Kreis Schweinfurt

Wandern in Schweinfurts Süden: Biotope, Jungfrauen und Seen

Den Seftenhof gibt es seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr. Besiedelt war der Schwebheimer Wald aber schon zur Hallstattzeit. Wandern und radeln an der Stadtgrenze.
Blick von der Aussichtskanzel bei Sennfeld auf das Schweinfurter Gemeinschaftskraftwerk (GKS).
Blick von der Aussichtskanzel bei Sennfeld auf das Schweinfurter Gemeinschaftskraftwerk (GKS). Foto: Gerd Landgraf

Ganz nah bei der Stadt gibt es tolle Wander- und Radlergebiete. Wer es hügelig mag, der geht in den Norden. Wer das flache Land bevorzugt, ist im Süden unterwegs – etwa entlang des über fünf Kilometer langen Biotopverbunds bei Sennfeld, bei den Seen der Wüstung Senftenhof oder der Sanddüne Tännig (beides im Schwebheimer Wald), im Vogelschutzgebiet Sauerstücksee oder in der Regenwasserrückhaltung des Industrie- und Gewerbeparks Maintal.

Der Rastplatz Helle Lohe an den Mainauen.
Der Rastplatz Helle Lohe an den Mainauen. Foto: Gerd Landgraf

Vom Stadtpark (Wehranlagen) sind es über die Sennfelder Mainauelandschaft zum Rastplatz Helle Lohe im Nordosten von Sennfeld etwa drei Kilometer. An dem Gedenkstein "Bewahrt die Schöpfung" beginnt/endet der "Biotopverbund Sennfeld 2000", der auf 5,2 Kilometern bis zur Gemarkungsgrenze Gochsheim und zurück nach Sennfeld (Ortseingang Weyerer Straße) führt. 

Natur pur zwischen den intensiv genutzten Feldern auf der Gemarkung Sennfeld.
Natur pur zwischen den intensiv genutzten Feldern auf der Gemarkung Sennfeld. Foto: Gerd Landgraf

Sechs Jahre (ab 1994) arbeitete die Gemeinde an dem Biotopverbund (7,1 Hektar). Sie pflanzte 90 hochstämmige Laubbäume (wie Spitzahorn, Hainbuche, Elsbeere und Walnuss) und auch Wildobst- und Obstbäume (darunter Speierling, Wildbirne, Vogelkirsche) sowie 1260 heimische Wildsträucher. Neben Mager- und Feuchtstandorten wurden Kräuter- und Blühwiesen mit Lesestein- und Todholzhaufen angelegt. Insektenhotels und Greifvogelstangen ergänzen die Lebensräume für Eidechsen, Igel, Hasen, Vögel und Insekten.

Die Aussichtskanzel Maintalblick bei Sennfeld.
Die Aussichtskanzel Maintalblick bei Sennfeld. Foto: Gerd Landgraf

Eine Rast bietet sich an der Aussichtskanzel Maintalblick oberhalb des Reichelshofs (der Hof, nicht die Siedlung) an – dem mit 262 Metern höchsten Punkt der Sennfelder Gemarkung (50 Meter über dem Ort). Erbaut aus Douglasienholz hat im Auftrag der Gemeinde im Jahr 2013 das THW Schweinfurt den Turm, auf dem Panoramatafeln die Orientierung in der Landschaft erleichtern. 

Der Biotopverbund präsentiert Feucht- und Trockenflächen.
Der Biotopverbund präsentiert Feucht- und Trockenflächen. Foto: Gerd Landgraf

Vom Parkplatz im Süden der Naherholungsanlage Baggersee ist der Schwebheimer Wald nach der Überquerung der Straße nach Grafenrheinfeld erreicht. Einige Minuten später wird es an den drei Senftenhofseen wildromantisch. Die Wüstung Senftenhof lag im heutigen Grenzgebiet der Gemarkungen von Grafenrheinfeld, Gochsheim und Schweinfurt. Aufgegeben wurde das Gut wahrscheinlich im 17. Jahrhundert. Besiedelt war der Bereich schon während der Eisenzeit. So wurden während der Bauarbeiten an der Kreisstraße SW 3 mehrere Grabhügel der Hallstattkultur lokalisiert.

