Gerolzhofen

Verhüllung: Was Christo mit Fronleichnam zu tun hat

Den Tod des Künstlers Christo nahm Pfarrer Stefan Mai zum Anlass, auf die Bedeutung des Verhüllens einzugehen. In jeder Messe gehe es um das Geheimnis der Verhüllung
Verhüllt in Brot- und Weingestalten: Pfarrer Stefan Mai erhob beim festlichen Fronleichnamsgottesdienst im Steigerwalddom eine extra große Schauhostie, um zu zeigen, dass im Zentrum jeder Eucharistiefeier das Geheimnis der Verhüllung steht.
Verhüllt in Brot- und Weingestalten: Pfarrer Stefan Mai erhob beim festlichen Fronleichnamsgottesdienst im Steigerwalddom eine extra große Schauhostie, um zu zeigen, dass im Zentrum jeder Eucharistiefeier das Geheimnis der Verhüllung steht. Foto: Matthias Kleinhenz

Vor kurzem verstarb der international renommierte Künstler Christo Wladimirow Jawaschew, kurz "Christo" genannt, mit 84 Jahren. Er ist bekannt geworden durch seine spektakulären Verhüllungsinstallationen, unter anderem im Jahr 1995 am Reichstagsgebäude in Berlin. Pfarrer Stefan Mai nahm dies im Festgottesdienst an Fronleichnam zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass die Verhüllungs- und Enthüllungskunst aus dem Bereich des Religiösen kommt. 

Doch warum wird etwas verhüllt? "Dadurch soll der Mensch das, was er zuvor bloß gewöhnlich sah und dies für selbstverständlich nahm, mit neuen Augen wahrnehmen", sagte Pfarrer Mai im Steigerwalddom. Er soll nachdenklich werden, mit Spannung und einer gewissen Sehnsucht auf die Enthüllung warten und einen tieferen Blick für deren Bedeutung bekommen. "Das Spiel von Verhüllen und Enthüllen hat seinen Reiz, macht neugierig und baut Spannung auf. Davon lebt bei uns auch die ganze Verpackungsindustrie und Dessousbranche."

Alles nur Folkore?

Während im weltlichen Bereich das Verhüllen und Enthüllen neue Aktualität gewinne, werde immer mehr vergessen, dass diese Verhüllungs- und Enthüllungskunst aus dem Bereich des Religiösen komme. Verhüllen und Enthüllen sei auch eine uralte kirchliche Tradition. Aber sei dies nur Folklore, zelebrierte Ästhetik oder stecke mehr dahinter? "In der Fastenzeit werden Bilder und das Kreuz verhüllt. Dadurch sollen Sehgewohnheiten durchbrochen werden." Mit der Kreuzenthüllung am Karfreitag solle ein neuer Blick auf die Bedeutung des Kreuzes gelenkt werden - ein Kreuz, das man sonst in Wohnungen, an Wegrändern oder auf Gräbern routinemäßig sehe, ohne viel dabei zu denken.

Auch im Zentrum jeder Eucharistiefeier stehe das Geheimnis der Verhüllung. "Verhüllt ist die Gestalt Christi präsent in Brot und Wein", so der Priester. Diese Verhüllung sei ein Anreiz, hinter dem Stückchen Brot, das sonst an Fronleichnam in der Monstranz durch die Stadt getragen wird, mehr zu sehen, "mich von diesem Geheimnis in den Bann ziehen zu lassen. Sehnsucht danach zu haben, was dahinter steckt, in Kommunion zu treten mit der Person Jesu. Sehnsucht danach, dass mich dieses geheimnisvolle Brot stärkt und mir die Lebenshaltung Jesu in Fleisch und Blut übergeht und in meiner Lebenshaltung auch zum Ausdruck kommt."

Alle Sitzplätze belegt

Der festliche Gottesdienst fand statt auf dem Marktplatz diesmal nur in der Stadtpfarrkirche statt, nachdem im Bistum Würzburg alle Prozessionen wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden waren. In der Kirche galten wieder die strengen Sicherheitsmaßnahmen, insbesondere die Abstandsregeln auf den Sitzbänken. Alle gekennzeichneten Sitzplätze waren belegt.

Am Ende des Gottesdienstes spendete Pfarrer Mai mit dem Allerheiligsten den Segen, ehe die Messe mit dem feierlichen Te Deum ausklang.

Alle Predigten, Meditationen und weitere Reden von Pfarrer Stefan Mai sind im Internet nachlesbar unter: www.pg-st-franziskus.de/aktuelles/predigten-und-ansprachen

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