Gerolzhofen

Wie die Feldlerche und andere Bodenbrüter in Gerolzhofen eine neue Chance bekommen

Bodenbrüter haben immer weniger geschützten Lebensraum zur Verfügung. Der Gerolzhöfer Hegeringleiter Martin Rügamer will das ändern und gestaltet Flächen um.
Die Feldlerche: Ein Bodenbrüter, der in unserer Region heimisch ist, aber immer weniger Lebensraum vorfindet. 
Die Feldlerche: Ein Bodenbrüter, der in unserer Region heimisch ist, aber immer weniger Lebensraum vorfindet.  Foto: Frank Derer

Da flattert sie flink umher, steht kurz in der Luft, macht einen Schwenk nach links, dann wieder nach rechts. Aufgeregt sieht sie dabei aus, wirkt ein bisschen außer sich. Die Feldlerche, die hier so energisch auffällig umherfliegt, will die Blicke auf sich ziehen, erklärt Martin Rügamer, Leiter des Hegerings Gerolzhofen. Der Jäger vermutet, dass sich ganz in der Nähe ihr Nest befindet. Der Vogel setzt offenbar auf ein Ablenkungsmanöver: Im Zickzackkurs fliegt er weg vom Nest, mögliche Feinde sollen so weg von der Brut gelockt werden.

Dieses Schauspiel kann man derzeit in einigen Wiesen rund um den Gerolzhöfer Stadtwald beobachten, wenn man den Tieren zu nahe kommt. Etwa seit Mitte April ist die Feldlerche, Vogel des Jahres 2019, am Nestbauen und Brüten. Von den insgesamt 18 Revieren im Gerolzhöfer Hegering betreut Martin Rügamer zwei: Das "Mahlholz 1" (Stadtwald) und "Gerolzhofen 1" (die Wiesen und Felder drum herum), zusammen etwa 400 Hektar groß. Hier will der Jäger dafür sorgen, dass Bodenbrüter wie die Feldlerche, das Rebhuhn, womöglich auch Fasane, Bekassinen, Wiedehopfe und Schnepfen wieder einen sicheren Lebensraum vorfinden. "Früher gab's hier auch die Rohrdommel", sagt Rügamer. Und Kiebitze, allerdings sei das Gebiet um den Stadtwald für Kiebitze eher zu klein strukturiert, "die brauchen größere Felder". Eigentlich sei das ein Vogel, "der wunderbar ist. Es ist der Frühjahrsmelder für mich. Ich habe ihn aber schon ewig nicht mehr gesehen." Dass er wieder zurückkommt, "wäre ein Wunsch von mir, weil ich diesen Vogel sehr mag. Ob er kommt, ist aber ungewiss", sagt Rügamer.

Bedingungen für Bodenbrüter verbessern

Der Jäger konzentriert sich seit einiger Zeit darauf, die Bedingungen für Bodenbrüter in seinem Revier wieder zu verbessern. Dazu kauft oder pachtet er Flächen, die er dann so umgestaltet, dass die Vögel dort einen möglichst geschützten Lebensraum vorfinden. Am besten seien Felder und Wiesen, die nicht gedüngt und häufig gemäht werden und auf die keine Pestizide ausgebracht werden, erläutert Rügamer. Denn die Schädlingsbekämpfungsmittel töten Insekten, die wiederum Nahrung für die Feldvögel wie etwa Rebhühner wären.

Martin Rügamer vor einer rund 1,5 Hektar großen Wiese, auf der er mit Helfern einen Streifen mit Topinambur und Wildackerpflanzen angelegt hat. Die Gewächse sollen später einen Sichtschutz vor dem Habicht bilden, der gerne Jagd auf Bodenbrüter wie das Rebhuhn macht.
Martin Rügamer vor einer rund 1,5 Hektar großen Wiese, auf der er mit Helfern einen Streifen mit Topinambur und Wildackerpflanzen angelegt hat. Die Gewächse sollen später einen Sichtschutz vor dem Habicht bilden, der gerne Jagd auf Bodenbrüter wie das Rebhuhn macht. Foto: Andreas Lösch

Dennoch sei es um das Mahlholz herum noch recht gut bestellt, was die Tier- und Pflanzenwelt betrifft. Es gelte auch immer, einen guten Mittelweg zu finden zwischen Wald- und Landbewirtschaftung und Naturschutz. Rügamer ist mit vielen Landwirten im Gespräch, die auch Interesse daran haben, dass der Natur und der Artenvielfalt Raum gelassen wird. Als Jäger fühle er sich naturverbunden und möchte, dass Flora und Fauna gut gedeihen, dabei hilft die Vernunft: "Wenn ich mein Revier auslauge, habe ich nichts davon", erklärt er. "Bauern sehen das auch so."

