Frankenwinheim

Vertrieben und ermordet

In dem früher auch durch Juden geprägten Dorf erinnern nun schon 23 Stolpersteine an vertriebene und ermordete Mitbürger. Im August sollen fünf weitere verlegt werden.
Stolpersteine im Asphalt: In Frankenwinheim wurden zum dritten Mal diese Erinnerungen an frühere jüdische Mitbürger verlegt, die vertrieben oder ermordet wurden.
Foto: Stefan Polster | Stolpersteine im Asphalt: In Frankenwinheim wurden zum dritten Mal diese Erinnerungen an frühere jüdische Mitbürger verlegt, die vertrieben oder ermordet wurden.

Bürgermeister Herbert Fröhlich konnte zur dritten Stolpersteinverlegung in Frankenwinheim viele Dorfbewohner, Gäste, Politiker aus der näheren Umgebung und den Aktionskünstler Gunter Demnig begrüßen.

Möglich wurde die Stolpersteinverlegung für die Familie Niedermann und Hirsch durch die Spende der Stolpersteinpaten und durch die Bereitschaft der heutigen Hausbesitzer, der Familien Kaim und Kunzmann.

In Frankenwinheim liegen nun an fünf Stellen insgesamt 23 Stolpersteine, die an ehemalige Dorfbewohner erinnern. Neben den Stolpersteinen haben die Gemeinde sowie Privatpersonen Gedenktafeln und Stelen errichtet, um Zeichen zu setzen und um an die auch jüdisch geprägte Vergangenheit des Ortes zu erinnern.

Durch das Verlegen der Stolpersteine wird der Lebenslauf der einzelnen Personen nochmals aktiv ins allgemeine Gedächtnis gebracht.

Die Familie Niedermann betrieb in Frankenwinheim eine jüdische Metzgerei und vertrieb das Fleisch auch in der näheren Umgebung. Bereits 1937 flüchteten sie über Frankreich in die USA. Die Familie konnte ihr Anwesen noch rechtzeitig verkaufen und dabei einen fairen Preis erzielen, wie Dokumente belegen. Spätestens ab 1939 wurden Deutsche jüdischen Glaubens gezwungen, ihren Besitz weit unter Wert zu veräußern.

In diesem Fall musste der Käufer nach dem Krieg das Anwesen nicht ein zweites Mal ablösen, da die Familie Niedermann den ordnungsgemäßen Verkauf nachträglich nochmals bestätigte. Jedoch hatte sie ihr bewegliches Hab und Gut weitgehend zurücklassen müssen. Der Neuanfang in einem neuen Land mit neuer Sprache fiel schwer, besonders wegen des Verlusts von Angehörigen und Freunden.

Bei der Familie Hirsch konnte die Tochter Liesel Hirsch ebenfalls 1937 in die USA auswandern, jedoch blieben die Eltern Hilda und Isaak Hirsch in Frankenwinheim zurück. Hilda Hirsch verstarb 1940 in Würzburg, Isaak Hirsch wurde Ende 1942 nach Theresienstadt deportiert und wurde dort ein halbes Jahr später ermordet. In einem Brief aus dem Jahr 1946 an den ehemaligen Nachbarn in Frankenwinheim schildert Liesel Hirsch den schwierigen Neubeginn in den USA und den schmerzlichen Verlust der Eltern wie auch weiterer Verwandter.

Die Vita der beiden Familien Niedermann und Hirsch stellte Linda Meier vor. Für die passende besinnliche Musikbegleitung sorgten Kristin und Linda Maier mit Querflöte und Gitarre.

Am 1. August werden fünf weitere Stolpersteine für die Familien Guggenheim und Kissinger verlegt. Hierzu werden die Familien von Armin und Helmut Guggenheim aus den USA mit Familien erwartet. Die Verlegung beginnt um 10 Uhr in der Schallfelder Straße 11, gegenüber der Mariensäule.

Für Patenschaften für Stolpersteine in Frankenwinheim wurde ein Konto bei der Raiffeisenbank Frankenwinheim eingerichtet: Iban: DE44 7936 4069 0200 0220 39, Bic: ENODEF1FWH.

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