Gerolzhofen

Vikar Söder: Schwarze Seele und bunte Socken

Nach fünf Jahren als Vikar in der Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus feierte Kai Söder am Samstagabend seinen vorerst letzten Gottesdienst in Gerolzhofen.
Am Samstagabend feierte Pfarrvikar Kai Söder (links) seinen Abschiedsgottesdienst in der Stadtpfarrkirche. Konzelebrant war Pfarrer Stefan Mai.
Foto: Klaus Vogt | Am Samstagabend feierte Pfarrvikar Kai Söder (links) seinen Abschiedsgottesdienst in der Stadtpfarrkirche. Konzelebrant war Pfarrer Stefan Mai.

Am Samstagabend am Erntedankfest feierte Pfarrvikar Kai Söder seine vorerst letzte Eucharistiefeier im Steigerwalddom zu Gerolzhofen. Söder verlässt nach fünf Jahren die Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus am Steigerwald und wechselt als Pfarrer nach Hesselbach/Üchtelhausen. Am Ende des Gottesdienstes bedankte sich Pfarrer Stefan Mai unter dem Applaus der Gottesdienstbesucher für den Dienst von Kai Söder in der Pfarreiengemeinschaft.

Während draußen der kalte Regen niederprasselte, fand die Messe in der Stadtpfarrkirche statt. Ursprünglich sei ein fröhliches Gartenfest mit Messe am Pfarrer-Hersam-Haus geplant gewesen, sagte Söder. "Doch das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht." Dies sei zugleich aber auch ein Sinnbild für das ganze Jahr, wo die Pandemie schon "ganz viele Striche durch ganz viele Rechnungen gemacht hat". Andererseits sei der Regen gerade am Erntedankfest dringend nötig für die Natur.

Erntedank trotz Ernteausfall?

Jeder sollte sich, so Söder, an Erntedank die Frage stellen, für was man im zurückliegenden Jahr dankbar sein könne. Könne der Winzer aber unbeschwert Erntedank feiern, wenn er durch den späten Frost 90 Prozent seiner Ernte verloren habe? Könne man noch dankbar sein, wenn das alte Sprichwort "Du erntest, was Du säst" diesmal Lügen gestraft wurde? Könne man in diesem seltsamen Jahr als Pfarrgemeinde dankbar sein, wenn die Pandemie das Leben auf den Kopf gestellt hat?  

Trotz allem könne man als Christ dankbar sein - für die Schöpfung der Welt, wo der Wille Gottes sich dahinter verstecke, betonte Söder. Auch wenn er sich jetzt anhöre wie "eine alte Schellack-Platte mit Sprung": "Wir können Danke sagen, weil alles in Gottes Hand geborgen ist." Er persönlich möchte auch Danke sagen für die fünf Jahre in der Pfarreiengemeinschaft und für all die guten Wünsche, die er für seine neue Aufgabe in der "Schweinfurter  Rhön" bereits erhalten habe.

Ein Schwarzer geht, ein Schwarzer kommt

Pfarrer Stefan Mai verabschiedete mit einem launigen Grußwort seinen Pfarrvikar. Söder habe erst neulich mit seinem trockenen und flapsigen Humor gemeint: Ein Schwarzer geht, ein Schwarzer kommt. "Er wollte damit aber keine Parteizugehörigkeit offenbaren, sondern meinte damit, Kai Söder geht, Titus kommt", erklärte Pfarrer Mai. "Ein in seiner Katholikenseele tief schwarz geprägter Kai Söder verlässt unsere Pfarreiengemeinschaft und für ihn kommt ein Mann mit schwarzer Hautfarbe, der aus Nigeria stammende Priester Titus."

Söder habe nie einen Hehl aus seiner "schwarzen Katholikenseele" gemacht, sagte Mai. Die habe er gezeigt in der Form und in den Gesten, wie er die heilige Eucharistie gefeiert habe. "Du fühlst dich bei festlichen Anlässen in der Soutane wohl, kennst alle Begriffe der früheren Klerikerkleidung. Du liebst die alten Bassgeigen und lässt sie zu Ehren kommen, während sie beim Pfarrer einen seligen Schlaf in den Schubladen der Sakristei schlummern", schmunzelte Mai.  

