auf dem Quadratmeter. Dieser Niederschlag hat zumindest dafür gesorgt, dass jetzt auf den Feldern die kleinen Pflänzchen zu sehen sind. Davor hatte der Rapssamen allerdings schon rund vier Wochen in der knochentrockenen Erde gelegen. Und auch jetzt sind immer noch Samenkörner im Boden zu finden, die aussehen, als wären sie gerade erst abgelegt worden. Dabei ist das schon beinahe acht Wochen her.

„Wer heuer den Pflug benutzt hatte, hatte sowieso verloren.“
Alexander Krauser, Landwirt

Vom 18. August an hat er Raps für die Ernte 2017 gesät. „Und eigentlich nichts falsch gemacht“, so Krauser. Denn er hat vor der Saat auf den Pflug verzichtet, die Flächen wurden lediglich gelockert, und dann wurde gesät. „Wer heuer den Pflug benutzt hatte, hatte sowieso verloren“, so Krauser, denn durch das Wenden wurde dem Boden nicht nur die wenige Feuchtigkeit entzogen. Wenn dann doch Pflanzen aufgegangen waren, hatten sie durch den trockenen und krümeligen Boden keine Chance, an feuchtere Schichten im Untergrund zu kommen.

Das schafften auch auf den nicht gepflügten Flächen nur wenige Pflanzen. Und daher rührt auch das Erscheinungsbild vieler Rapsflächen in diesem Jahr: Dort, wo die Pflanzen irgendwie an Wasser gekommen waren, sind sie einigermaßen normal entwickelt, wo sie kein Wasser fanden, schaut es im besten Fall so aus, dass die kleinen Pflänzchen sich aus dem Boden quälten und gerade noch so überleben.

„Sechs Wochen Trockenheit bekommen wir inzwischen jedes Jahr ab. Es ist nur die Frage, wann das ist.“ Der Einschätzung eines Berufskollegen schließt sich Alexander Krauser an. Und auch diesmal kam die Trockenperiode zur Unzeit, wenn auch nicht wie in vergangenen Jahren zur Hauptvegetationszeit.

Hatte eine Regenperiode die Landwirte noch während der Getreideernte geärgert und für Qualitätseinbußen gesorgt, kam ab August Wasser nur noch spärlich vom Himmel: Gerade einmal gut 50 Liter pro Quadratmeter fielen im August und im September zusammen.

Und auch der Oktober brachte bislang erst einmal gerade sieben Liter auf dem Quadratmeter, berichtet Krauser, der über Niederschlagsmengen auch Buch führt.

Ähnliche Ergebnisse hat auch der frühere Pflanzenbaufachberater Helmut Grell zusammengetragen: 26 Liter im August, 37 Liter im September. „Es ist knochentrocken“, Wachstum findet derzeit quasi nicht mehr statt. Und außerdem: Die Trockenheit hat dafür gesorgt, dass auch die Bodenbearbeitung zum Erliegen gekommen ist. Die Maisfelder können nicht gepflügt werden, „nicht einmal das Grubbern geht noch“.

Die Bodenverhältnisse kommen nicht von ungefähr, wie auch der Blick auf die Daten der Agrarmeteorologischen Messstation der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Köslau (Lkr. Haßberge) zeigte: Sowohl im August wie auch im September kam gerade die Hälfte des Niederschlags des langjährigen Durchschnitts vom Himmel. Und erschwerend: Mit 17,4 Grad lag die Durchschnittstemperatur im September vier Grad über dem langjährigen Mittelwert.

Und zudem hatte der Monat beinahe ähnlich viele Sommertage (über 25 Grad) und heiße Tage (über 30 Grad) wie der August. Trockenheit im Herbst hat es schon immer gegeben, aber dass es so extrem ist, daran kann sich auch Heinz-Dieter Hofmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt nicht erinnern. Ein trostloses Bild bietet vielerorts die Feldflur: Nur noch die Rübenfelder unterbrechen das dominierende Braun, wo eigentlich die neue Saat im Herbst schon für frisches Grün sorgen sollte.

