Vasbühl

Warten auf die rosarote Bio-Mohnpracht

Landwirtschaft: Öko-Bauer Manfred Schulz baut Schlafmohn an. Sein „Bio-Hoflädla“ öffnet zu Vasbühls Jubiläumsfest.
Bio-Landwirt Manfred Schulz zeigt auf seinem Mohnfeld bei Vasbühl der Öko-Modellregion-Managerin im Oberen Werntal, Anna-Katharina Paar, die Pflänzchen.
Foto: Silvia Eidel | Bio-Landwirt Manfred Schulz zeigt auf seinem Mohnfeld bei Vasbühl der Öko-Modellregion-Managerin im Oberen Werntal, Anna-Katharina Paar, die Pflänzchen.

Neue Feldfrüchte hat Biobauer Manfred Schulz schon immer ausprobiert: Öllein, Hanf oder Linsen etwa. Jetzt ist es Bio-Schlafmohn, den er als erster Landwirt im Landkreis Schweinfurt anbaut. Die außergewöhnliche, prächtig rosarot blühende Kulturpflanze ergänzt die Vielfalt seiner Feldfrüchte, von denen er Gemüse und Salate im neu eröffneten „Bio-Hoflädla“ an seinem Jakobushof pünktlich zur 700-Jahrfeier von Vasbühl anbietet.

Inspiriert vom bayerischen Pionier in Sachen Bio-Schlafmohn, Josef Schmidt aus der oberpfälzischen Öko-Modellregion Steinwald, wagte sich Schulz an den Anbau der empfindlichen filigranen Pflanze auf heimischem Lößboden. Schmidt hatte im Winter für die drei unterfränkischen Öko-Modellregionen Oberes Werntal, Rhön-Grabfeld und Waldsassengau den Schlafmohn als alternative Anbaufrucht vorgestellt.

Riesige Nachfrage nach Bio-Speisemohn

Denn die Nachfrage der Lebensmittelbranche nach deutschem Bio-Speisemohn ist riesig; bislang wird der Bedarf meist aus der Türkei gedeckt. Und die ackerbauliche Wertschöpfung ist enorm hoch, hat der 61-jährige Vasbühler Landwirt erfahren.

Also beantragte Manfred Schulz im Februar bei der Bundesopiumstelle in Bonn die Genehmigung für seinen Mohnanbau, schließlich ist Schlafmohn auch als Drogenpflanze bekannt. Allerdings sind in Deutschland ausschließlich solche Mohnsorten zugelassen, die nur äußerst geringe Mengen Morphin in der Pflanze bilden können. Und in den Körnern befindet sich grundsätzlich nahezu kein Morphin.

Im März ließ Schulz die feinen grauen Mohnkörnchen auf seiner 0,6 Hektar großen Ackerfläche bei Vasbühl aussäen. „Mit meiner eigenen Sämaschine ging das nicht“, sagt er. Fündig wurde er in einer Maschinengemeinschaft, die er über seine Mitarbeit in der Öko-Modellregion Oberes Werntal kennenlernte. „Die Vernetzung und die Kontakte der Landwirte untereinander werden durch die Arbeit gefördert“, freut sich deren Managerin Anna-Katharina Paar.

Fünf Wochen lang fiel nach der Aussaat kein Regen, der Samen ging nicht auf und eine leichte Kruste hatte sich bereits auf dem Boden gebildet, erinnert sich Schulz. „Wenn's nicht klappt, dann ist es eben keine Frucht für mich“, hatte er sich schon auf einen Misserfolg eingestellt. Doch dann kam der Regen und die feinen Pflänzchen brachen durch. Jetzt freut sich der Bioland-Bauer über grüne Reihen auf dem Feld und auf das erste Fest „Mohn in Blüte“, das Ende Juni, Anfang Juli am Jakobushof gefeiert wird.

Was den Verkauf seines geernteten und getrockneten Mohns anbelangt, steht Schulz mit dem Oberpfälzer Schmidt in Kontakt, der entlang der Wertschöpfung die Vermarktung des Öko-Mohns koordiniert. „Derzeit kann nur Mohnöl hergestellt werden“, erklärt Schulz. Denn die Verarbeiter für Backwaren fordern für ihre Mohnkuchen, -brötchen, -stangen oder -strudel eine 99-prozentige Reinheit des Mohns, wofür noch die entsprechende Reinigungstechnik fehlt. „Aber da wird schon intensiv dran gearbeitet“, gibt sich Schulz zuversichtlich. Das Mohnöl erhielt übrigens im Wettbewerb „Bayerns beste Bioprodukte“ 2016 den Innovationspreis, ergänzt Paar.

Für Öko-Bauer Schulz passt der Mohn nicht nur gut zur Fruchtfolge seines 50-Hektar-Betriebes. Er schätzt auch die Pfahlwurzel der Pflanze, die den Boden lockert und Phosphat und Mineralien aufschließt. Schließlich weiß er nicht zuletzt durch seinen Bodenpraktiker-Kurs, wie wichtig ein funktionierendes Bodenleben ist. Außerdem dient die rosarote optische Mohnpracht in der Flur auch als gute Bienenweide.

Vielfalt der Früchte ist dem 61-Jährigen wichtig. Was für ihn bedeutet, neben Zuckerrüben und Getreide wie Dinkel, Weizen, Hafer, Gerste oder Buchweizen auch Kartoffeln, Salate und Gemüse aller Art anzubauen. „Bio und regional“, davon sind er und seine Frau Rita überzeugt. Anbauen wollen sie die verschiedenen Früchte aber in einer Größenordnung, die sie selbst bewältigen können.

Über den Regionalmarkt in Werneck hat Schulz gemerkt, dass eine immer größere Zielgruppe heimische Lebensmittel sucht. Deshalb entschied sich das Ehepaar, im ehemaligen Strohlager des Jakobushofs am Rand des Dorfes ein „Bio-Hoflädla“ auf Selbstbedienungsbasis zu eröffnen.

Ab Vasbühls 700-Jahrfeier am 27. und 28. Mai wird es dort dann täglich frische Salate und Gemüse geben, eigenen Früchtesaft und Rapunzel-Produkte. Am Jubiläumswochenende gesellen sich andere Öko-Landwirte mit ihren Verkaufsständen hinzu, unter anderem von Bio-Wein und Straußeneiern.

Solche feinen Mohnkörnchen hat Öko-Bauer Manfred Schulz im März auf seinem Feld ausgesät.
Foto: Silvia Eidel | Solche feinen Mohnkörnchen hat Öko-Bauer Manfred Schulz im März auf seinem Feld ausgesät.
Zum Jubiläumsfest eröffnen Rita und Manfred Schulz ihr Bio-Hoflädla. Foto: Silvia Eidel
| Zum Jubiläumsfest eröffnen Rita und Manfred Schulz ihr Bio-Hoflädla. Foto: Silvia Eidel
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