Michelau

Von Michelau nach Michelau: Ein Hobbyläufer aus Oberfranken wird zum Botschafter in Unterfranken

Bertram Wich aus Michelau in Oberfranken machte sich zu Fuß auf den Weg nach Michelau im Steigerwald. Der Hobbyläufer will damit alte Kontakte wieder aufleben lassen.
Mit seinem Hobbylauf von Michelau in Oberfranken nach Michelau im Steigerwald hatte Bertram Wich (rechts) die sportliche Herausforderung angenommen, die knapp 80 Kilometer lange Strecke als Läufer zurückzulegen. Als Botschafter der Korbmachergemeinde tauschte er mit dem Bürgermeister Michael Wolf am Ortsschild von Michelau im Steigerwald Erinnerungsgeschenke aus.
Foto: Klaus Gagel | Mit seinem Hobbylauf von Michelau in Oberfranken nach Michelau im Steigerwald hatte Bertram Wich (rechts) die sportliche Herausforderung angenommen, die knapp 80 Kilometer lange Strecke als Läufer zurückzulegen.

57 Kilometer Luftlinie trennen die beiden Orte. Mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß sind gar bis zu 80 Kilometer zurückzulegen. Michelau in Oberfranken (bei Lichtenfels) hat mit Michelau im Steigerwald in Unterfranken ein Pendant, das nicht nur durch die Namensgleichheit neugierig macht. „Von Michelau nach Michelau“ lautete der „Marschbefehl“ für den Oberfranken Bertram Wich. Gemeinsam mit Freunden startet er zu einem Kurzbesuch im „anderen Michelau.“ Doch während seine Kumpel die Anfahrt mit dem Fahrrad wählten, suchte Bertram Wich eine andere sportliche Herausforderung. Als begeisterter Langstreckenläufer legte er die Strecke in Laufschuhen zurück.

Erste Kontakte zwischen den beiden Ortschaften gab es, wie Bernd Tischer aus Michelau in Oberfranken zu berichten wusste, bereits in den 1990-er Jahren im Zuge einer Weinfahrt der Oberfranken nach Unterfranken. Doch das zarte Pflänzchen der Freundschaft verfiel in einen Dornröschenschlaf, ehe es heuer im Rahmen einer Radtour wiedererweckt wurde: Das Hexenhäusle Neuhausen bei Michelau im Steigerwald hatte es den Freunden mit seinem Biergarten und dem originellen Ambiente angetan. Die separate Hütte dort mit ihren Stockbetten lud zum Übernachten ein. 

Lauf gegen den "inneren Schweinehund"

Nun also stand ein erneuter Besuch an, diesmal wollte Betram Wich die Laufschuhe schnüren. Das Abenteuer „Michelau meets Michelau“ begann für Wich an einem Samstagmorgen im August um 6 Uhr. Mehrere Wochen hatte sich der Hobbyläufer auf die lange Strecke vorbereitet. Nicht umsonst wie sich zeigen sollte, denn nach heißen Sommertagen regnete es an besagtem Samstag den ganzen Vormittag. Hauptsache ankommen lautete das Ziel. Die Zeit war bei diesem Lauf gegen den „inneren Schweinehund“ Nebensache.

Nicht alles lief glatt. Allein auf weiter Flur, als Proviant-Selbstversorger, kämpfte Bertram Wich mit der Strecke und dem Regen, der erst zur Mittagzeit nachließ. Nach rund vierzig Kilometern war er am Tiefpunkt angelangt. In einem Bushäuschen in Priegendorf, einem Stadtteil von Baunach, machte er sich Gedanken über den Sinn seines Tuns, wie er berichtet. Schließlich waren es noch über dreißig Kilometer bis zum Ziel.

Bertram Wich wusste, auch Finisher von Ultratrails kennen diese Tiefpunkte. Da hilft es nur, einfach weiterzulaufen und so trabte er wieder los, erinnert er sich. Er erlebte seinen Aussagen zufolge einen richtigen Flow, registrierte, dass er bereits acht Kilometer geschafft hatte ohne über die verbleibenden 24 Kilometer nachzudenken.

