Gerolzhofen

Wie gehäkelte Oktopusse Frühchen helfen können

Nicole Lüllau aus Gerolzhofen häkelt ehrenamtlich kleine Oktopusse für einen guten Zweck. "Es ist ein wunderbares Gefühl, dass man so einfach etwas so Gutes tun kann", sagt sie.
Nicole Lüllau im heimischen Wohnzimmer mit zwei der gehäkelten Oktopusse.
Foto: Gerald Effertz | Nicole Lüllau im heimischen Wohnzimmer mit zwei der gehäkelten Oktopusse.

Nicole Lüllau ist eine junge Mama aus Gerolzhofen. Die medizinische Fachangestellte und ihr Lebensgefährte haben zwei gesunde Kinder im Alter von eins und sechs Jahren. Bei der Geburt der beiden Kinder lief alles reibungslos. Aber das ist nicht immer so. Mehr als 60 000 Babys kommen in Deutschland jedes Jahr als Frühchen zur Welt.

Was kann man tun, wenn ein Kind in den Brutkasten muss? Medizinisch sind viele Instrumente mit Verkabelungen, Sonden und Infusionen notwendig. An eben jenen Kabeln und Schläuchen ziehen die Kinder auf Grund des stark ausgeprägten Greifreflexes sehr häufig. Neue Sonden und Infusionen zu legen kann schmerzhaft sein. Um den Kindern zu helfen, dass dieses Ziehen der Schläuche nicht oder nur wenig passiert, gibt es seit 2019 die Initiative "Oktopus für Frühchen". Die Tentakel der kleinen Tintenfische bieten den kleinen Kämpfern den nötigen Halt. Nicole Lüllau liebt es, die kleinen Oktopusse zu häkeln. Wir haben sie dazu befragt.

Frage: Wie kamen Sie zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit?

Nicole Lüllau: Ich häkel und handarbeite schon mein ganzes Leben gern und bin eigentlich durch Zufall auf die Oktopusse gestoßen. Also habe ich mich eingelesen und weil mir die Idee hinter den kleinen Oktopussen sehr gefällt, habe ich Kontakt zu Kathrin Beck, der Geschäftsführerin der Organisation, aufgenommen.

Nicole Lüllau im heimischen Wohnzimmer mit zwei der gehäkelten Oktopusse.
Foto: Gerald Effertz | Nicole Lüllau im heimischen Wohnzimmer mit zwei der gehäkelten Oktopusse.
Wie lange brauchen Sie für einen gehäkelten Oktopus?

Lüllau: Ein paar Stunden sind es schon, aber ich finde, das ist außerordentlich gut investierte Zeit!

Welches Gefühl gibt einem eine solche Tätigkeit?

Lüllau: Es ist ein wunderbares Gefühl, dass man so einfach etwas so Gutes tun kann. Mit dem Ziel möglichst viele Frühchen mit einem Oktopus versorgen zu können, hat man natürlich auch einen gewissen Ansporn.

Bekommt man von den Krankenhäusern ein Feedback oder hat man Kontakt mit Gleichgesinnten?

Lüllau: Ja, wir bekommen Feedback von Kliniken und Eltern, welches wir regelmaßig auf Facebook und auf Instagram posten. Es ist geplant, dies auch auf der Homepage (neben dem Gastebuch) mit aufzunehmen. Die Kliniken werden ja auch durch Botschafter, quasi unserem Außendienst, betreut –sofern sie denn die Oktis wieder personlich dort abgeben durften – und auch diese bekommen grundsatzlich nur positives Feedback aus dem Krankenhaus.

Kontakt zu Gleichgesinnten hat man durch unsere Facebook-Gruppe. Dort "treffen" sich viele Hakelfreunde, tauschen Tipps aus, motivieren sich und posten regelmaßig ihre Oktis. Wenn Corona uns dann mal nicht mehr im Griff hat, wird es naturlich auch wieder regelmaßig deutschlandweit Hakeltreffs geben. Diese Termine werden rechtzeitig im Veranstaltungskalender auf der Homepage, auf der Facebook-Seite und in der Facebook-Gruppe gepostet.

Gibt es hier in der Nähe ein Krankenhaus, das bereits auf die Oktopusse zurückgreift?

Lüllau: Da die Organisation noch recht "jung" ist, gibt es noch keine Klinik in direkter Nachbarschaft. Das nachstgelegene Krankenhaus ist das Burger- und Clementine Kinderhospital in Frankfurt. Viele Kliniken prufen aber momentan die Unterlagen und wir sind guter Dinge, dass in naher Zukunft auch eine Klinik in direkter Nahe dabei ist.

Wie kann man andere Menschen begeistern, ebenfalls Oktopusse zu häkeln?

Lüllau: Wer hilft denn nicht gern? Die kleinen Tintenfische sind schnell gemacht und bewirken so viel Gutes! Also ran an die Häkelnadeln!

Aber auch wenn man nicht häkeln kann, kann man zum Beispiel Material oder Geld spenden.

Bekommt man Materialien gestellt?

Lüllau: Ja. Nachdem man Oktis gespendet hat, die den "Fruhchen-Okti-TUV" bestanden haben (das heißt, dass die Oktopusse allen Kriterien entsprachen und für Frühchen geeignet sind) und regelmaßig Oktis spendet, kann man Material wie Wolle, Fullmaterial oder Sockchen bei der Organisation bestellen. Ebenso wird - wenn man mochte - der Versand der Oktis vom Häkler oder der Häklerin zur Okti-Zentrale übernommen.

Der Oktopus muss einen BMI (Body Maß Index) haben. Können Sie erklären, warum? Und ist man an gewisse Vorgaben gebunden?

Lüllau: Die Oktopusse müssen genaue Anforderungen erfüllen was die Größe und die Länge der Tentakel angeht. Auch Applikationen, wie die Augen zum Beispiel, müssen extra sicher angebracht sein, weil sonst die Gefahr bestünde, dass ein Frühchen durch abgefallene oder zu kleine Teile in Gefahr gerät.

Genau so verhält es sich auch mit den verwendeten Materialien für die Tintenfische. Alles muss Oekotex 100 zertifiziert sein und absolut fusselfrei.

Weitere Informationen unter www.oktopusfuerfruehchen.de

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