Schweinfurt

Videochat mit Partnerschule in Bolivien

Digitales Lernen ist in der beruflichen Medienkompetenzschule Alfons Goppel in Schweinfurt nichts Neues. Auch im Centro Educativo Richard von Weizsäcker, der vom Schweinfurter Frank Weber gegründeten Schule in Cochabamba/Bolivien, gibt es eine hervorragende IT-Ausstattung, damit die Schüler den Umgang mit moderner Technik einüben können. So ist es in Zeiten von weltweiten Corona-Einschränkungen ganz einfach möglich, dass sich der Schweinfurter Schulleiter Joachim Sagstetter und eine Projektgruppe seiner Schule mit Frank Weber in Cochabamba und dem Direktor seiner Schule, Wilfredo Sardinas, über Videochat unterhalten, schreibt die Schweinfurter Schule in einer Pressemitteilung. Die Technik auf Schweinfurter Seite bediente Fachoberlehrerin Sabine Otter, die Leiterin der vielfach preisgekrönten Schulfilmgruppe, die immer wieder in der Partnerschule mitarbeitet.

Gemeinsamkeiten werden ausgetauscht: Mitte März wurde in beiden Schulen der Präsenzunterricht coronabedingt eingestellt. Unterricht zu Hause startete. Dies funktionierte auf beiden Seiten gut. In Bolivien wurde schon Ende letzten Jahres während einer Regierungskrise zeitweise auf Onlineunterricht umgestellt. Es gibt jedoch auch Hürden: Beide Schulleiter erzählen auch von Schülern, denen geeignete Endgeräte für den Unterricht fehlen. Vieles wurde auf Smartphones erledigt. In Deutschland wird der Staat nun Leihgeräte zur Verfügung stellen. In manchen Orten um Schweinfurt herum gibt es allerdings keinen Internetempfang. Das scheint in Cochabamba besser zu sein. Im Unterricht via Videokonferenz sind die Jugendlichen verpflichtet, ihre Kamera einzuschalten.

Die Coronazahlen in Bolivien waren lange niedrig, doch jetzt sei das Land ein Hotspot und gehöre laut den Zahlen der Johns-Hopkins-Universität zu den zehn am meisten betroffenen Ländern der Welt, gemessen am Verhältnis zwischen Bevölkerung, Fallzahlen und Todesrate, sagt Frank Weber. Ende August wird der Höchststand erwartet. „Menschen stehen in Warteschlagen vor Krankenstationen und sterben einfach“, schildert er die dramatische Lage. Während in Bayern seit einiger Zeit wieder Präsenzunterricht stattfindet, sind die Schulen in Bolivien noch bis September geschlossen. Das Schuljahr wurde verlängert und die Ferien wurden gestrichen. Das macht die Schweinfurter Gesprächspartner sehr betroffen. Weiter hören sie von strengsten Ausgangssperren im Andenstaat. Nur einmal in der Woche durfte man sein Haus verlassen. Kindern unter zwölf Jahren und Erwachsenen über 65 Jahren ist es seit dem 12. März untersagt, nach draußen zu gehen. „Wir machen uns Sorgen um unsere Schüler“, sagt Frank Weber.

Kindern aus ärmeren Familien will der Schweinfurter mit seiner Schule eine Bildungschance geben. Dies beeindruckt die Schweinfurter Schüler und daher unterstützen sie seit 20 Jahren ihre Partnerschule mit Spendengeldern aus ihrem Apfelprojekt. Im Winterhalbjahr werden Pausenäpfel verkauft. Dieses Jahr fiel der Spendenbetrag besonders hoch aus: 1410 Euro konnten nun virtuell überreicht werden. Sabine Otter filmte mit, als Fachoberlehrerin Katrin Schreiner einen „Apfelscheck“ scheinbar ins Videotablet schob und Frank Weber ihn in Bolivien offensichtlich wieder herauszog. Gut sah das aus, denn Frank Weber benutzte das ausgedruckte und vorher per E-Mail übermittelte Exemplar.

Das Geld sei besonders jetzt sehr wichtig für seine Schule, betonte er. Denn seine geplanten Bühnenveranstaltungen für 2020 in Deutschland und Bolivien wurden wegen der Coronaeinschränkungen gestrichen. 35 Jahre ist Frank Weber nun in Bolivien tätig, dies sei das erste Jahr ohne eigene Einkünfte, bedauerte er. Eine klare Information über diese prekäre Lage erging auch an die Eltern der bolivianischen Schule. Diese verwirklichten die Solidarität, die in der Bildungseinrichtung eine hohe Maxime ist. So kam auch in Cochabamba ein ansehnlicher Betrag zusammen, der die Schule stützt.

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