Stammheim

Viel Lob für die bunten Stammheimer

Eröffnung: Bis zum 1. November ist im Rathaus in Stammheim die Ausstellung „Rechtsradikalismus in Bayern  – Demokratie stärken, Rechtsradikalismus bekämpfen“ zu sehen. Auf dem Bild von links: Horst Herbert, Burkard Krapf, Birgit Mair, Florian Töpper und Otto Hünnerkopf.
Foto: D. Dorsch | Eröffnung: Bis zum 1. November ist im Rathaus in Stammheim die Ausstellung „Rechtsradikalismus in Bayern – Demokratie stärken, Rechtsradikalismus bekämpfen“ zu sehen.

„Ein großes Kompliment an alle, die immer wieder aufs Neue deutlich machen: Wir wollen keine Rechtsradikale hier bei uns!“ Das betonte Kolitzheims Bürgermeister Horst Herbert zum Auftakt der Ausstellung „Rechtsradikalismus in Bayern - Demokratie stärken, Rechtsradikalismus bekämpfen“. Sie ist im Stammheimer Rathaus aufgebaut und bis Anfang November zu sehen.

Zur Eröffnungsveranstaltung kamen zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft sowie weitere interessierte Bürger auf Einladung des Aktionsbündnisses „Stammheim ist bunt“. Die Welt in Stammheim sei seit einem halben Jahr – Anmietung eines Gasthofes im Ortszentrum durch die Partei „Die Rechte“ zur Nutzung als Landesparteizentrale; wir berichteten – eine andere geworden, blickte Bürgermeister Herbert zurück. Jedoch sei er stolz auf Stammheim und froh über den großen Erfolg der vielen Aktionen, die von Anfang an sich auf demokratischer Basis gegen das rechtsradikale und neonazistische Gedankengut richteten, lobte Herbert.




 

Seinen Stolz brachte Landrat Florian Töpper auch im Namen des Kreistages zum Ausdruck. Insbesondere hatte er Lob für die „Beständigkeit an Engagement“ parat. Bemerkenswert sei vor allem, dass es für die Gründung von „Stammheim ist bunt“ und die damit verbundenen Aktivitäten keinerlei Impulse von außen bedurft hätte, weshalb er die Strategie im entschlossenen Vorgehen gegen den rechten Extremismus treffend als „Stammheimer Weg“ bezeichnete. Es sei den Rechten nicht gelungen, Fuß zu fassen. Jedoch müsse man weiter wachsam bleiben, so der Landrat.

Deutlich Stellung bezog Töpper auch nochmals bezüglich des Angebots, die als Landesparteizentrale vorgesehenen Immobilie als „Asylanten-Wohnheim für mohammedanische Flüchtlinge“ zu nutzen (wir berichteten). Es liege eine Bauvoranfrage diesbezüglich von der Vermieterin des ehemaligen Gasthofs vor, so der Landrat.

Dabei bestünden keine Zweifel über die ausgesprochen enge Beziehung zwischen dieser Frau und Karl-Heinz Hofmann (Mitbegründer der nach ihm benannten und 1980 durch den damaligen Bundesinnenminister als verfassungsfeindlich verbotenen rechtsextremen Wehrsportgruppe). „Für Verträge braucht es immer auch ein Grundmaß an Vertrauen“, so Töpper, der sich nach eigenen Worten nicht dazu in der Lage fühlt mit einer solchen Person einen Mietvertrag über die Unterbringung von Asylbewerbern zu schließen. Dafür bat er um Verständnis und hoffte, auch diese Herausforderung gemeinsam mit den Stammheimern zu meistern.

Die Aktivitäten der Mitglieder der Partei „Die Rechte“ hätten nachgelassen, stellte Burkard Krapf, Koordinator von „Stammheim ist bunt“ fest. Deshalb könne man nun endlich auch selbst agieren und nicht mehr nur reagieren. Ergebnis dessen sei die Ausstellung. Sie soll aufklären und weitere Hintergründe zum Thema Rechtsextremismus liefern, erklärte Krapf.

Eine Einführung zur Ausstellung gab den Anwesenden die Sozialwissenschaftlerin und Dozentin Birgit Mair aus Nürnberg. Sie ging in ihrem Vortrag vor allem mit zahlreichen Beispielen aus verschiedenen bayerischen Kommunen auf probate Gegenstrategien gegen Neonazis ein.

Für die passende musikalische Umrahmung während der Eröffnungsveranstaltung sorgten Christiane Gumann und Gerd Semle.

16 Plakate

Die Ausstellung, erstellt von der Friedrich-Ebert-Stiftung, umfasst 16 Plakate und wurde 2013 aktualisiert. Die Schautafeln sollen informieren und aufklären, aber auch zum demokratischen Engagement und zur Auseinandersetzung mit dem Thema „Rechtsextremismus“ vor Ort motivieren. Die Ausstellung zeigt Strukturen, Strategien und Wertevorstellungen des Rechtsradikalismus in Bayern. Schwerpunkt der Ausstellung ist die Jugendszene und die Beschäftigung mit der Jugendkultur, insbesondere Symbole, Codes, Mode und Jugendpropaganda. Dargestellt werden weiterhin Bereiche der intellektuellen Szene, der Internet- und Frauenszene und die regionale Vernetzung rechter Strukturen. Jedoch wird auch aufgezeigt, was man gegen Rechtsextremismus tun kann, zum Beispiel wie der Staat aber auch jeder Einzelne den rechtsradikalen Jugendlichen helfen kann.

Mit der Ausstellung solle die Bevölkerung in Stammheim und der Region informiert und ein Anreiz geboten werden, sich mit dem Thema auch im eigenen Umfeld auseinanderzusetzen, heißt es von den Verantwortlichen des Bündnisses „Stammheim ist bunt“. Zum Abschluss der Eröffnungsveranstaltung erklärte Burkard Krapf, dass dies sicher nicht die letzte Aktion zu diesem Thema sei.

Die Ausstellung ist vom 18. Oktober bis 1. November im Rathaus in Stammheim täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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