Stellenweise sind Felder zu sehen, auf denen der Raps „so schlecht wie nie zuvor“ steht. Die Trockenheit hat dafür gesorgt, dass auf den Feldern drei unterschiedliche Gruppen von Raps zu finden sind: zum einen schöne Rapsflächen, die Pflanzen hatten Wasser abbekommen und wachsen. Dann Felder, auf denen das Ergebnis einheitlich schlecht ist. Hier fiel die Entscheidung bei den Landwirten leicht: Die Rapssaat wurde umgebrochen, eine andere Frucht angesät. Und dann noch Flächen wie etwa die von Alexander Krauser: Äcker, auf denen wenig gut entwickelte Pflanzen stehen, aber die kleinen Pflänzchen gerade noch zu sehen sind und ums Überleben kämpfen.

Was tun? Diese Frage stellen sich viele Landwirte, auf deren Feldern es ähnlich aussieht wie auf dem Feld von Alexander Krauser. Der will erst einmal abwarten, ob nicht doch ausreichend Regen kommt, und hofft dann auch auf einen milden Winter.

Ähnlich die Einschätzung von Heinz-Dieter Hofmann. Bei 20 Pflanzen pro Quadratmeter würde er das Feld nicht umbrechen, sondern abwarten, „was ausgangs des Winters noch dasteht“. Gesät werden etwa 40 bis 60 Körner je Quadratmeter, die dann ähnlich viele Pflanzen ergeben. Und selbst, wenn nur ein gutes Dutzend Pflanzen den Winter gut überstanden hat, kann es günstiger sein, als jetzt auf eine andere Frucht umzusteigen. Denn der Raps hat zum einen ein „unbändiges Expansionsvermögen“, durch Verzweigungen und Verästelungen kann das Fehlen von Pflanzen im Frühjahr ein Stück weit ausgeglichen werden.

Zum anderen: Die Landwirte haben schon rund 300 Euro und mehr pro Hektar in den Raps investiert, für die Maschinenkosten bei der Bodenbearbeitung, für Samen und Pflanzenschutz. Wird umgebrochen, fallen wieder Kosten für Saatgut und die Bodenbearbeitung an. Zumal erst noch gepflügt werden müsste, wenn bereits Pflanzenschutzmittel im Raps gespritzt wurden, denn die neuen Früchte würden unter diesen Mitteln leiden.

Und dann bleibt das „Restrisiko“, ob denn die neue Aussaat überhaupt gut aufgeht. Und einen weiteren Fallstrick gibt es: Vorgaben der EU.

„Sechs Wochen Trockenheit bekommen wir inzwischen jedes Jahr ab. Ist nur die Frage, wann?“
Alexander Krauser, Landwirt

Die sogenannten Direktzahlungen sind an eine ganze Reihe von Auflagen gebunden, darunter, dass bei Betrieben, die mehr als zehn Hektar Ackerfläche bewirtschaften, die Hauptfrucht nicht mehr als 75 Prozent der Ackerfläche betragen darf. Daran sollten die Landwirte denken, so Hofmann, wenn etwa jetzt umgebrochen und Winterweizen angesät wird, aber vielleicht jetzt schon ein großer Anteil dieser Frucht eingeplant war.

Hofmanns Einschätzung der Situation: Es kommt auf die nächsten fünf bis sechs Wochen an, wie sich der Raps entwickelt. Aber vor allem braucht es dabei eines: richtigen Regen. Die Prognosen sind momentan eher schlecht. Es ist zwar Regen angekündigt, aber der soll maximal vier Liter pro Tag bringen.

Spuren der Trockenheit: Vielerorts in der Region steht der Raps nur sehr lückenhaft auf den Feldern. Die kleinen Pflänzchen haben's schwer.
Foto: Alois Wohlfahrt | Spuren der Trockenheit: Vielerorts in der Region steht der Raps nur sehr lückenhaft auf den Feldern. Die kleinen Pflänzchen haben's schwer.
Landwirt Alexander Krauser untersucht, was auf dem Feld aufgegangen ist.
Foto: Alois Wohlfahrt | Landwirt Alexander Krauser untersucht, was auf dem Feld aufgegangen ist.
Auch das noch: Erdflöhe haben in diesem Jahr auf etlichen Äckern den Rapspflanzen zugesetzt und Löcher in die Blätter gefressen.
Foto: Alois Wohlfahrt | Auch das noch: Erdflöhe haben in diesem Jahr auf etlichen Äckern den Rapspflanzen zugesetzt und Löcher in die Blätter gefressen.
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