Bei Eltmann ging es ewig lang den Berg hoch und danach runter nach Unterschleichach. Um sicher zu gehen, dass er noch auf der richtigen Route war, fragte er einen Einheimischen. „Wo willst´n hin?“ fragte der. „Nach Michelau“. „Und wo kommst´n her?“ „Von Michelau." Der Einwohner war etwas verdutzt, klärte aber dann auf: „Das sind fei noch mindestens neun Kilometer.“

Falsch abgebogen

Tatsächlich wurden es in Wirklichkeit einige mehr, da Bertram Wich einmal falsch abgebogen war und einen kräftezehrenden Umweg lief. Doch das spielte alles keine Rolle mehr. Nach acht Stunden und 13 Minuten kam er in Michelau im Steigerwald an. Auf den 74 Kilometern mit 940 Meter Höhenunterschied hatte er seinen Berechnungen zufolge knapp 4400 Kalorien verbraucht.

Immerhin veranlasste diese Energieleistung den neu gewählten Bürgermeister Michael Wolf aus Michelau im Steigerwald, sich mit Bertram Wich am Ortsschild zu einem Erinnerungsfoto zu treffen. Wie sich das gehört, wurden Geschenke ausgetauscht. Bertram Wich fungierte als Überbringer des Michelauer Erinnerungstellers und konnte dafür eine Nachbildung des dortigen Gemeindewappens mit in seinen Heimatort nehmen.

Beide Wappen regten zu einem Vergleich an: Die Michelauer Fischreuse weist auf das ehemalige Fischerdorf und den Weidenanbau in Oberfranken hin. Das unterfränkische Gemeindewappen ziert ein durchgehender silberner Bischofsstab, oben mit je einer goldenen Weintraube, unten belegt mit einer geöffneten goldenen Schere. Michelau in Unterfranken ist eben im Gegensatz zum oberfränkischen Michelau überwiegend katholisch und ist von zahlreichen Weinbergen umgeben. Schließlich gibt es im Ort sechs Winzerbetriebe und so wird ein Weißwein aus Michelau/Unterfranken gern auch mal im Michelau/Oberfranken den Gästen kredenzt.

Die unterfränkische Gegend ist weit ländlicher geprägt als das Obermaingebiet. Dagegen hat sich die ehemalige Korbmachergemeinde längst zum Industriestandort gemausert.  „Wo ist denn hier das Gewerbegebiet?“ Das bekommen die Unterfranken immer wieder einmal von einem auswärtigen LKW-Fahrer zu hören, der versehentlich nicht in Michelau in Oberfranken, sondern in Unterfranken gelandet ist. Dort gibt es aber kein derartiges Gewerbegebiet.

Machtwechsel in beiden Orten

Bei aller Verschiedenartigkeit haben beide Orte auch Gemeinsamkeit. Bei den letzten Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen gab es in beiden Orten einen Machtwechsel. Michael Wolf ist seit dem  1. Mai 2020 ehrenamtlicher Bürgermeister im unterfränkischen Michelau. Sein Vorgänger Siegfried Ständecke stand 18 Jahre an der Spitze der Gemeinde und kandidierte 2020 nicht mehr.

Analog verhielt es sich auch in der Korbmachergemeinde. Hier hat der neu gewählte Bürgermeister Dirk Rosenbauer am 1. Mai 2020 das Amt des ersten Bürgermeisters  übernommen. Sein Vorgänger Helmut Fischer stand seit dem 9. April 2006 an der Spitze der Großgemeinde. Auch er verzichtete zuletzt auf eine erneute Kandidatur.

Freundschaft neu beleben

So war es nur zu verständlich dass Bürgermeister Michael Wolf darum bat, seinem Amtskollegen Dirk Rosenbauer herzlich zu grüßen. Damit könnte der Hobbylauf von Bertram Wich dazu betragen, das freundschaftliche Verhältnis der beiden Ortschaften wieder etwas zu beleben. Die Heimatkapelle Michelau im Steigerwald musste coronabedingt die Feier ihres 75. Jubiläums auf 2021 verschieben. „Unser Besuch und das geplante Kreismusikfest könnten ja den einen oder anderen Michelauer anregen, sich Michelau in Unterfranken mal näher anzuschauen“, stellte Bertram Wich in diesem Zusammenhang fest.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Schweinfurt und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Michelau
1. Mai
Biergärten
Bürgermeisterwahlen
Fahrräder
Freunde
Helmut Fischer
Kurzbesuche
Michael Wolf
Oberfranken
Siegfried Ständecke
Unterfranken
Weintrauben
Weissweine
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!