Oberministrantin Julia Möslein überreichte zum Abschied ein Zitronenbäumchen.
Foto: Klaus Vogt | Oberministrantin Julia Möslein überreichte zum Abschied ein Zitronenbäumchen.

Aber unter dieser schwarzen Seele Söders sei noch etwas anderes versteckt. "Er trägt sie ja oft ganz bewusst: seine knalligen und bunten Socken." Da werde keine Farbe gescheut, weder knallig rot noch giftgrün. Diese bunten Socken zeigen im übertragenen Sinn, wie locker Kai Söder mit Menschen umgehen kann, lustige Sprüche macht, eine angenehme Gesprächsatmosphäre verbreitet, Menschen zum Lachen bringt. "Du verstehst es, ernsthafte Dinge nicht zu tierisch ernst zu nehmen." Die schwarze Seele und die bunten Socken - das seien die Charakteristika und die zwei Seiten des Vikars.

Danke für die offene Art

Für den Pfarrgemeinderat dankte die Vorsitzende Anja Iff für die "offene und unverkrampfte Art", mit der Söder insbesondere auf die Jugendlichen zugegangen sei. "Bitte bewahren Sie sich diese Gabe." Nachdem Söder in den anderen Pfarreien zum Abschied unter anderem schon eine Feuerschale und einen Sonnenschirm erhalten hat, überreichte Iff ihm in Gerolzhofen nun eine Relax-Liege und ein Buchgeschenk. Julia Möslein verabschiedete sich im Namen der Ministranten und übergab an Söder ein Zitronenbäumchen.

Zum Abschied sagte Söder, die fünf Jahre seien wie im Flug vorübergegangen. Er gehe mit einem lachenden Auge, weil er sich auf die neue Herausforderung als selbstständiger Pfarrer freue. Es gebe aber auch das weinende Auge, weil er sich hier in der Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus sehr wohlgefühlt habe. "Ich wäre sonst ja nicht so lange geblieben..."

Zur Person: Kai Söder

Bischof Franz Jung hat Kai Söder (37), bislang Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft „Sankt Franziskus am Steigerwald, Gerolzhofen“, mit Wirkung vom 1. Oktober zum Pfarrer auf sechs Jahre für die Pfarreiengemeinschaft „Schweinfurter Rhön, Hesselbach“ ernannt. Söder wurde 1982 in Bad Neustadt/Saale geboren und stammt aus Sandberg in der Rhön. 2009 zum Priester geweiht, war Söder zunächst in der Pfarreiengemeinschaft „Heilig Geist Rauhenebrach“, ehe er in die Pfarreiengemeinschaft „Sankt Christophorus im Baunach-, Itz- und Lautergrund, Baunach“ wechselte. 2012 kam er als Pfarrvikar in die Pfarreiengemeinschaft „Zu den Frankenaposteln im Maintal, Bergrheinfeld“ und war 2013 vorübergehend auch Pfarradministrator der Pfarreiengemeinschaft „Röthlein, Heidenfeld, Hirschfeld“. Seit 2015 war Söder Pfarrvikar in der Pfarreiengemeinschaft „Sankt Franziskus am Steigerwald“.
Quelle: POW

Zur Person: Titus Ojonyi

Zum 1. Oktober kommt ein neuer Geistlicher in die Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus: Pfarrer Titus Ojonyi. Er stammt aus der Diözese Idah in Nigeria. Er wurde 1981 als drittes von neun Kindern geboren und am 17.Juli 2010 zum Priester geweiht. Nach der Priesterweihe wirkte er zunächst im Knabenseminar von Idah, dann war er für fünf Jahre als Seelsorger an der Fachhochschule Idah tätig. Seit März 2018 promoviert Ojonyi in Deutschland in Christlicher Sozialethik zum Thema "Armut und Gewalt - die nigerianische Erfahrung". Er wird an den Wochenenden und auch unter der Woche Gottesdienste in der Pfarreiengemeinschaft feiern, wofür Pfarrer Mai sehr dankbar ist, weil man ansonsten nach dem Weggang von Vikar Kai Söder gezwungen gewesen wäre, das vielfältige Gottesdienstangebot radikal zu kürzen. Titus Ojonyi wird aber nicht in allen Feldern der Seelsorge tätig werden, sondern hat auch die Aufgabe, konzentriert an seinem Doktorat zu arbeiten.
Quelle: Pfarrbüro GEO
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