Schweinfurt

Von der Hotelfachfrau zur Opernsängerin

Rita Kapfhammer in ihrer Paraderolle der Azucena in Verdis Oper der Troubadour. FOTO Claudia Heysel
Foto: chey | Rita Kapfhammer in ihrer Paraderolle der Azucena in Verdis Oper der Troubadour. FOTO Claudia Heysel

Ein alltägliche Karriere sieht anders aus. Seit Jahren begeistert die gebürtige Oberbayerin Rita Kapfhammer bei ihren Gastspielen im Theater der Stadt Schweinfurt mit ihrer voluminösen, dunklen Mezzostimme. Ihre Abstecher mit dem Opernensemble des Anhaltischen Theaters Dessau gehören regelmäßig zu den Höhepunkten der Theatersaison. Dieses Mal gastiert die in Bad Tölz geborene Sängerin mit Verdis „Il Trovatore“ und ihrer Paraderolle der rachsüchtigen Zigeunerin Azucena. Ein Glücksfall, von den Kritiken mit Lob überschüttet. Dabei hätte alles eigentlich ganz anders kommen sollen - Rita Kapfhammer sollte als ausgebildete Hotelfachfrau im Hotelwesen ihre Berufung finden. Nicht auf der Bühne.

Jetzt verraten Sie uns bitte, wie man den Berufsweg von einer ausgebildeten Hotelfachfrau auf die große Opernbühne findet?

Rita Kapfhammer: (lacht). Es war Zufall. Meine Familie hat einen eigenen kleinen Hotelbetrieb und es war klar, dass ich da engagieren werde. Dass ich Sängerin werde, war für mich überhaupt kein Thema, ich konnte mir das nie vorstellen. Es kam alles eigentlich ganz banal, weil ich im Kirchenchor gesungen habe, so aus Spaß. Und der Kantor hat da einmal für uns einen Stimmbildner heran gezogen. Und der hat dann gesagt: 'Du musst studieren!' Und ich hab' gsagt: 'Nein, nein, ich studier' net, so ein Schmarrn!'

Der Mann ist aber anscheinend hartnäckiger geblieben?

Kapfhammer: Ja, das kann man so sagen. Der hat mich in der Tat so lange bekniet, bis ich die Aufnahmeprüfung in München an der Musikhochschule gemacht habe und wenn das nicht funktioniert hätte, wäre der Käse für mich dann auch gegessen gewesen. Nur, die haben mich dann erstaunlicherweise genommen. Am Anfang habe ich nur das Nötigste gemacht, weil ich nebenbei noch im Hotel gearbeitet habe. Erst zum Ende des Studiums hat sich das ergeben, dass ich gesagt habe, entweder ich mache jetzt weiter und versuche meine Gesangs-Karriere oder das ganze verläuft im Sand. Und so bin ich jetzt zwanzig Jahre schon in dem Job.

Was nervt eigentlich mehr – nörgelnde Hotelgäste oder ein gelangweiltes Publikum?

Kapfhammer: (lacht). Oh, das ist beides schlimm genug und ich hoffe beides nicht zu bekommen. Ich glaube aber beides ist in einem gewissen Maße steuerbar. So, wie man in den Wald hinein ruft, kommt es auch zurück. Das ist im Hotelfach so, wenn man den Menschen mit Freundlichkeit begegnet, wird man auch mit dem größten Nörgler fertig. Auf der Bühne ist es so, wenn der Zuhörer spürt, dass man vollkommen bei ihm ist, in der Rolle aufgeht, dann kann man in der Regel auch den Zuhörer mitnehmen und mitreißen.

Sie stammen aus einer bayerischen Familie in der Stubenmusik noch zur guten Tradition gehört ...

Kapfhammer: ...Sie haben sich aber gut informiert. Ja, das stimmt Ich habe selber lange Stubenmusik gemacht und Hackbrett gespielt und meine Schwester Zither. Zusammen mit meinem Bruder haben wir dann Drei-Gesang gemacht. Meine anderen Geschwister machen auch alle Musik. Der andere Bruder spielt wie mein Vater in der Blaskapelle, also meine ganze Familie ist ziemlich musikalisch. Von meiner Oma habe ich die Stimme geerbt, nur zu deren Zeiten damals war es nicht möglich, so eine Karriere zu machen. Die waren damals 18 Kinder. Da wird man nicht Opernsänger. Das war von Haus aus einfach nicht möglich.

Klavier oder Hackbrett - was ist Ihnen lieber?

KapfhamMer: Ah, Hackbrett auf alle Fälle. Klavier war nie mein Lieblingsinstrument, da muss man doch ziemlich viel üben. Ich war nie ein so großer „Über vor dem Herrn“. Also ich kann schon einigermaßen spielen, aber einen Wettbewerb gewinne ich damit Sicherheit nicht.

Kapfhammer: Wenn Sie zuhause das Radio einschalten, was bevorzugen Sie: Pop oder Klassik?

Sie werden lachen, ich schalte gar nichts an und empfinde dann Stille auch einmal als ganz erholsam. Meine Familie hört da eher das ganze Schlagerzeug, das wird mir manchmal zu viel. Ich sag' dann nichts, aber wenn alle draußen sind, dann schalte ich das Gerät einfach aus.

Im Schweinfurter Theater singen Sie die schwierige Partie der Zigeunerin Azucena in Verdis „Troubadour“, jetzt gleich an vier Abenden. Verträgt das Ihre Stimme so einfach?

kapfhammer: Ja, auf jeden Fall, das wird kein Problem sein. Man muss sich dann halt am nächsten Tag ausruhen und vielleicht auch etwas länger schlafen. Einfach so leben, dass man sich die Kraft für die Stimme spart. Von der Konstitution her bin ich eigentlich relativ robust. Am Abend vor der Vorstellung gehe ich relativ früh ins Bett. Schlecht ist Hektik. Aber grundsätzlich versuche ich den Alltag normal zu halten. Einige Sänger halten am Tag der Aufführung Diät oder trinken weniger um die Stimme zu schonen. So was mach' ich nicht mit.

Sie stammen aus Oberbayern. Franken gilt auch als Land der Brauereien und der Winzer. Was steht eher auf Ihrer Hitliste ganz oben – Bier oder Wein?

Kapfhammer: Ich bin Weintrinker. Biertrinker war ich noch nie. Wenn überhaupt dann trinke ich nur ein isotonisches, also alkoholfreies Weißbier, weil ich einfach müde werde vom Bier. Da kann ich mich dann gleich schlafen legen. Dann lass ich das lieber und trinke einen guten Wein. Und da gerne auch mal einen fränkischen Silvaner.

Vorstellungen: 21., 22. und 24., 25. Juni, 19.30 Uhr im Theater der Stadt Schweinfurt, Karten unter Tel. (0 97 21) 51 49 55, Di, Mi., Fr., Sa., 9.30 Uhr - 13.30 Uhr, Do. 14 - 18 Uhr

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