Oberspiesheim

Wachsamer Blick auf Veränderungen in der Pflanzenwelt

Martin Mack (Mitte) aus Unterspiesheim hat von Harald Maier (rechts) vom Deutschen Wetterdienst eine Auszeichnung für seine 25-jährige ehrenamtliche als phänologischer Beobachter erhalten. Mit im Bild Kolitzheims Bürgermeister Horst Herbert.
Foto: DWD | Martin Mack (Mitte) aus Unterspiesheim hat von Harald Maier (rechts) vom Deutschen Wetterdienst eine Auszeichnung für seine 25-jährige ehrenamtliche als phänologischer Beobachter erhalten.

Martin Mack aus Unterspiesheim erfasst und notiert als ehrenamtlicher phänologischer Beobachter seit 1996 im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die Veränderungen in der Pflanzenwelt im Raum Unter- und Oberspiesheim, als Jahresmelder und seit 2015 zusätzlich als Sofortmelder. Dies ist einer Pressemitteilung des DWD zu entnehmen. Außerdem war er von 1999 bis 2014 Agrar-Wochenmelder. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat dem Oberspiesheimer nun als Dank für sein über 25-jähriges ehrenamtliches Engagement die Wetterdienstplakette verliehen.

Die Auszeichnung wurde Mack von Harald Maier, dem Leiter der Agrarmeteorologischen Niederlassung des DWD in Weihenstephan, in Anwesenheit von Kolitzheims Bürgermeister Horst Herbert überreicht. Maier würdigte der Pressemitteilung zufolge insbesondere die außerordentliche Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft von Mack als phänologischer Beobachter.

Phänologie ist die Lehre vom Einfluss der Witterung und des Klimas auf den jahreszeitlichen Entwicklungsgang der Pflanzen. Phänologische Beobachter erfassen sogenannte phänologische Entwicklungsphasen (Austrieb, Blüte, Reife, Blattfall) von Wildpflanzen, Obstgehölzen, Weinreben und landwirtschaftlichen Kulturpflanzen an einem Standort. Die Pflanzen dienen dabei als natürliche Sensoren.

Die Beobachtungen sind laut DWD "keine naturverbundene Spielerei, sondern stellen wertvolle Daten für viele Bereiche dar". Sie dienten als Grundlage für die Planung wichtiger Investitionen in Landwirtschaft und Gartenbau, etwa Obstplantagen oder Beregnungsanlagen. Sie seien auch wichtige Zeitgeber in meteorologischen und landwirtschaftlichen Modellen für die Berechnung des Gefahrenpotenzials von Pilzkrankheiten und Schädlingen oder für die Ertragsprognose. Sie finden Eingang in die regionale, pflanzenbauliche und agrarmeteorologische Beratung des DWD, der die phänologischen Daten mit den Klimadaten verknüpft. Der Service des DWD ermögliche es dem Landwirt, seine Arbeiten gezielter und umweltgerechter durchzuführen. "Damit sind die phänologischen Beobachtungen auch ein wichtiger Beitrag für die umweltschonende Erzeugung gesunder Nahrungsmittel" erklärt Maier vom DWD.

Nicht nur Landwirtschaft und Gartenbau, sondern auch viele weitere Bereiche, wie der Fremdenverkehr, die Landschaftspflege, die Imkereien und die Medizin profitierten gleichermaßen von den Daten. Auch die für Allergiker so wichtige Pollenflugvorhersage wäre ohne phänologische Beobachtungen nicht möglich.

Die Daten dienen laut DWD ferner als Arbeitsgrundlage für viele wissenschaftliche Bereiche, zum Beispiel für die Ökologie und die Klimaforschung, wo die Phänologie längst zu einem internationalen Forschungsgegenstand geworden ist, dem sich alle führenden Universitäten weltweit zuwenden. Die Forschungsergebnisse nutzt der zwischenstaatliche Ausschuss für den Klimawandel (IPCC), um die Wirkung des anthropogenen Klimawandels auf Ökosysteme zu durchleuchten.

Die Beobachtungsdaten von Mack würden also nicht nur für nationale, sondern auch für internationale Untersuchungen verwendet, meinte Maier. "Ihre Beobachtungsstelle ist damit Bestandteil des internationalen phänologischen Netzwerks."

Die phänologische Beobachtungstätigkeit erfordert dem DWD-Vertreter zufolge ein hohes Maß an Naturverbundenheit, Einfühlungsvermögen in die biologischen Prozesse, Idealismus und Pflichtgefühl. Phänologen müssten für ihre Tätigkeit ein besonderes Engagement mitbringen und die Beobachtungen ganzjährig, ohne Pause durchführen.

Der DWD unterhält eigenen Angaben nach circa 1100 phänologische Beobachtungsstellen bundesweit, davon allein 265 in Bayern. Ungefähr 147 Entwicklungsstadien an 45 Pflanzenarten werden regelmäßig erfasst und dem DWD gemeldet, der sie ebenfalls wissenschaftlich auswertet, grafisch aufbereitet und jedermann auf seiner Webseite kostenlos zur Verfügung stellt. In keinem anderen Land gebe es ein vergleichbares, langjähriges Netz von Beobachtungsstellen, schreibt der DWD.

Für die Brauchbarkeit langjähriger Beobachtungsdaten sei es sehr wichtig, dass die Daten immer und möglichst lange von derselben Person erhoben wurden. Nur so seien die innere Konsistenz und damit die Vergleichbarkeit zwischen den Jahren gewährleistet. Deshalb bezeichnet der DWD Menschen wie Martin Mack, "die mit Liebe zur Natur und einer guten Beobachtungsgabe jahrzehntelang gewissenhaft die Flora in ihrer Region überwachen", als für den nationalen Wetterdienst unverzichtbar.

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