Im 17. Jahrhundert wurde der Senftenhof aufgegeben. Er soll an den Seen im Schwebheimer Wald gelegen haben.
Im 17. Jahrhundert wurde der Senftenhof aufgegeben. Er soll an den Seen im Schwebheimer Wald gelegen haben. Foto: Gerd Landgraf

Die Lage des Hofs wird auch in einer Sage thematisiert. Danach lebten auf dem Hof drei Jungfrauen aus einer sehr reichen Familie. Als die Damen alt wurden und gepflegt werden mussten, wandten sie sich zunächst ins nahe Gochsheim. Dort wurden sie abgewiesen. Gleiches widerfuhr ihnen in Sennfeld. Aufnahme fanden sie im Schweinfurter Spital, weshalb sie diesem ihre Forste vermacht haben sollen. Daran erinnern die Waldabteilungen Unteres und Oberes Spitalholz, die noch heute zum Stadtwald gehören. 

Die Flugsanddüne Tännig.
Die Flugsanddüne Tännig. Foto: Gerd Landgraf

Ausgeschildert ist ab den Senftenhofseen die Flugsanddüne Tännig. Die Binnendünen oder auch Flugsandfelder sind vom Wind hervorgebracht und wurden überwiegend unter kaltklimatischen Bedingungen am Ende der Weichsel- oder Würm-Eiszeit, also vor etwas mehr als 10 000 Jahren Jahren, aufgeweht. 

Das Vogelschutzgebiet Sauerstücksee
Das Vogelschutzgebiet Sauerstücksee Foto: Gerd Landgraf

In Richtung Grafenrheinfeld (hinter dem Betriebsgelände von Glöckle) schließt sich das Vogelschutzgebiet Sauerstücksee an. Zu empfehlen ist der markierte Rundweg, der an gleich mehreren Anglerseen und weiteren Wasserflächen vorbei, über Wiesen und durch Schilfflächen sowie durch Auwald führt. Der Vogelwelt ist viel Platz geboten. Auch hier gibt es einen Aussichtsturm, der über den gesamten Sauerstücksee (auch Sauerstöcksee) blicken lässt. Aktuell zeigt sich die Vogelwelt allerdings weniger bunt als in früheren Jahren. Reichlich anzutreffen sind Kanada- und Nilgänse– und von Zeit zu Zeit auch Schwäne.  

In breiten Gräben versickert Regenwasser im Maintal.
In breiten Gräben versickert Regenwasser im Maintal. Foto: Gerd Landgraf

Eine etwas andere Wanderung bietet sich nördlich der Kreisstraße durch den Industrie- und Gewerbepark Maintal an, in dem alle Industrieflächen verkauft und nur noch einige Gewerbegrundstücke zu haben sind. Begrünt hat die Stadt den Industrie- und Gewerbepark für rund drei Millionen Euro. Alsbald soll erneut ein tiefer Griff in die Stadtkasse für die Renaturierung des Geländes der derzeitigen Kiesausbeute durch die Firma Glöckle zwischen der Naherholungsanlage Baggersee und dem Maintal erfolgen. Entstehen wird ein Rückzugsgebiet für Wiesenbrüter und Eidechsen mit einer Wasserfläche in der Größe des benachbarten Badesees der Naherholungsanlage.

Die Wasserfläche der Sand- und Kiesausbeute wird verkleinert. Zwischen der Industrie und dem Baggersee entsteht ein Rückzugsgebiet für Vögel und Reptilien.
Die Wasserfläche der Sand- und Kiesausbeute wird verkleinert. Zwischen der Industrie und dem Baggersee entsteht ein Rückzugsgebiet für Vögel und Reptilien. Foto: Gerd Landgraf

Teilweise begehbar sind die mitunter sehr breiten Gräben zur Oberflächenentwässerung. Das Regenwasser darf von den Dächern und Freiflächen nicht in den Kanal, es muss versickern. Geschaffen wurde dafür ein Grünzug entlang der Europa-Allee (Haupterschließungsstraße, der ab dem mittleren Verkehrskreisel nach Osten abzeigt und sich dann weiter nach Süden bis zur Straße Gochsheim/Grafenrheinfeld fortsetzt. Dieser große Graben ist mit Mulden bestückt. Bei starkem Regen entstehen so kleine Seen. Nicht in den Graben und die Vorstaubecken gelangt das Oberflächenwasser der Straßen, das dem Kanal zugeführt wird und über Pumpwerke per Düker unter dem Main zum Klärwerk in Oberndorf geschickt wird. Das Oberflächenwasser des südwestlichen "Maintals" wird in den Ellerngraben und von diesem Vorfluter in den Main geleitet.

Für den Rückweg aus dem Maintal bietet sich die Verlängerung der Londonstraße (keine Autos, frei nur für den Stadtbus) an, die zur Kleingartenanlage am Baggersee führt. 

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