Unterschlupf und Deckung für Rebhühner

Auf einer etwa 1,5 Hektar großen Wiese neben dem Mahlholz, nicht weit entfernt vom Waldkindergarten Gerolzhofen, zeigt Rügamer, was er zusammen mit einigen Jagdkollegen vor kurzem angelegt hat. Ein weitläufige Wiese ist an den Längsseiten eingesäumt von Hecken und Gestrüpp, hier finden etwa Rebhühner gut Unterschlupf und Deckung. Ebenso das Gras, wenn es die richtige Höhe hat, bietet Deckung sowie ein üppiges Angebot an Insekten. Zudem haben Rügamer und seine Helfer auf der Seite, die Richtung Wald zeigt, einen etwa eineinhalbmeter breiten Streifen angelegt und Topinambur angepflanzt sowie eine Wildackermischung gesät. Die Topinambur wird etwa eine Höhe von 2,5 Meter erreichen, die Wildackermischung wächst bis zu 1,20 Meter hoch, erklärt Rügamer. Das ganze dient "als Sichtschutz vor dem Habicht", sagt Rügamer. Der Habicht, ein sehr schneller Jäger, sitzt nämlich gern auf den hoch gewachsenen Bäumen hinter der Wiese am Waldrand. Von dort aus hat er beste Sicht und könnte die Bodenvögel leicht erspähen und bejagen. 

Probleme für die Bodenbrüter

Neben einigen Greifern haben die Bodenbrüter noch ein paar weitere Probleme, die ihnen zu schaffen machen. Zum einen ist da der Mensch, der natürlich gerne in der Natur unterwegs ist. Eigentlich kein Problem, sagt Rügamer, er selbst ist ja auch gern und oft in Wald und Flur unterwegs. Und wie eingangs erwähnt, hat auch die Anwesenheit des Jägers und des Reporters bereits die Feldlerche nervös gemacht. Aber den Tieren sei schon geholfen, wenn man auf den Wegen bliebe und ein wenig Rücksicht nehme. Hundehalter etwa sollten ihre Vierbeiner angeleint lassen, denn die freilaufenden Hunde streunen gerne durch Felder, Wiesen und Randstreifen. Wenn die Vögel, die dort brüten, einen Hund bemerken, geraten sie laut Rügamer in Panik, verlassen ihr Nest und geben oft das Gelege oder ihre Jungen auf. Weitere Feinde der Bodenbrüter sind Fuchs, Dachs, Iltis, Marder, Marderhund oder Waschbär.

Eine Feldlerche in der Umgebung des Mahlholzes in Gerolzhofen.
Eine Feldlerche in der Umgebung des Mahlholzes in Gerolzhofen. Foto: Andreas Lösch

Wenn etwa eine Rebhuhnpopulation eine gewisse Größe erreicht hat, sei das mit den Feinden weniger dramatisch, da dann genügend Vögel die Angriffe ihrer Widersacher überleben. In der momentanen Phase ist der Bestand aber noch nicht groß genug, erklärt Rügamer. Deswegen appelliert er auch an Spaziergänger und Hundehalter, Vorsicht walten zu lassen, bringt Hinweisschilder an, die auf das Bodenbrüterprojekt aufmerksam machen.

Rebhühner auswildern

Um das Projekt umsetzen zu können, hat der Jäger ein Seminar des bayerischen Jagdverbands besucht. Ein Bestandteil davon ist die Auswilderung von autochonen Rebhühnern. Autochon heißt, die Küken sind direkte Nachfahren von wilden Rebhühnern, die dann in anderen Gebieten ausgewildert werden. Dieser Teil des Seminars hätte eigentlich in diesen Tagen stattfinden sollen, musste aber wegen der Coronakrise ausfallen, sagt Rügamer. Die Auswilderung muss also noch warten.

Bis dahin will Rügamer weitere Felder und Wiesen pachten oder kaufen und bodenbrütergerecht gestalten. Einige solcher Flächen hat er schon angelegt, auch kleine Flächen von nur rund 100 Quadratmetern "überall verteilt" würden schon reichen, um die Erfolgschancen des Projekts zu erhöhen, erklärt er. 

Eine Streuobstwiese, die Martin Rügamer und einige Jagdkollegen für das Bodenbrüterprojekt vorbereitet haben. 
Eine Streuobstwiese, die Martin Rügamer und einige Jagdkollegen für das Bodenbrüterprojekt vorbereitet haben.  Foto: Andreas Lösch

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