Alitzheim

Wertvoller Lebensraum für Natur und Mensch

Ortstermin auf dem Bahngelände Alitzheim: Auf der ehemaligen Ladestraße erläuterte Naturschützer Erich Rößner (vorne links) den Ratsmitgliedern und interessierten Alitzheimern den Wert des acht Hektar großen Areals für die Natur.
Ortstermin auf dem Bahngelände Alitzheim: Auf der ehemaligen Ladestraße erläuterte Naturschützer Erich Rößner (vorne links) den Ratsmitgliedern und interessierten Alitzheimern den Wert des acht Hektar großen Areals für die Natur. Foto: Peter Pfannes

Über 200 Pflanzenarten wachsen auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Bahn in Alitzheim. Etwa 1500 Insekten und andere Tiere leben auf dem 8100 Quadratmeter großen Areal, das sich ein unbekannter Investor bei einer Versteigerung in Berlin für 40 000 Euro gesichert hat. Einhellig war die Auffassung der Ratsmitglieder in ihrer Sitzung am Montag, die grüne Oase als Rückzugsfläche für Pflanzen, Tiere und Menschen zu erwerben. Dazu wird sie ihr notarielles Vorkaufsrecht wahrnehmen. Für eine spätere Teilnutzung ließ sich das Gremium alle Möglichkeiten offen.

Vor der Sitzung im Gemeindehaus in Alitzheim hatten sich die Bürgermeister mit den Gemeinderäten und mehreren Alitzheimern zum Ortstermin am Bahngelände getroffen. Zweiter Bürgermeister Albrecht Dazer informierte die Anwesenden, darunter auch Bauhofleiter Martin Eichhorn, über die Ergebnisse der Ideenrunden bei der Dorferneuerung.

Fünf Ideen für Nutzung des Bahngeländes

Fünf Varianten für die mögliche Folgenutzungen des Bahngeländes hatte der Arbeitskreis ausgearbeitet: 1. Ausweisung eines Neubaugebiets; 2. Anlegen einer attraktiven dorfgemäßen Grünfläche mit Naherholungswert; 3. Nutzung der Fläche als Minigolfanlage; 4. Parkplatz mit der Darstellung der Bahngeschichte von Alitzheim; 5. Reaktivierung der Bahnhöfe und der Bahnstrecke eventuell durch Einsatz eines elektrischen Schienenbusses in Kooperation mit dem Förderring Steigerwald-Express.

Ein weiterer Zukunftsgedanke war der ökologische Aspekt des Bahngeländes mit seiner einzigartigen Pflanzenwelt. "Hier haben wir eine spontane Vegetation", erläuterte der Alitzheimer Naturschützer Erich Rößner die Besonderheiten vor Ort. Die Vielzahl der Pflanzen habe kein Mensch gepflanzt und keiner geplant. Es sei alles von alleine gewachsen, so der "Grüne Engel", wie Rößner landläufig genannt wird.

Diese Natur benötige keinen Landwirt, keinen Gärtner, keinen Obstbauer und keinen Förster, betonte Rößner, der selbst Bauer ist. Bei der Vegetation auf dem ehemaligen Bahngelände handele es sich um eine "Pflanzenwelt der gestörten Plätze", entstanden eben durch die besondere Nutzungen der Fläche für die Bahn. Das Auge des Betrachters trifft auf ein buntes Mosaik an Pflanzen, einen von weiß über blau bis gelb blühenden Teppich.

So schön wie ein botanischer Garten

Zur Allee hin werden die Pflanzen höher, unterbrochen von einem Naturwiesenstreifen. Bestimmend für die Vegetation sei der jeweilige Untergrund, von einer wasserdurchlässigen, nährstoffarmen Schotterfläche über eine bewachsene Betonplatte (ehemalige Ladestraße) bis zum Gipskeuper mit darüberliegender Sandschicht. Als "extrem wichtig für die Ökologie" bezeichnete Rößner das Areal mit seiner Pflanzenvielfalt. "Mehr Pflanzen findet man auch nicht auf den Sulzheimer Gipshügeln", so der Experte.

Die Pflanzenwelt auf solch wilden Ruderalflächen sei extrem bedroht. Pro Pflanzenart seien bis zu acht Tierarten auf dem Bahngelände zuhause. Käfer, Heuschrecken, Wildbienen und viele weitere Insekten fänden hier erstklassige Bedingungen als Lebensgrundlage vor. Auch Vögel hätten in dem kleinen Paradies ihr Zuhause, wie etwa der Neuntöter (Vogel des Jahres 1985) oder die Nachtigall (1995). Auch das Rebhuhn halte sich gerne in dem Bereich auf. In botanischen Gärten gebe es keine schöneren Pflanzenbestände, so Rößner.

Unmittelbar neben den Gleisen hat sich in Alitzheim eine wertvolle Flora und Fauna angesiedelt.
Unmittelbar neben den Gleisen hat sich in Alitzheim eine wertvolle Flora und Fauna angesiedelt. Foto: Peter Pfannes

Das Gelände habe auch große Bedeutung für die Naherholung. Während Gartenschauen eine sehr teure Angelegenheit seien, müsse man hier überhaupt nichts investieren. Etwas Kies auf die bereits vorhandenen Trampelpfade durch das Gelände und schon wäre das Naherholungsgebiet fertig, meinte Rößner. Der Pflegeaufwand für die Gemeinde wäre sehr gering. Auch mit Blick auf mögliche Altlasten im Untergrund will der Gemeinderat die grüne Oase jetzt erst einmal in ihrer Ursprünglichkeit belassen. Um die Wege aufzuwerten, sollen bis zu 2000 Euro in die Hand genommen werden.

Gemeinderat will Bauausschuss

Weiteres Ziel der Besichtigungstour war der Alitzheimer Friedhof. Dort informierte Jutta Martinelli von der Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen über die Folgenutzung von vier ehemaligen Familiengräbern. Solch große Ruhestätten  seien heutzutage nicht mehr gefragt, da sie einer intensiven Pflege bedürfen, erklärte die für die Friedhöfe zuständige Sachbearbeiterin,. Jetzt sollen die Grabumrandungen entfernt und Rasen angesät werden. Die Ratsmitglieder besichtigten schließlich den Platz für die künftigen Baumbestattungen.

Einig war sich das Gremium, einen Bauausschuss ins Leben zu rufen. Acht Ratsmitglieder plus Bürgermeister sollen ihn bilden, lautete der Beschluss. Da die Frage der Stellvertreter noch offen blieb, wurde die Entscheidung über die personelle Besetzung des Bauausschusses vertagt.

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